Vorteile für Geimpfte: Eine gute Idee?


Harsewinkel (jau) - Die Meinungen darüber, ob Geimpfte mehr Vorteile genießen sollten als Ungeimpfte, gehen schon bei den Politikern auf Bundesebene auseinander. Wie sehen das die Menschen in Harsewinkel? Diese Zeitung hat am Dienstagmorgen auf dem Wochenmarkt nachgefragt.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) geht davon aus, dass spätestens ab dem Herbst Geimpfte weniger Beschränkungen unterliegen werden als Menschen, die sich nicht gegen Corona haben impfen lassen. Jürgen Raske hat zu der Thematik eine klare Meinung.

Über Impfung eine Herdenimmunität erreichen

Der Harsewinkeler betont, dass es wichtig sei, in der Solidargemeinschaft über die Impfung eine Herdenimmunität zu erreichen. „Das ist nur ein kleiner Piks, der der Gesamtbevölkerung hilft, die Pandemie zu bekämpfen. Und wenn Menschen diese Möglichkeit nicht nutzen wollen, dann sollen sie künftig auch ihre Corona-Tests selbst bezahlen“, findet Raske, der davon ausgeht, dass sich in diesem Fall auch wieder mehr Bürger impfen lassen würden. 

Der Harsewinkeler spricht sich für Vorteile für Geimpfte aus. Auch deshalb, „weil wir endlich wieder unser normales, unbedarftes Leben zurückwollen“. Und das funktioniere nur über die Herdenimmunität, also über die Impfung.

„Geimpfte können doch auch erkranken und andere anstecken“

Raskes Bekannter Dario Cassaghi hat eine völlig andere Auffassung. Er wünscht sich eine Gleichberechtigung, wie er sagt. „Geimpfte können doch auch erkranken und andere anstecken. Deshalb ist aus meiner Sicht auch der digitale Impfausweis Schwachsinn.“ 

Andrea Kordein würde es begrüßen, wenn sich noch mehr Menschen impfen lassen würden: „Der Impfbus ist ein gutes Angebot, um Menschen zu erreichen, die sich sonst nicht auf den Weg zum Impfzentrum machen würden. Und das, ohne vorab einen Termin zu vereinbaren. Schön, dass der Impfbus an den nächsten beiden Samstagen an den gut frequentierten Geschäften in allen Ortsteilen hält, um die Impfquote weiter steigern zu können“, so die Harsewinkelerin, in deren Freundes- und Bekanntenkreis 95 Prozent bereits geimpft sind. 

„Man sollte durchaus auch schauen, wie voll die Intensivstationen sind“

Ob es Vorteile für Geimpfte geben sollte? Bei dieser Frage ist Andrea Kordein hin- und hergerissen. Alles habe Vor- und Nachteile. Grundsätzlich findet sie aber, dass die Inzidenzzahlen nicht mehr das Nonplusultra in der Bewertung der aktuellen Lage sein sollten. „Man sollte durchaus auch schauen, wie voll die Intensivstationen sind.“

Geimpfte sollen beim Besuch von Konzerten oder in Restaurants nicht bevorzugt behandelt werden, „weil sie das Coronavirus auch weiterhin übertragen können“. Das findet Hanne Schneider aus Buchholz (Niedersachsen), die am Dienstag zu Besuch in der Mähdrescherstadt ist und auf dem Harsewinkeler Wochenmarkt Obst einkauft. Eine Harsewinkelerin (56), die nicht namentlich genannt werden möchte, würde eine solche Bevorzugung als „Diskriminierung“ empfinden.

„Entweder jemand möchte sich impfen lassen oder eben nicht“

Die Menschen mit Aktionen wie einem Gutschein einer Fast-Food-Kette zur Impfung zu locken, findet sie „blöd“: „Entweder jemand möchte sich impfen lassen oder eben nicht.“ 

Um die Impfquote zu steigern, finden Elli Uekötter (94) und ihre Tochter Anita Hanhart (68) Privilegien für bereits vollständig geimpfte Menschen in Ordnung. „Zumal auch die Inzidenzwerte durch die Reiserückkehrer wieder weiter steigen werden. Und wir alle wissen nicht, was im Herbst passiert“, sagt Elli Uekötter. 

Gegen eine „Impfpflicht durch die Hintertür“

Gegen eine „Impfpflicht durch die Hintertür“, spricht sich eine Harsewinkelerin (34) aus, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Die junge Mutter stillt gerade und wird sich nicht impfen lassen: „Das sollte man jedem selbst überlassen. Und es sollte eine freie Entscheidung sein.“

Ferdinand Krieft denkt, dass man Menschen, die geimpft sind, mehr Freiheiten einräumen solle. Im Umkehrschluss bedeutet das Einschränkungen für Ungeimpfte – so wie es unter anderem Kanzleramtschef Helge Braun (CDU), SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach oder Günen-Chef Robert Habeck befürworten. 

„Allgemeinheit sollte Kosten nicht tragen müssen“

Das sieht ein Harsewinkeler (26) ähnlich: „Geimpfte sollten Vorteile genießen, denn Geimpfte stellen kein oder zumindest kein großes Risiko da.“  Tobias Fechtelkord ist geimpft – eine generelle Impfpflicht lehnt er ab. Allerdings sieht es der Harsewinkeler auch nicht ein, die Corona-Tests für Menschen auf Dauer über die Steuer mitzufinanzieren: „Wenn alle ein Impfangebot bekommen haben, sollten die Tests Geld kosten. Die Allgemeinheit sollte die Kosten für Menschen, die sich nicht impfen lassen möchten, nicht tragen müssen.“ 

Sollte alle drei Gs gleichberechtigt behandeln

Fechtelkord findet, dass man alle drei Gs (Geimpfte, Getestete und Genesene) gleichberechtigt behandeln sollte: „Eine Besserstellung von Geimpften ist wahrscheinlich auch rechtlich schwierig“, so Fechtelkord.

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