Geldautomat in Innenstadt von Harsewinkel gesprengt



Erneut ist im Kreis Gütersloh ein Geldautomat gesprengt worden. Die Täter sind auf der Flucht. Die Polizei sucht Zeugen.

Am frühen Donnerstagmorgen ist ein Geldautomat der Deutschen Bank in der Harsewinkeler Innenstadt gesprengt worden. Fotos: Grund

Harsewinkel/Beelen (gg/gl) - Am frühen Donnerstagmorgen gegen 3 Uhr ist ein Geldautomat der Deutschen Bank in der Harsewinkeler Innenstadt gesprengt worden. Das dreigeschossige Wendland-Haus am Alten Markt wurde zumindest im Erdgeschoss, in dem sich, neben dem SB-Bereich der Deutschen Bank, auch ein Modegeschäft befindet, durch die Explosion stark beschädigt. Nach bisherigen Erkenntnissen wurde niemand verletzt.

Enorme Detonation

Die enorme Detonation habe zahlreiche Anwohner aus dem Schlaf gerissen. Zeugen haben gesehen, wie mehrere Kriminellen mit einem schwarzen Fahrzeug geflüchtet sind. Ob in dem Automaten gelagertes Geld erbeutet wurde, sei derzeit nicht bekannt.

Die enorme Detonation habe zahlreiche Anwohner aus dem Schlaf gerissen.

Vermutlich durch den Einsatz von Sprengstoff sollen die Täter den Geldautomaten zur Explosion gebracht haben. Dabei ist durch die enorme Detonationswucht nicht die schwere Eingangstür aus der Verankerung gerissen und der Bankfilialbereich komplett zerstört worden, sondern durch die Druckwelle auch die gesamte Deckenkonstruktion des nur durch eine Wand getrennten Modeladens zu Boden gefallen. Zudem sind alle Schaufensterscheiben im Erdgeschoss zerstört.

Dabei wurden die umherfliegenden Glassplitter und kleinere Gebäudeteile zu Geschossen, wie man an einem Loch im Schaufenster einer gegenüberliegenden Parfümerie sehen konnte. Über mehr als 30 Meter erstreckte sich das Splitterfeld.

Polizei sucht Zeugen

Den bisherigen Zeugenangaben zufolge handelte es sich um drei bis vier männliche Täter, die allesamt schwarz gekleidet und maskiert waren. Die Ganoven sollen mit dem Fluchtfahrzeug nach links über die Dr.-Pieke-Straße in Fahrtrichtung Brockhäger Straße geflüchtet sein, teilt die Polizei mit.

Im Zuge erster Ermittlungen der Kriminalpolizei Gütersloh konnte das Fahrzeugmodell des Fluchtwagens bestimmt werden. Demnach handelte es sich um einen schwarzen Audi RS6 Avant, Modell 4F (Baujahr 2007 - 2010). Weiteren Erkenntnissen nach wurden die am Fluchtwagen angebrachten Warendorfer (WAF) Kennzeichen zuvor an einem geparkten Pkw entwendet, welcher an einer Seniorenunterkunft in Beelen am Harsewinkeler Damm stand.

Schwarzer Audi RS6 Avant 

Die Polizei Gütersloh bittet um weitere Zeugenhinweise für den Bereich des Tatortes in Beelen. Wer hat im Zeitraum vor der Geldautomatensprengung in Harsewinkel (02.50 Uhr) verdächtige Beobachtungen in Beelen an der Seniorenunterkunft oder um im weiteren Umfeld gemacht? Hinweise und Angaben zum schwarzen Audi RS6 Avant oder verdächtige Personen in Harsewinkel und Beelen nimmt die Polizei unter 05241/8690 entgegen.

55 Einsatzkräfte vor Ort

Außer der Polizei waren auch Einsatzkräfte der Feuerwehrlöschzüge Harsewinkel und Marienfeld sowie der Rettungsdienst aus Harsewinkel vor Ort. „Bei Eintreffen am Einsatzort haben wir zunächst mit der Drehleiter nach Personen im Haus geschaut. Dabei haben wir in der oberen Wohnung einen jungen Mann angetroffen, den wir gebeten haben, das Haus zu verlassen“, sagte Tiemo Dirkorte, Löschzugführer der Feuerwehr Harsewinkel. Zu Beginn waren rund 55 Einsatzkräfte aus den beiden Löschzügen im Einsatz.

Auch das angrenzende Modegeschäft wurde durch die Explosion stark beschädigt.

Nachdem der Bewohner in Sicherheit und keine weiteren Risiken durch den Sachschaden bestanden, konnte der größte Teil der Einsatzkräfte kurze Zeit später wieder abrücken. In der Zwischenzeit haben Bauhof-Mitarbeiter den Bereich mit Sperrgittern abgeriegelt.

Das 1820 erbaute Haus wurde 2020 an zwei junge Investoren aus Harsewinkel verkauft. Neben dem Modegeschäft Collins sind auch ein Rechtsanwaltsbüro, die Deutsche Bank und ein Bewohner als Mieter in dem Gebäude verzeichnet.

Zeugenvideos übermitteln

Zeugenvideos aus der Bevölkerung, die der Gewinnung weiterer Hinweise zu der Geldautomatensprengung dienen, können in einem neu eingerichteten Online-Portal der Polizei NRW zur Verfügung gestellt und unkompliziert übermittelt werden, teilt die Gütersloher Polizei mit. 

In der Maske sei genau erläutert, was eingetragen oder angeklickt werden muss. Über einen Button könnten zudem die Dateien hochgeladen werden und Hinweise auch anonym eingereicht werden.

Erst vor einem Monat, am 31. August, war in der rund 20 Kilometer entfernten Innenstadt von Werther ein Geldautomat der Kreissparkasse gesprengt worden. Auch hier konnten der oder die Täter zunächst flüchten.

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