Die Energiewende kann nur in den Kommunen gelingen



Ein Stadtwerk, das nicht nur Energie vertreibt, sondern auch produziert? Ein schöner Gedanke, meint Redakteur Kai von Stockum.

Die Kommentarrubrik „Die Woche ist um“ erscheint immer samstags in der Rheda-Wiedenbrücker Lokalausgabe der „Glocke“.

Ein Stadtwerk, das den Fokus vom eigentlichen Kerngeschäft, dem Vertrieb von Energie löst, und sich darüber hinaus der Produktion zuwendet: Der Gedanke ist nicht neu, wenngleich er mit Beginn des Kriegs in der Ukraine weiter Fahrt aufnimmt. Nein, Gas fördern und nach Öl bohren kann das kommunale Unternehmen natürlich nicht, aber es könnte doch beispielsweise Wind- und Solarparks betreiben, dort Strom erzeugen und damit die Rheda-Wiedenbrücker beliefern. Ach, das geht auch nicht? 

Wer die Erläuterungen von Torsten Fischer, Kämmerer der Stadt Rheda-Wiedenbrück und zugleich Geschäftsführer des Stadtwerks, liest, rauft sich unweigerlich der Haare. Obwohl die Herausforderungen zur Veränderung des Kerngeschäfts seit Jahren bekannt sind und der Wunsch besteht, mehr zur Energiewende beizutragen als im Wesentlichen nur Ökostrom einzukaufen, passiert herzlich wenig. 

Der Grund dafür ist allerdings nicht in Rheda-Wiedenbrück zu suchen. Es ist kein ausschließlich hausgemachtes Dilemma, sondern eins, das viele andere kommunale Versorger teilen. Die größten Bremser sitzen in Berlin. Eine vergleichende Bewertung und Analyse des Fraunhofer-Instituts hat gezeigt, dass das Hauptproblem die Komplexität ist, die sich aus der Vielzahl an technologischen Lösungsansätzen im Wechselspiel mit den Rahmenbedingungen ergibt. Gerade das Thema Netzentgelte und Umlagen macht demzufolge die Umsetzung von wirtschaftlichen Projekten zu einer Herausforderung. Hier sei also auch die Gesetzgebung gefordert, heißt es im Abschlussbericht. 

Angesichts der Gemengelage aus Bürokratie, fehlenden finanziellen Mitteln, Verwerfungen am Markt als Konsequenz aus dem Ukraine-Krieg und einem gnadenlosen Konkurrenzkampf hätte wohl kaum jemand die Ambitionen, sich reinzuknien und gegen alle Widerstände das Stadtwerk umzubauen. Und so rät auch Torsten Fischer von einer Transformation des Unternehmens ab. Gleichzeitig macht er einen anderen Vorschlag. 

Fischer erscheint es sinnvoller zu sein, über eine Ergänzung der bestehenden Strukturen nachzudenken. Ein eigenes Unternehmen, das sich der Energieerzeugung widmet, eine entsprechende Kapitalausstattung erhält, das könnte ein Modell sein, sagt der Kämmerer. Noch ist das alles nur eine Idee, die Fischer gemeinsam mit Bürgern weiterentwickeln und so Akzeptanz schaffen möchte. Vielleicht ist die Stadt dann irgendwann einmal tatsächlich klimaneutral, und zwar nicht nur auf dem Papier. Ein schöner Gedanke.

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