Tierische Leseförderung wird Teil des Schulprogramms



Was vor der Pandemie begonnen hat, wird fortgesetzt: die Leseförderung mit Hund an der Herzebrock-Clarholzer Gesamtschule. 

Herzebrock-Clarholz (ds) -  Das Austeilen von Kritik ist Viva und Jaison fremd. Die beiden hören einfach nur zu. Sie unterbrechen nicht, machen keine Bemerkungen, suchen die Nähe der Kinder und lassen Berührungen zu. Die Zeit der Leseförderung in der Mediothek der Von-Zumbusch-Gesamtschule ist durch die beiden Retriever-Hunde ziemlich entspannt. So entspannt, dass sich Mädchen und Jungen freiwillig und spontan für das Vorlesen in der Gruppe melden. Etwas, dass sie im regulären Unterricht wohl kaum tun würden. 

Sabrina Franzkoch ist dabei

Das beobachtet Heike Hahn. Sie ist Lehrerin und Koordinatorin für Sprachförderung an der Gesamtschule. Seit Beginn des zweiten Schulhalbjahrs – und mit der Lockerung der Corona-Vorschriften – ist die Oelderin Sabrina Franzkoch wieder mit im Boot. Einmal in der Woche kommt sie in die Schule, begleitet von Hündin Viva, rund ein Jahr alt, und Rüde Jaison, sieben Jahre alt. Zwölf Schülerinnen und Schüler aus den fünften Klassen nehmen an der besonderen Leseförderung mit Hund teil. Nicht nur, weil es Spaß macht: Das Konzept habe Hand und Fuß, verweist Heike Hahn auf Studien, die die Sinnhaftigkeit der tierischen Co-Pädagogen belegen.

Tests zeigen positive Wirkung

 Auch eigene Tests untermauern, dass der Einsatz von Hunden die Lesefähigkeit voranbringt. „Wir schauen zu Beginn und testen auch am Ende noch einmal.“ Mit dem Ergebnis, dass die Kinder schlicht besser und flüssiger lesen können – und es auch einfach lieber tun. Woran liegt’s, dass die Anwesenheit von Hunden die Lesekompetenz, das Textverstehen voranbringt? „Es ist eine krasse Motivation“, fasst Heike Hahn zusammen. Mehr dazu erläutert Sabrina Franzkoch, die seit vielen Jahren unter anderem als Coach und Hundetrainerin tätig ist. 

Unbefangen an die Texte

Durch die fehlende Anspannung steige die Konzentrationsfähigkeit und die Unbefangenheit der Kinder. Zurückhaltende Mädchen oder Jungen würden sich beispielsweise öffnen. Die positiven Erfahrungen in den Lesestunden mit Hund stärken letztlich das Selbstbewusstsein. Lesen mache so einfach wieder Spaß – und der Umgang mit dem Tier ohnehin. So gelinge es, Lesekompetenz zu entwickeln, auf die die Kinder später auch ohne Hund zurückgreifen können. 

Im Umgang mit Kindern geschult

Tierisch wild geht es in der Mediothek der Gesamtschule nicht zu – auch wenn Viva mit einem Jahr noch jung ist. Sie freut sich und begrüßt Neuankömmlinge und Teilnehmer zwar ausgiebig, drängt sich aber nicht auf und wartet auf ein zustimmendes Signal des Gegenüber. Jaison zeigt sich da um einiges gesetzter. Beiden gemein ist die Ruhe, die sie ausstrahlen und die positive Gelassenheit der geschulten Tiere im Umgang speziell mit den Kindern. Und ja, was so spielerisch aussehe, sei durchaus Arbeit für die Hunde, so Sabrina Franzkoch, Betreiberin der Hundeschule Dog Education in Oelde. Auch für die Tiere folge im Anschluss an den Schulbesuch eine Erholungszeit. Die Teilnehmer des Förderprojekts bekommen alle eine Mappe an die Hand. Diese hat die 33-jährige Sabrina Franzkoch selbst konzipiert. 

Wissenswertes rund um Hunde

Rund um die „Faszination Hund“ erfahren die Schülerinnen und Schüler dabei Wissenswertes zu Abstammung und Biologie, zu Hunden und Artgenossen sowie zu Hunden und Menschen. Gearbeitet wird mit den Unterlagen nicht nur in der Schule. „Die Kinder können sie mitnehmen. Und viele werfen zu Hause einen Blick hinein.“ Retriever-Hund Jaison kennt die Räumlichkeiten der Schule bereits. Er war schon bei der Erstauflage der Leseförderung vor gut zwei Jahren mit von der Partie. Was damals als einmaliges Angebot gestartet war, soll jetzt fester Teil des Schulprogramms werden. 

Teilnehmerzahl ist begrenzt

Jeweils zwölf Kinder aus den fünften Klassen sollen künftig im jeweils zweiten Schulhalbjahr wöchentlich teilnehmen. „Mitmachen würden alle gern“, weiß Heike Hahn. Die Gruppengröße sei aber einfach beschränkt und die Auswahl der Teilnehmer werde in Absprache mit den jeweiligen Lehrern getroffen. Finanziert werde das Ganze durch die Bürgerstiftung Herzebrock-Clarholz, freut sich Heike Hahn über die Absicherung in diesem Punkt.

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