Alltagsmenschen zurück in Wiedenbrücker Innenstadt



Rund 90 Skulpturen aus dem Atelier Lechner sind pünktlich zum Start in die Freiluftsaison aufgestellt worden.

Sie sind wieder hier in ihrem Revier: Die Alltagsmenschen aus dem Atelier von Christel und Laura Lechne. Das Bild zeigt die Künstlerinen mit Ute Ehlert und Lars Effertz (v.l.) am Emssee in Wiedenbrück.  Foto: von STockum

Rheda-Wiedenbrück (gl) - Als Lars Effertz am frühen Nachmittag auf sein Fitnessarmband blickt, staunt selbst er ein wenig. 14 Kilometer Fußweg hat der Unternehmer in den zurückliegenden Stunden bereits im Bereich der Innenstadt von Wiedenbrück zurückgelegt, immer auf dem Sprung zu einem seiner Teams, die auch im 17. Jahr für das Aufstellen der Alltagsmenschen von Laura und Christel Lechner verantwortlich zeichnen. 

Idealisierte Schönheitsbilder sind ihnen fremd

Inzwischen hat die wiederkehrende Zusammenkunft von Christel Lechner und ihrer Tochter Laura, Lars Effertz vom gleichnamigen Bedachungsunternehmen und Ute Ehlert von der Burckhard-Kramer-Stiftung etwas von einem kleinen Familientreffen. Während annähernd ein Dutzend Handwerker die 90 Betonskulpturen fest im Boden verankert werdenund der Gärtnerbetrieb Wagner das Drumherum nett gestaltet, sind die Bildhauerinnen voll des Lobs über die neuerliche Anordnung ihrer liebenswürdigen Gestalten. Stets freundlich dreinblickend sind sie Spiegelbild der Gesellschaft – schließlich entlocken sie auch dem Betrachter ein unwillkürliches Lächeln.

Idealisierte Schönheitsbilder sind ihnen fremd. Sie tragen Badeanzug oder Shorts, Karohemd und Schirmmütze, geben sich bis oben zugeknöpft oder ganz leger. Fast stolz zeigen sie ihre Falten und Rundungen, und vor allem ruhen sie in sich selbst. 

„Sie berühren die Menschen und erinnern an die Schönheit des Moments“, ist Ute Ehlert – verantwortlich für die jährlich wechselnde Inszenierung der Freiluftausstellung – immer noch fasziniert von der Strahlkraft der Betonfiguren, von denen jede zwischen 80 und 120 Kilogramm auf die Waage bringt. Mal lassen sie im Liegestuhl pausierend die Seele baumeln, andernorts treffen sie sich zum Kaffeeklatsch oder begegnen Passanten am Rand des Spazierwegs. 90 dieser rundlichen Skulpturen bieten – zu kleinen Gruppen zusammengefasst oder auch alleinstehend – bis in den Herbst hinein erneut Anlass für einen ausgedehnten Bummel durch die Innenstadt. 

Künstlerin freut sich über die familieninterne Nachfolge

Entstanden sind sie im Lechner Atelier, das von Christel Lechner gegründet wurde und inzwischen von Tochter Laura und deren Ehemann geführt wird. „Das ist das größte Glück, das man sich vorstellen kann“, sagt die 74-jährige Künstlerin über die familieninterne Nachfolge. Auch zu dieser Freiluftausstellung hat die Burckhard-Kramer-Stiftung ein Faltblatt aufgelegt, das Interessenten dank eines Lageplans die Orientierung erleichtert. Es ist bei vielen Einzelhändlern sowie in Restaurants und Hotels erhältlich. Außerdem steht es zum Herunterladen bereit.  

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