Plädoyers gegen die B 64 n in Clarholz



Herzebrock-Clarholz (das). Kulturhistorie, Wasserrecht und Planungsentwicklung: Aus drei Blickwinkeln wurde die B 64 n betrachtet. „Kulturlandschaft oder noch mehr Straße?“ Unter diesem Motto hatte der Verein Kulturlandschaft Sundern-Samtholz-Brock eingeladen und freute sich über 120 Besucher.

„Ihre Anwesenheit zeigt, dass das Interesse wach ist“, sagte Elisabeth Meier vom ausrichtenden Verein. Anstöße und Ideen zu bekommen, formulierte sie als Ziel der Veranstaltung. Durch den Abend führte Thomas Lins, stellvertretender Vorsitzender des Verkehrsclubs Deutschland, Regionalverband Münster. Er übergab das Wort zunächst an Professor Dr. Johannes Meier.

„Kulturlandschaft ist vom Menschen gestaltete Landschaft“, stellte der Kirchenhistoriker an den Beginn. Und die sei in Clarholz durch das Klosterleben geschaffen worden. Diese Landschaft würde durch die B 64 neu zerstört, stellte er fest. „Es ist eine Ressource an Sinn, an christlich verstandener Deutung der Welt, die man nicht preisgeben darf“, so Professor Meier. Er erläuterte, warum Befürworter stets von „nur wenigen Betroffenen“ sprechen. Dieses liege eben in der historischen Entwicklung begründet. 30 Jahre nach Aufhebung des Prämonstratenserklosters sei die heutige Bundesstraße „mit dem Lineal“ geplant worden, „ohne jede Rücksichtnahme“. Die verbliebenen Ressourcen an Stille und Spiritualität in der Clarholzer Kulturlandschaft wären unwiderruflich verloren, würde die Bundesstraße 64 neu gebaut.

Als Ingenieur für Wasserbau und Wasserwirtschaft hatte Lothar Dütemeyer insbesondere den Axtbach im Visier. „Diese flurbereinigten Gewässer sind der sozialisierte Plattenbau der Wasserwirtschaft“, bemängelte er diesen „öden Zweckbau der 60er Jahre.“ Und stellte die Frage, ob der Axtbach noch zu retten sei. „Klarer Fall, ja“, zeichnete er ein Bild einer möglichen Renaturierung des Gewässers. Er betonte noch einen anderen Aspekt: „Drei bis vier Hektar des Überschwemmungsgebietes benötigt die Aufstandsfläche der B 64 neu.“ Und da das Wasser ja irgendwo hin müsse, werde viel Geld in die Hand genommen, um neue Retentionsflächen zu schaffen.

Albert Leendertse nahm als Vorsitzender der Interessengemeinschaft Warendorf-Süd Stellung zu planerischen Aspekten der B 64 neu. Anhand von Verkehrszählungen und prognostizierten Entlastungen stellte der den Sinn des Neubaus infrage, nicht ohne auf alternative Möglichkeiten von der Verbesserung der Radinfrastruktur, des ÖPNV bis hin zu innerörtlichen Verkehrsführungen hinzuweisen.

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