Kabarettist Nils Heinrich begeistert in Harsewinkel


Mit kleinen Boshaftigkeiten gespickt mit ordentlich Humor überzeugte Kabarettist Nils Heinrich im Harsewinkeler Gasthof Wilhalm.

Lesend, singend und sich auf der Gitarre begleitend feuerte Nils Heinrich eine satirische Salve nach der anderen ab. Foto: Caspar

Harsewinkel (uc) - Als im Zuschauerraum ein Glas zu Boden fällt, witzelt Nils Heinrich; „Genauso ist der erste DDR-Wachturm bei der Wende umgekippt.“ Der Satz passt zum Thema seines aktuellen Programms mit dem Titel: „Deutschland einig Katerland – 30 Jahre Besuch von drüben“. 

100 Besucher amüsieren sich köstlich

Er garantiere guten Humor, so kündigt der Kabarettist seinen Auftritt als Gast des Harsewinkeler Kultur- und Bildungsvereins an. Und er hat nicht zu viel versprochen: Der 50-Jährige, aufgewachsen in der einstigen Mauer-Republik, feuert lesend, singend und sich auf der Gitarre begleitend eine satirische Salve nach der anderen ab. Die knapp 100 Besucher im voll besetzten Wilhalm-Saal amüsieren sich köstlich. Ein lustiger, zweistündiger Comedy-Abend. 

Ob allerdings auch in Kassel und Hameln über Heinrich geschmunzelt wird, das muss sich erst noch herausstellen. So wähnt er sich bei einer Reise in den Westen nach dem Mauerfall nicht in Kassel, sondern immer noch im ähnlich tristen Schmalkalden in Thüringen. Wahrscheinlich habe die Grenzpolizei die Schilder ausgetauscht, vermutet der „Ossi“. Das graue Kassel mit seinem „Seuchen-Hospital Wilhelmshöhe“ sei für ihn jedenfalls eine große Ernüchterung gewesen. 

Von sprachlichen und kulinarischen Barrieren

Auch die Stadt Hameln steht im Fokus seiner mitunter kleinen Boshaftigkeiten. Die ahnungslosen Bewohner dort glaubten, dass der Internet-Musikanbieter Spotify ihre polnische Partnerstadt sei. Und um die Mülltrennung kümmerten sich die Ratten. Da stellt sich zwangsläufig die Frage, ob Nils Heinrich auch bei Auftritten in den besagten Städten deren Einwohner so veralbern würde. Er hätte damit kein Problem, versichert er in Harsewinkel auf Nachfrage dieser Zeitung. Es hätte schon viele Kommentare im Netz gegeben: „Fast alle positiv, auch die aus Hameln.“ 

Der Wahl-Berliner lebte auch ein paar Jahre in Stuttgart. „Das war nicht nur sprachlich – Schlägle statt Schlaganfall – ein Kulturschock für mich: Spätzle, Spätzle, Spätzle“, grauste es dem bekennenden Kartoffel-Liebhaber vor der schwäbischen Spezialität. 

Zum Schluss wird es nochmal ernst

Heinrich bringt seine Spötteleien derart überzeugend rüber, dass manches glaubhaft wirkt. So wie die Mär, dass es in der DDR kein Kopfsteinpflaster gab, weil alle Steine wegen der Devisen in den Westen verhökert worden seien. Stimmen könnte dagegen, dass der Kaffee im Honecker-Staat – 0,5 Prozent Kaffee und der Rest Erbsenpulver – „Erichs Krönung“ hieß. 

Und nicht auszuschließen ist, dass tatsächlich DDR-Bürger bei ihrer West-Premiere in einem griechischen Lokal statt Soße Ouzo über das Fleisch gegossen haben sollen. Der entsetzte Wirt soll einen Ohnmachtsanfall erlitten haben. Bei seinen Lästereien verschont der Protagonist mit Zahnfüllungen aus zwei Gesellschaftssystemen aber auch nicht die Wessis, die von uns „Karsten Speck und Carmen Nebel bekommen haben“. 

Hinsichtlich der Wende hätte sich Nils Heinrich auch von der westlichen Seite eine Neuaufstellung gewünscht – und das hat sich bei dem Comedy-Star mal nicht nach Satire angehört.

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