Auf Zeitreise durch den Ortskern


Langenberg (eph) - Aus dem touristischen Angebot vieler Großstädte sind sie nicht wegzudenken: Spaziergänge unter fachkundiger Leitung durch einzelne Epochen der Stadtentwicklung. Auch die Gemeinde Langenberg bietet die Möglichkeit, tief in die Ortsgeschichte einzutauchen.

Wissenswertes am eigenen Gartenzaun hatte der Heimatvereinsvorsitzende Leo Meier-Langenberg (l.) den Teilnehmern des Ortsrundgangs zu berichten.

Wer mehr über das Werden und Wachsen von Langenberg und Benteler erfahren will, der kann sich auf einen der beiden neu geschaffenen Geschichtspfade begeben.

15 Stationen bieten Anlaufstellen

Der Langenberger Pfad führt über 15 Stationen durch den Ortskern. Der Pfad in Benteler umfasst insgesamt sieben Stationen, von denen drei im Außenbereich liegen. Wer sich auf einen der beiden Wege begibt, wird mit großer Wahrscheinlichkeit Neues und Interessantes über seine engere Heimat erfahren. Insofern laden beide Pfade gerade in der jetzigen Ferienzeit auch Familien mit Kindern dazu ein, auf eine historische Entdeckungsreise zu gehen.

Die Stelen beziehungsweise Schautafeln an den historisch bedeutsamen Gebäuden und Orten variieren zwar nach Größe und Format sowie der Form der Präsentation (Aufsteller oder Wandtafel). Die einheitliche Gestaltung und die Verwendung gleicher Materialien tragen jedoch dazu bei, dass die Tafeln wiedererkannt und damit dem jeweiligen historischen Pfad zugeordnet werden können. Bei der Materialfrage hat die Gemeinde auf Glas gesetzt. Die in Kooperation mit den beiden Heimatvereinen entstandenen Texte sind in schwarzer Schrift gehalten und auf dem lindgrünen Hintergrund gut zu lesen.

Texte und Bilder auf Abruf

Auf jeder Tafel befinden sich am oberen Rand das moderne Logo der Gemeinde Langenberg und darunter das jeweilige Wappen. Beim Langenberger Pfad hat man sich als Kennzeichen für den im Jahr 1946 von Bildhauer Pagenkemper geschaffenen Wappenvorschlag entschieden. Dieser zeigt den Kirchturm, das Reckenberger Rad und das Feuerrost des Kirchenpatrons St. Laurentius. Unmittelbar daneben befindet sich – ein Zugeständnis an die Neuzeit – ein QR-Code. Damit lassen sich die Texte und Bilder auch per Smartphone abrufen. Ein Lageplan auf jeder Tafel dient der Orientierung und hilft, die nächste Station zielsicher ohne Umwege zu erreichen.

Eigentlich war es vorgesehen, beide Geschichtspfade im Jahr des 50. Geburtstags der modernen Gemeinde Langenberg offiziell der Öffentlichkeit vorzustellen. Das wäre im vergangenen Jahr der Fall gewesen. Coronabedingt ist es dazu jedoch nicht gekommen. Stattdessen präsentierten die beiden Heimatvereine in diesen Tagen ihren Mitgliedern und interessierten Mitbürgern die neueste Errungenschaft der Gemeinde.

Zwei Stunden unterwegs

Mit Schriftführer Konrad Leweling, dem ersten Vorsitzenden Leo Meier-Langenberg und Beisitzer Heinz-Josef Teutenberg vom Heimatverein Langenberg als Experten für die Dorfgeschichte unternahmen in Langenberg 15 Heimatfreunde eine gut zweistündige Zeitreise durch den Ort. Wie auf den Spuren einer Acht zogen sie dabei entlang der 15 Stationen zwei Kreise durch den Ortskern.

Eine der sich zumeist im Rentenalter befindlichen Zeitreisenden war die im Außenbereich lebende Elisabeth Thumann. „Jetzt weiß ich wenigstens, was ich demnächst in Langenberg meinen Besuchern zeigen kann“, freute sie sich über das Angebot.

Erste Siedlung um das Jahr 1000

Gleich zu Beginn der Tour sahen sich Thumann und die anderen Teilnehmer mit einer überraschenden Information konfrontiert. So wusste Heinz-Josef Teutenberg zu berichten, dass nach jüngsten wissenschaftlichen Forschungen die Geschichte der Gemeinde Langenberg möglicherweise umgeschrieben werden muss. Teutenberg, der sich auch selbst intensiv auf die Spur des historischen Jakobswegs durch Langenberg begeben hatte: „Die Forschungsergebnisse der Altertumskommission des Landschaftsverbands lieferten Erkenntnisse, dass Orts- und Kirchenbaugeschichte 200 bis 300 Jahre früher anzusetzen sind.“

Mit anderen Worten: Die ersten Langenberger siedelten nicht erst 1200, sondern mit großer Wahrscheinlichkeit schon um das Jahr 1000 oder noch etwas früher in der Gegend.

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