Zirkuszelt auf dem Langenberger Schützenplatz


Der Classic Circus Ideal gastiert aktuell auf dem Schützenplatz, denn in den kommenden Tagen werden mehrere Aufführungen gezeigt. 

Training täglich vor den Vorstellungen: Die 24-jährige Kassandra (links) und Giordana (22) gehören zum Ensemble des Familienunternehmens Classic Circus Ideal, das bis Montag seine Vorstellungen in der kleinsten Gemeinde des Kreises Gütersloh präsentiert. Foto: Daub

Langenberg (gdd) - Das neue, schmucke Zelt auf dem Schützenplatz ist unübersehbar. „Darin ist Platz für 400 Zuschauer“, erklärt der Senior des Classic Circus Ideal, Anton „Toni“ Wagner, sichtlich stolz. Seit Freitag gastiert das Familienunternehmen in Langenberg. Für heute, Samstag, und den morgigen Sonntag laden die Schausteller jeweils ab 16 Uhr zu Vorstellungen ein. Am Montag, 11 Uhr, ist die dritte Schau. 

Cousinen haben eine Menge Nummern auf Lager

Die zierliche Giordana (22) übte gleich bei der Ankunft im Sonnenlicht vor dem Zelteingang mit Hula-Hoop-Reifen zusammen mit ihrer Cousine Kassandra (24). Giordana ist stolz darauf, im Umgang mit Lasso und Co. eine kleine Indianershow präsentieren zu können. Kassandra hingegen macht auf dem Drahtseil eine perfekte Figur. Die Mädels haben eine Menge Nummern auf Lager, um ein buntes Unterhaltungsprogramm anzubieten. Dazu zählen Feuerspucken, Balanceakte und weitere circensische Augenweiden. 

Zu den Akteuren gehören auch Anton Wagners Frau „Mama Janine“, sein Neffe Ricardo (50), der für die Requisiten und den logistischen Bereich verantwortlich zeichnet, und der erst sieben Jahre alte Marcelino sowie Sören (45), der für die Pferde zuständig ist.

Als sichtlich gepflegte Tiere präsentiert der Classic Circus Ideal einen Vierer-Zug Araber sowie zwei kleinere „Streichel-Exemplare“: „Mini“, der mit seinem Gefährten „Maxi“ spielerisch umgeht, indem er ihm frech unter dem Bauch hindurch marschiert. 

Bereits die fünfte Zirkusgeneration in der Manege

Der 55-jährige Anton Wagner, mit seinen Lieben in der Nähe von Bochum ansässig, vermerkt, dass er sich als Vertreter der fünften Zirkusgeneration vorgenommen hat, das Erbe fortzusetzen. Sein Urgroßvater, so weiß er, habe sich als Landwirt im 19. Jahrhundert zum Pflügen einen Elefanten zugelegt. Diese Geschichte ist sogar in Stein verewigt. 

Der Koloss, 15 Tonnen schwer – eine Arbeit aus China – ist seit 16 Jahren als Granitskulptur in Enkenbach-Alsenborn, Ortsgemeinde von Kaiserslautern, auf einem Kreisel zu bewundern: Ein Mann geht hinter dem Dickhäuter her, der wie ein Ochse eingespannt ist und den Pflug zieht. Nach der Überlieferung soll im Ersten Weltkrieg tatsächlich ein Zirkus aus dem Ort am Pfälzerwald geflüchtet sein und dabei einen Elefanten zurückgelassen haben. 

„Einen Elefanten können wir uns nicht leisten“

Der Dickhäuter weist indessen auf eine lange Zirkustradition in dieser Gemeinde hin, auf jene Epoche, als die Bevölkerung einen Ausweg aus Verarmung und Hunger gefunden hat und eine Alternative zur Auswanderung entwickelt hat. Viele wurden Musikanten, Marionettenspieler oder Schausteller. Auch die Zirkus-Vorfahren von „Toni“ Wagner, die damals unter dem Familiennamen Bügler durch die Lande gezogen sind, stammen aus Enkenbach-Alsenborn. „Einen Elefanten können wir uns allerdings heutzutage nicht leisten“, scherzt der Zirkusmann.

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