Ist der „Klotz“ an Rhedas Bleichstraße vom Tisch?



Viel Wirbel hat die erklärte Absicht verursacht, den Parkplatz an der Bleichstraße in Rheda zu bebauen. Nun deutet sich eine Wende an.

Schneller am Ziel als gedacht: (v. l.) Marco Rückl, Aysegül Winter, Bürgermeister Theo Mettenborg, Dr. Peter Karduck und Marita Peter bei der Übergabe der von der Initiative „Kein Klotz“ gesammelten 2796 Unterschriften zum Erhalt der öffentlichen Parkplatz- und Grünanlage auf der Bleichstraße. Die Zeichen stehen gut, dass der Ausschuss für Bauen und Stadtentwicklung kommende Woche Nägel mit Köpfen macht und das umstrittene Projekt der KHW endgültig stoppt.

Rheda-Wiedenbrück (sud) - Da staunt selbst die Bürgerinitiative Bauklötze: Einen massiven Gebäudekomplex aus Wohnungen, Büros und zweigeschossiger Tiefgarage wird es auf der Bleichstraße nicht geben. Stattdessen soll das Areal in Rhedas Innenstadt als Parkplatz erhalten bleiben. 

Auch wenn der endgültige Beschluss durch den Ausschuss für Bauen und Stadtentwicklung erst in der nächsten Sitzung am Donnerstag, 2. September, fällt: Eigentlich hat die Mitte Juni gegründete Bürgerinitiative „Kein Klotz“, die sich gegen die Bebauung der Bleichstraße zur Wehr gesetzt hat, schon jetzt ihr Ziel erreicht. Denn dass das in der Bürgerschaft stark umstrittene Vorhaben noch kommt, ist inzwischen mehr als unwahrscheinlich. 

2796 Unterschriften

Exakt 2796 Unterschriften gegen das Bauvorhaben der Kommunalen Haus und Wohnen GmbH (KHW, früher Kreisheimstätte) hatte die Initiative nach Angaben ihres Gründungsmitglieds Aysegül Winter in den zurückliegenden Wochen gesammelt. Am Dienstagnachmittag übergaben Vertreter der Gruppe die Listen mit den Namen ihrer Unterstützer an Bürgermeister Theo Mettenborg. Der machte keinen Hehl aus seiner Überzeugung, dass das Bauvorhaben an dieser Stelle gestorben ist. 

„Mit einem hörenden Auge hätte man schon vor langer Zeit erkennen können, dass das Projekt nicht kommen wird“, erklärte der Verwaltungschef vielsagend. Schließlich handele es sich bei dem Bleichstraßen-Areal um einen sensiblen Bereich im Herzen der Stadt. Unterirdische Parkplätze auf zwei bis drei Ebenen, der Wegfall der rege genutzten ebenerdigen Stellplätze, dazu das Aus für etliche Bäume und nicht zu vergessen das komplexe Kanalsystem, das für den Bau des Wohn- und Bürokörpers komplett verlegt hätte werden müssen: Es habe von Anfang an viele Gründe gegeben, die gegen die Realisierung des Vorhabens gesprochen hätten, sagte Mettenborg. „Das war objektiver Unfug.“ Trotzdem liege es ihm aber fern, „aus meinem Amt heraus Projekte einfach anzuhalten“. 

Behutsame Entwicklung

Das wird nun aller Wahrscheinlichkeit nach der zuständige Ratsausschuss für Bauen und Stadtentwicklung in der kommenden Woche tun. Die von Mettenborg geführte Verwaltung schlägt in ihrer Beschlussvorlage selbst vor, die aktuellen Planungen zu stoppen. Dr. Peter Karduck als Vertreter der Initiative „Kein Klotz“ freut das. „Stattdessen sollen die bestehenden Parkplätze erhalten und die Bäume geschützt werden.“ Die Neugestaltung des Areals solle behutsam erfolgen – „es kommt also genauso, wie wir es seit Juni gefordert haben“.

Zweifel angemeldet

Unterstützung ist der Initiative „Kein Klotz“ nach Worten Karducks auch aus den Reihen der Ratsfraktionen sicher. Die CDU habe sich bereits öffentlich eindeutig gegen das KHW-Projekt positioniert, auch FDP und Move hätten in Gesprächen mit Mitgliedern der Initiative erhebliche Zweifel angemeldet. 

Bäume erhalten

„Die von der KHW vorgelegte Planung zur Bebauung des westlichen Teils des Parkplatzes an der Bleichstraße mit einem Wohn- und Geschäftsgebäude verbunden mit einer zweigeschossigen Tiefgarage wird ersatzlos gestoppt“: Diesen Satz in der Beschlussvorlage der Verwaltung für die nächste Sitzung des Bau- und Stadtentwicklungsausschusses hat die Akteure von „Kein Klotz“ nach eigenem Bekunden besonders gefreut. Doch auch mit dem von der Verwaltung im selben Atemzug vorgeschlagenen weiteren Vorgehen können sich die Mitglieder der Bürgerinitiative weitgehend anfreunden – weil ihre Ziele zum Erhalt der Bleichstraße und der Bäume damit nicht konterkariert, sondern sogar noch gestärkt werden. 

Aufenthaltsqualität steigern

Konkret heißt es im Verwaltungsentwurf zum weiteren Vorgehen: „Die Einleitung einer neuen Planungs- und Gestaltungsphase für das Quartier Bleichstraße mit dem Ziel, ebenerdige Parkplätze zu erhalten, dem vorhandenen Baumbestand mehr Raum für einen vitaleren Wuchs zu ermöglichen durch geeignete Umgestaltung der Parkplätze und der Grünzone wird beschlossen. Dabei soll die Schaffung einer besseren Aufenthaltsqualität durch eine konzertierte Aktion von Verwaltung, Anliegern, Politik und Bürgern das Ziel sein.“

Alles vom Tisch?

Sind mit der bevorstehenden Entscheidung des Fachausschusses nun sämtliche Bauvorhaben im Bereich Bleichstraße ein für allemal vom Tisch? Das nicht, betont die Verwaltung ausdrücklich. Zwar soll die öffentliche Stellplatz- und Grünfläche auf jeden Fall erhalten und neu gestaltet werden, in Randbereichen des Innenstadtquartiers könnte sich trotzdem über kurz oder lang etwas tun. In ihren Ausführungen verweist die Stadtverwaltung in diesem Zusammenhang auf das ehemalige Aldi-Gebäude inklusive der dazugehörigen Stellplatzanlage. Diesbezüglich gebe es Überlegungen für einen Neubau. Ebenso habe die Verwaltung Kenntnis von „Neubauplanungen zu Nachverdichtungen auf Privatgrundstücken auf der Westseite des Gebiets“. 

Dazu stellt der Technische Beigeordnete Stephan Pfeffer in der Sitzungsvorlage klar: „Diese sinnvollen Überlegungen außerhalb der öffentlichen Parkplatzanlage Bleichstraße sollen weitergeführt werden, denn sie bedeuten für die Parkraum- und Grünsituation keine Veränderung.“

Texte und Fotos von die-glocke.de sind urheberrechtlich geschützt. Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.