Herbert Knebel begeistert in der Stadthalle


Nach fast einem Jahr Coronapause kehrt die Flora in die Stadthalle Rheda-Wiedenbrück zurück. Erst Gast war auf der Bühne war Ruhrpottschnauze Herbert Knebel.

Kultfigur: Vor 33 Jahren schuf Udo Lyco die Kunstfigur Herbert Knebel als renitenten Frührentner. Heute hat der Darsteller selber das Rentenalter erreicht, präsentiert sich am Mittwoch auf der Bühne der Stadthalle aber fit wie ein Turnschuh. Foto: Eickhoff

Andere würden an den Ruhestand denken. Nicht so Uwe Lyco alias Herbert Knebel: Drei Wochen vor seinem 67. Geburtstag stellte der Komödiant aus Essen am Mittwochabend in der Stadthalle klar, dass auch 18 Monate Pandemie seine altehrwürdigen Knochen nicht zum Rosten bringen. 

Wer sich nicht gut auf den eigentlich für den am 11. Dezember vergangenen Jahres geplanten Abend vorbereitet hatte und die Frage, ob er denn Schlager toll finde, mit „ja“ beantwortete – der war definitiv falsch. Aber die wenigsten waren überrascht, schließlich waren offenbar doch einige der Zuschauer im Plenum mit Lyco in den vergangenen Jahren gealtert. Aber auch Jüngere, die erst weit nach der Erschaffung der Figur Herbert Knebel im Jahr 1988 geboren wurden, kamen am Mittwoch in die Stadthalle und waren sichtlich begeistert. 

Wortgefechte wechseln mit tolle Musikeinlagen

Genau so wurden die vier Künstler in der Stadthalle empfangen: Viele waren froh, endlich wieder ein wenig Kultur genießen zu dürfen. Es war die erste Veranstaltung der Flora in der Stadthalle seit fast einem Jahr. Das Quartett startet mit dem Programmtitel „Wir sind außer Rand und Band“ doch eher gewohnt rockig, und das können sie in Perfektion. Musikalische Feinkost bot der pöbelnde Ruhrpott-Rentner zusammen mit Martin Breuer als „Ernst Pichel“ an Bass oder Saxophon, Detlef Hinze als „Trainer“ am Schlagzeug und Georg Göbel-Jakobi als „Ozzi Ostermann“ an der Gitarre. 

Frei nach dem Motto: „Früher war alles besser – und leichter“ eröffneten die alternden Herren ihre Erfahrungen über das Älterwerden. „Kaum biste auf der Bühne, schon suppt es dir den Rücken runter“, mäkelte Knebel. „Bei mir lässt nix nach“, warf der „Trainer“ ein, um sich zeitnah den Konter einzufangen: „Du hast ja nix zu verlieren“, spöttelte Knebel über die Begabungen des Sportlehrers. Herrliche Wortgefechte und fetzige Musik mit Texten zum Nachdenken wechselten sich munter ab. 

Am Ende kommt der Bademantel zum Einsatz

Ein Tausendsassa, dieser Knebel: Während er im Publikum die Lachmuskeln trainierte, hielt er sich selber mit grazilen Tanzeinlagen auf der Bühne fit. Zwischendurch musste er feststellen, dass der Mikrofonständer kein Tropf ist und MS Monika mit SM Monika wenig verbindet. Als Zugaben nach dem zweistündigen Programm und verdienten Applaus rockte Knebel als Tina Turner und sogar als Udo Jürgens im weißen Bademantel die Bühne.

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