Böller knallen über Clarholzer Wiesen



Herzebrock-Clarholz (kab) - Als die Kirchenglocken am Ostersonntag verklungen sind, kehrt wieder Stille in Clarholz ein. Dann hallt ein Knall von der Art eines Kanonenschusses über die Felder. Geht man der Quelle nach muss man einem kurzen Feldweg hinter dem Feuerwehrgerätehaus folgen.

Gruppe

Dort zwischen den Wiesen haben sich einige Clarholzer zum Osterböllern versammelt. Eine seltsame Szenerie: Eine Blechmilchkanne steckt schräg im Boden, Norbert Pollmeyer füllt sie mit einigen Steinen und Wasser, schlägt mit einem Gummihammer den Deckel darauf und hält eine lange brennende Fackel an den Milchkannenboden. Die Kanne flammt kurz auf, wieder ein Knall und der Deckel fliegt weit in die Wiese.

Die Prozedur klingt simpel. Damit das Osterböllern funktioniert und ungefährlich vonstatten geht, braucht es jedoch höchste Präzision. „Erst füllen wir eine halbe Tasse Wasser in die Kanne, dann kommen fünf bis sechs Karbid-Steine hinzu. Der Deckel muss mit einem Gummihammer auf die Kanne geschlagen werden, damit nicht schon vorher Funken entstehen. Anschließend muss man etwa zehn Sekunden warten bis das Karbid mit dem Wasser reagiert. Die Flamme muss an das Loch im Boden der Kanne gehalten werden“, erklärt Norbert Pollmeyer, Organisator des Osterböllerns. Karbid reagiert mit Wasser zu Acetylengas, das in Kontakt mit Sauerstoff und Feuer explodiert.

Tatsächlich ist beim Osterböllern die Druckwelle spürbar, die den Milchkannendeckel aus der Kanne schleudert. Wartet man mit dem Entzünden zu lange, gibt der Kannenboden nur ein nasses Zischen von sich und die „Ladung“ kann nicht mehr verwendet werden.

<mediaobject class="imageleft" id="X0.3248193618246897" type="image" uid="12d09474-03b2-40c4-bc8a-3374879fe101" url="http://ecms.die-glocke.de/alfresco/d/d/workspace/SpacesStore/12d09474-03b2-40c4-bc8a-3374879fe101/IMG_5490.JPG" uuid="12d09474-03b2-40c4-bc8a-3374879fe101" x0="0" x1="100" y0="0" y1="100"> <element name="Unterschrift">Walter Toppmöller in Aktion. <element name="Quelle"/> </mediaobject>Den Karbidstein erhalten die Osterböllerer von einer Firma in Nürnberg. Eine Genehmigung ist für den Kauf nicht nötig. Norbert Pollmeyer sorgt dafür, dass die Steine das restliche Jahr über trocken gelagert werden. „Das Osterböllern ist ein sehr altes Brauchtum. Früher hat man so bei Hochzeiten morgens den Bräutigam geweckt“, sagt Walter Toppmöller. Das Osterböllern wurde nach dem zweiten Weltkrieg für einige Jahre verboten.

Diese Clarholzer Gruppe trifft sich seit 17 Jahren für ihrenm Brauch. Manchmal stoßen neue Interessenten dazu. Die Erfahrenen geben ihr Wissen gern weiter, denn die Sicherheit muss beim Osterböllern gewährleistet sein. Ausreichender Abstand zur Kanne, Ohrstöpsel für alle Umstehenden und Ohrenschützer für denjenigen, der böllert, sind unverzichtbar. Die Kanne muss außerdem schräg im Boden stehen, damit sie sich nicht bei der Explosion dreht und der Deckel auf die Teilnehmer fliegt. Was ebenfalls zu dem Brauch gehört ist Schönings Weizenkorn aus Clarholz. Denn zu Ostern darf man sich ja schließlich mal einen genehmigen.

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