Herzebrock-Clarholzer spüren Personalmangel im Rathaus



Es fehlen Mitarbeiter in der Verwaltung. Langsam bekommen die Bürger die Auswirkungen des Personalmangels zu spüren.

Es fehlen elf Mitarbeiter in der Verwaltung und bei den Gemeindewerken. Bürgermeister Marco Diethelm (links) und Kämmerer Heinz-Dieter Wette wollen deshalb den kommenden Haushalt um 500 000 Euro aufstocken. Foto: Steinecke

Herzebrock-Clarholz (rast) - Personell lebt die Verwaltung der Gemeinde gerade von der Hand in den Mund. Es fehlen spürbar Mitarbeiter. Nicht nur die Politiker merken die Auswirkungen der Personalnot, sondern auch die Bürger. Jetzt soll Abhilfe geschaffen werden. Insgesamt elf neue Mitarbeiter möchten Bürgermeister Marco Diethelm (CDU) und Kämmerer Heinz-Dieter Wette einstellen – sofern die Politik zustimmt. „Es läuft ja alles – so irgendwie. Aber wir können als Verwaltung nur reagieren und nicht agieren. Mittelfristig macht das keinen Spaß mehr“, erklärt Marco Diethelm. Rund eine halbe Million Euro würden die Stellen jährlich kosten. Der Betrag soll sich im neuen Haushaltsplan, der gerade erstellt wird, wiederfinden. Die Einbringung des Haushalts erfolgt kurz vor Weihnachten in der letzten Ratssitzung des Jahres.

Fluktuation reißt Lücken

An welchen Stellen machen sich die fehlenden Mitarbeiter denn bemerkbar? So fehlen laut Marco Diethelm oft die Kapazitäten, um politische Beschlüsse umzusetzen. Er meint damit etwa eine Verkehrszählung an einer Straße. Oder beschlossene Straßensanierungen werden aufgeschoben. Unter anderem an der Dieselstraße. Auswirkungen, die auch die Bürger zu spüren bekommen. Die Herzebrock-Clarholzer merken es auch, wenn die Bearbeitung von Bauanträgen einmal mehr länger als üblich dauert. Aber auch beim Ordnungsamt bleiben Vorgänge liegen. Meldungen über Verschmutzungen durch Hinterlassenschaften von Hunden oder auch Lärmbelästigungen und Parkverstößen kann häufig nicht nachgegangen werden. Zu Lücken in der Besetzung kommt es auch, weil Mitarbeiter immer wieder wechseln, zum Beispiel in die Verwaltung beim Kreis Gütersloh. Dort sei der Verdienst höher, wie Marco Diethelm sagt. Zudem werde auch immer wieder die Möglichkeit der Elternzeit genutzt. Aber auch durch natürliche Fluktuation nimmt die Zahl der Mitarbeiter ab. Vor fünf Jahren habe es begonnen, dass die Baby-Boomer-Generation in den Ruhestand gehe. Im Schnitt seien das fünf Mitarbeiter pro Jahr. „Das hört sich erst einmal wenig an, aber es gehen auch immer eine Menge Wissen und Erfahrung verloren“, sagt Heinz-Dieter Wette. Aktuell gehe zwar niemand, aber in drei Jahren beginne es wieder.

Fachkräfte nur schwer zu bekommen

Also Gefahr erkannt, Gefahr gebannt? Ja, ganz so einfach sei das nicht. Es müsse erst einmal jemand Geeignetes für eine Stelle gefunden werden. Laut Heinz-Dieter Wette nicht ganz so einfach. Es fehlten schlicht die Fachkräfte. Auf befristete Stellen würde sich ohnehin niemand bewerben. Für manche Stellen könnten auch Quereinsteiger eingestellt werden. Was aber etwa bei Fachplanern nicht ginge. Und auch der Einsatz von externen Büros funktioniere nicht. Und kurzfristig schon mal gar nicht. „Da bekommt man keine Angebote. Der Markt ist überhitzt“, so Wette. 160 Mitarbeiter beschäftigt die Gemeinde Herzebrock-Clarholz insgesamt. 75 davon arbeiten in der Verwaltung, der Rest verteilt sich auf Bauhof, Klärwerk, Jugendhäuser, Schulen und Hallenbad. Elf Stellen sind insgesamt zu besetzen – davon acht in der Verwaltung und drei bei den Gemeindewerken. Die teilen sich auf in zwei Mitarbeiter für die Bauleitplanung.

„Dauerhaft werden wir es nicht ohne zusätzliche Stellen schaffen“

IdIm Rathaus arbeiten rund 75 Mitarbeiter. Insgesamt sind bei der Gemeinde 160 Menschen beschäftigt.eal wären eine Verwaltungsfachkraft und ein Ingenieur unter anderem zum Erstellen von Bebauungsplänen und Flächennutzungsplänen. Für das Gebäudemanagement wird ebenfalls ein Ingenieur gesucht. Und beim Bauhof ein Gärtner zur Erstellung eines Baumkatasters. Im Bereich des Ordnungsamts ist ebenso eine Stelle zu besetzen. Für die Digitalisierung sowie den Aufbau und die Pflege eines Katastersystems wird ein IT-Fachmann benötigt. Außerdem sollen die Fachbereichsleiter entlastet werden. Das soll durch Assistenten geschehen. Rechnerisch 3,5 Stellen gelte es, bei den Gemeindewerken zu besetzen. Im Bereich Gas und Wasser werden zwei technische Mitarbeiter gesucht. Außerdem eine kaufmännische Kraft. Marco Diethelm ist die Besetzung der Stellen wichtig: „Dauerhaft werden wir es nicht ohne zusätzliche Stellen schaffen. Irgendwann sind die Mitarbeiter frustriert, weil die Arbeit nicht zu bewältigen ist.“

Viele Arbeiten bleiben unerledigt

Viele Arbeiten können wegen zu wenig Personal nicht erledigt werden. Doch wo kneift es denn eigentlich so wirklich? Viele neue Projekte seien angestoßen worden. Heinz-Dieter Wette nennt unter anderem das Klimaschutzkonzept, das Straßenwegekonzept oder das integrierte Stadtentwicklungskonzept (Isek). Aber auch die nördliche Ortsentlastungsstraße werde bearbeitet. Auch das neue Baugebiet am Postweg sollte längst in trockenen Tüchern sein. Insgesamt seien es 20 Planungen, die vorangebracht werden müssten.

Aber auch die Digitalisierung der Verwaltung erledigt sich nicht ohne Weiteres. Das ist der Bereich, in dem sich Bürger online an die Verwaltung wenden können. 1500 Prozesse müssen laut Heinz-Dieter Wette umgesetzt werden. Das reicht von der Anmeldung eines Hundes bis zum Bauantrag. Irgendwann einmal stelle das digitale Verfahren sicher auch eine Arbeitserleichterung für die Verwaltung dar. „Aber das muss zunächst einmal erarbeitet werden“, sagt Heinz-Dieter Wette.

Auf befristete Stellen bewirbt sich niemand

Zum Beispiel war die Abteilung Tiefbau im vergangenen Jahr teilweise gar nicht besetzt. Was an der Überschneidung von Elternzeiten gelegen habe. Zwangsläufig seien dann Sachen liegengeblieben. Befristete Stellen zu besetzen, funktioniere kaum noch. Da mache sich der Mangel an Fachkräften bemerkbar. Das zeige sich auch bei der jüngst ausgeschriebenen Stelle für das Bürgerbüro. Darauf habe es 50 Bewerbungen gegeben. Allerdings nur drei mit einem Verwaltungshintergrund. Der Rest seien Quereinsteiger aus dem kaufmännischen Bereich.

„Man kann ja alles lernen“, sagt Heinz-Dieter Wette. Sinnvoll sei es dann aber, noch eine verwaltungstechnische Weiterbildung zu absolvieren. Eng ist es auch im Fachbereich Ordnung und Soziales, wo zehn Beschäftigte arbeiten. 350 Tage aus Überstunden und Urlaub sind dort aufgelaufen. Allein das seien anderthalb Stellen, so der Bürgermeister. Auf Dauer sei das kein Zustand. Auf alle Bereiche bezogen meint Diethelm: „Man schafft es nicht, sich mit einigen Sachen zu beschäftigen, und irgendwann geht das schief.“

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