Sportliches Programm im Herzebrocker Seniorenheim



„Der bewegende Flur“ - hinter dem Begriff versteckt sich ein Bewegungsprogramm, das Menschen im Seniorenheim fit halten soll.

Bunte Luftballons lässt Maria Reismann durch die Luft fliegen. Die Bewohner werfen sie zurück. Foto: Schäfer

Herzebrock-Clarholz (gl) - Das Lied „Hoch auf dem gelben Wagen“ klingt bis ins Erdgeschoss des Pflegewohnheims St. Josef. Doch die Musik kommt nicht vom Band. Es sind die Bewohner, die das bekannte Volkslied vollmundig angestimmt haben. Auftakt zur Bewegungsstunde.

Im Obergeschoss haben sich Frauen – und ein Mann – versammelt. Sie sitzen auf Stühlen oder auch in Rollis. Mitarbeiterin Maria Reismann hat zum Aufwärmen das Lied angestimmt. Flugs stimmen die Bewohner mit ein, kräftig und absolut textsicher. „Das wiederholt sich immer zum Anfang der Stunde“, erzählt Heike Jeger-Gromöller vom sozialen Dienst der Einrichtung am Weißen Venn. Das Angebot läuft wie auch weitere auf freiwilliger Basis. „Wir sprechen die Menschen natürlich gezielt an und holen sie auch aus den Zimmern“, so Jeger-Gromöller.

Entstanden ist das Projekt aus einer Idee

Denn Treffpunkt ist im Flur. Aus ganz einfachen Gründen: Dort gefalle es den Teilnehmern. Es ist hell und mit Blick auf Parkplatz und Straße gebe es auch mal etwas zu sehen. Seit kurzem finden die Bewegungsstunden statt, zweimal in der Woche in den Wohnbereichen C und B, dort wo die überwiegend mobilen Bewohner leben.

Entstanden ist das Projekt, das dauerhaft etabliert werden soll, aus einer Idee. „Der bewegende Flur“, nennt die Mitarbeiterin den Grundgedanken, den sie schon länger im Kopf hatte. Mittels Plakaten und passenden Sportgeräten sollten die Bewohner animiert werden, aus eigener Initiative Übungen zu absolvieren. „Das ist irgendwie im Sande verlaufen“, fasst Heike Jeger-Gromöller zusammen. Nun also mit festen Terminen und Einladung. Das klappt.

Unterstützung gibt es vom Förderverein

Unterstützung gab es vom Förderverein des Pflegewohnheims. Er sicherte den Kauf von Material: Sitzkugeln, Bälle oder auch ein Sitzbasketballkorb konnten durch die Förderung angeschafft werden. In der jüngsten Stunde geht es nach dem Aufwärmen mit Gesang und mit Luftballons weiter. Rund 15 Stück verschiedener Farben hat Heike Jeger-Gromöller aufgeblasen.

Hin und her fliegen die bunten, leichten Bälle zwischen Maria Reismann und den Bewohnern. Und die haben sichtlich Spaß. Auch, wenn das Festhalten und Werfen mit mehr oder weniger Mühe verbunden ist. Jeder macht das, was er kann. In runden Falltüchern gilt es später, einige Ballons zu halten und vor dem Herunterfallen zu bewahren.

Trainiert wird die Feinmotorik

Eine Stunde lang trainiert Heike Jeger-Gromöller mit den Bewohnern des Pflegewohnheims St. Josef. Unter anderem wird die Feinmotorik geschult.Erneut sind die Feinmotorik der Hände beim Festhalten des leichten Stoffs, das Abstimmen mit dem Nachbarn und eine flotte Reaktion gefragt. Wiederholungen scheinen nicht zu nerven, sondern anzuspornen. „Wir erleben die Bewohner ganz anders als beispielsweise beim Gedächtnistraining“, schildert die Mitarbeiterin des sozialen Dienstes. „Ich bin erstaunt, was da alles kommt“, zeigt sie sich angenehm überrascht.

Letztlich gehe es um eins: „Die Fähigkeiten, die noch da sind, zu erhalten.“ Das wirke sich auf den Alltag aus, sei es beim selbstständigen Essen oder Anziehen. Und: „Eine Stunde ist lang. Aber die Teilnehmer halten das mühelos durch“, zeigt sie sich manchmal erstaunt, als sie selbst ins Schwitzen kommt. Der Startzeitpunkt zur dunklen Jahreszeit wurde bewusst gewählt. „Es geht jetzt einfach weniger nach draußen. Das heißt: Die Bewegung wird auch weniger.“

Zweimal in der Woche eine willkommene Abwechslung

Die Teilnahme an dem Angebot zweimal in der Woche sei eine willkommene Abwechslung für die Senioren. Denn es wird nicht nur gesungen und sich spielerisch bewegt – es wird dabei auch viel gelacht. Ein Projekt also, das ganz nebenbei die Lebensfreude anregt. Und zum Abschluss werfen die Teilnehmer im betagten Alter noch einen Blick in die nahe Zukunft und machen ein Versprechen – gesanglich, versteht sich: „Wir sind alle topfit und machen beim nächsten Mal mit.“

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