Ein alter Freund spielt im Harsewinkeler Jazzclub



Ali Claudi und sein Trio haben im Farmhouse-Jazzclub in Harsewinkel für den 2021 verstorbenen Präsidenten Jochen Belz gespielt.

Gitarrist Ali Claudi ist seit 1965 Stammgast im Farmhouse-Jazzclub. Am Wochenende spielte er dort mit Pianist Hans-Günther Adam und Christian Schröder. Foto: Poetter

Harsewinkel (gl). Wenn es darum geht, noch einmal für Jochen Belz, den im Winter 2021 verstorbenen Präsidenten des Farmhouse-Jazzclubs, zu spielen, darf ein Musiker wie Ali Claudi nicht fehlen. 1965 zum ersten Mal in Harsewinkel zu Gast, ist der Gitarrist aus Köln mit den verschiedensten Formationen, darunter die Jazzband „The Groove“ und „Die Boogie Woogie Company“, im Club aufgetreten. „Wir haben uns sofort angefreundet“, erinnert sich der Künstler an einen Vereinsvorsitzenden, der vor Kreativität nur so sprühte und immer einen flotten Spruch auf Lager hatte. 

Ali Claudi ist mit seinem Trio im Club

Diesmal ist Ali Claudi (Gitarre/Gesang) mit seinem Trio gekommen. Mit dem Schlagzeuger Christian Schröder, der am Sonntag einmal mehr durch sein begnadet einfühlsames Spiel bestach, und Hans-Günther Adam am Keyboard/Pedalbass, den der Bandleader kurz und treffend als „Tastenmagier“ vorstellte. Kurz: Ein gut eingespieltes Team erfahrener Spitzenmusiker, das seit über 40 Jahren gemeinsam „on tour“ ist. Nach einem Auftakt mit dem eher romantisch daherkommenden Lee Konitz-Song „Once I had a Secret Love“ servierte das Trio mit „Hallelujah“ ein Stück aus dem Repertoire von Ray Charles. 

Um dann in instrumental-barocker Anmutung mit dem 1952 von dem Pianisten George Shearing komponierten Jazzstandard „Lulleby of Birdland“ und der Ballade „My One and Only Love“ seine interpretatorische Vielseitigkeit zu beweisen. Großartig: Der rasant servierte Boogie-Titel „Honky Tonk Kid“, bei dem Adam den rund 150 Besuchern seine Virtuosität zeigen konnte. Mit unglaublichem Tempo und absoluter Sicherheit flogen die Finger des Pianisten über die Tasten. Der Beifall wollte kein Ende nehmen.

Das letzte Stück ist Jochen Belz gewidmet

Apropos: Vielseitigkeit. Auch französische Chansons wie den durch Charles Trenet bekannt gewordenen Kult-Hit „La mer“ hat das Trio im Repertoire. „Das spielen wir auch“, so der Bandleader: „Das Piano-Solo von Gilbert Becaud war gut, aber das von Hans-Günther Adam ist besser.“ 

Serviert wurden auch Swing-Titel wie „Chattanooga Choo Choo“, Bossa-Nova und Filmmusik. Mit „Sweet Emma“ machte die Band dann noch einen kurzen Besuch in New Orleans, um der legendären Pianistin und Sängerin Emma Barrett zu huldigen. Das letzte Stück „The Dimming of The Day“ war Jochen Belz gewidmet. Der habe zum Schluss immer gesagt: „Willst du noch einen spielen oder den Laden auskehren?“ Na klar, dass es mit „She’s Something Special“ noch eine Zugabe gab. Viel Applaus für ein inspirierendes Konzert.

Die nächsten Konzerte am 6. und 7. August

Mit der Formation Zydeco Annie & Swamp Cats geht die Reihe „Jochens Sommerwochen“ im Farmhouse-Jazzclub am nächsten Wochenende zu Ende. Die Konzerte beginnen am Samstag, 6. August, um 19 Uhr und am Sonntag, 7. August, um 12 Uhr. „Jochens Sommerwochen“ – das ist eine dreiteilige Veranstaltungsreihe zu Ehren des verstorbenen Präsidenten Jochen Belz. 

Zum Abschluss der Reihe dürfen sich die Besucher auf Zydeco Annie & Swamp Cats freuen – laut Mitteilung sind sie Deutschlands Aushängeschild für die Zydeco-Musik der französischstämmigen Cajuns aus Louisiana. „Diese Musik ist immer extrem tanzbar und sprüht vor Lebensfreude. Die Songs erzählen von der Traurigkeit des Abschiednehmens, vom Mardi Gras, von den Sehnsüchten und vom geselligen Beisammensein“, heißt es in der Ankündigung. Die Protagonistin Anja Baldauf alias Zydeco Annie stammt aus einer Akkordeonfamilie. Aufgewachsen mit bayerischer Hausmusik, hat sie sich in die Cajun- und Zydecomusik verliebt. Ihr facettenreiches Spiel ist bestimmt durch die große Liebe zu ihrem Instrument. Auch zur Band gehören: Frederic Berger (Gesang, Gitarre, Percussion), Helt Oncale (Fiddle/Gitarre, Gesang), Marco Piludu (Bass) und Stefan Baldauf (Schlagzeug).

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