Stadt will eigene Solaranlagen auf ihren Dächern 



Bislang hat die Stadt ihre Dachflächen nur an Dritte vermietet, damit diese sie zur Energiegewinnung nutzen können. Nun aber will sie selbst mitmischen.

Bislang hatte die Stadt einige ihrer Dächer nur an Dritte vermietet, damit diese dort auf eigene Rechnung Energie gewinnen. Nun will sie selbst mitmischen. Primäres Ziel ist der Eigenverbrauch, die Einspeisung selbst ist weitaus weniger attraktiv. Foto: Alex Csiki

Rheda-Wiedenbrück (kvs) - Wer sich als Privater eine Photovoltaikanlage aufs Dach der eigenen Immobilie setzen lässt, ist mitunter überrascht, wie schnell die ganze Geschichte erledigt ist und die Stromerzeugung in Eigenregie anläuft. Deutlich mehr Zeit mitbringen muss die Stadt. Sie beabsichtigt, auf einigen der Liegenschaften Solarpaneels zu installieren. 

Die Gemengelage aus sich stetig ändernden Förderkriterien, unterschiedlichen statischen sowie räumlichen Voraussetzungen und komplexen Ertragsprognosen ist inzwischen für jedermann einsehbar. Externe Fachleute hatten bekanntlich untersucht, welche der Immobilien zur Gewinnung von Sonnenenergie geeignet sind, wie groß die jeweiligen Anlagen ausfallen dürfen, was unterschiedliche Varianten bringen und was sie kosten. Die Essenz aus der Machbarkeitsstudie präsentierten unlängst Laura Stegemann und Kai Borkmann vom Büro Ineg während einer Sitzung des Ausschusses für Grundstücke und Gebäude. 

Statik oft Ausschlusskriterium

Bislang hatte die Stadt einige ihrer Dächer nur an Dritte vermietet, damit diese dort auf eigene Rechnung Energie gewinnen. Nun will sie selbst mitmischen. Primäres Ziel ist der Eigenverbrauch, die Einspeisung selbst ist weitaus weniger attraktiv ob der verhältnismäßig geringen Vergütung. Die Mitarbeiter von Ineg nahmen also mehr als 50 kommunale Liegenschaften unter die Lupe. Einige von ihnen kommen wegen statischer Voraussetzungen nicht infrage, andere liegen zu sehr im Schatten, als das sich dort Photovoltaik lohnen würde, manche sind schlichtweg zu klein. 

Je nach Variante soll es den Fachleuten zufolge möglich sein, in der Spitze eine Gesamtleistung von 3,6 Megawatt zu erzeugen. Die Krux an der Geschichte: Mit wachsendem Ertrag steigen bürokratische Anforderungen, die Einspeisevergütung hingegen ist ab einem gewissen Punkt kaum noch der Rede wert. Zumal die Stadt eigenen Angaben zufolge nicht vor hat, auf dem Markt der Direktvermarkter mitzumischen – wozu sie allerdings gesetzlich verpflichtet wäre, würde sie gewisse Leistungsstufen erreichen. Also empfiehlt Ineg, 750 kWp nicht zu überschreiten, „da ansonsten der Strom nicht selbst verbraucht werden kann“. 

Streitpunkt Stromspeicher

Kritisch betrachtet mancher den etwaigen Einsatz von Stromspeichern. Trotz aller Vorzüge – beispielsweise steigt die Eigenverbrauchsquote – haften ihnen auch erhebliche Nachteile an. Dazu zählen der Ressourcenaufwand, der zusätzliche Platzbedarf, die noch hohen Anschaffungskosten, brandschutztechnische Anforderungen und die Verschlechterung des Wirkungsgrads der Anlage.

Eigenverbrauch am sinnvollsten

Das Fazit der Fachleute: Auf den Liegenschaften der Stadt können Photovoltaikanlagen wirtschaftlich errichtet werden. Die maximale Peak-Leistung aller Anlagen beträgt bei der Variante zwei (Vollbelegung nach statischer Prüfung) 2100 Kilowatt (kWp), die Investitionssumme beläuft sich auf 2,45 Millionen Euro. Erwartet wird ein elektrischer Ertrag von annähernd zwei Millionen Kilowattstunden (kWh) pro Jahr, wovon etwa 39 Prozent direkt durch die Gebäude verbraucht werden. Die Fachleute prognostizieren überdies einen um 831 Tonnen reduzierten Kohlenstoffdioxidausstoß. 

Die maximale Peak-Leistung der Variante drei (Eigenverbrauchsquote höher als 80 Prozent) beträgt 559,8 2100 Kilowatt, die Investitionssumme wird mit 851 461 Euro angegeben, der Ertrag mit 515 385 Kilowattstunden. Die CO2-Bilanz ließe sich immerhin noch um 220 Tonnen im Jahr verbessern. Das wirtschaftlich interessanteste Modell wäre für die Stadt der Eigenbetrieb, heißt es in der Machbarkeitsstudie. Das heißt, sie errichtet die Anlagen und verbraucht den erzeugten Strom selbst. In diesem Fall muss eine nur deutlich reduzierte Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) bezahlt werden. 

Schulen und Rettungswachen

In einer ersten Ausbaustufe könnten die Gebäude der Feuerwehren in Wiedenbrück, Rheda und Lintel mit Solarplatten bestückt werden, darüber hinaus Park-, Postdamm- und Wenneberschule, Ratsgymnasium, die neue Sporthalle an der Gesamtschule Rheda, außerdem Lehrschwimm- sowie Turnhalle der Piusschule. Darauf hat sich jüngst der zuständige Fachausschuss verständigt. Außerdem empfiehlt das Gremium dem Rat, zur Umsetzung der Maßnahmen jährlich 200 000 Euro im Investitionshaushalt bereitzustellen – fortlaufend zunächst bis 2025. 

Aktualisierung erforderlich

Angesichts der Tatsache, dass nach Abschluss der Machbarkeitsstudie ein neues Programm in Kraft getreten ist, das Photovoltaikanlagen auf kommunalen Gebäuden zusammen mit einem Batteriespeicher fördert, sollen die Berechnungen jetzt noch einmal überarbeitet werden. Die Beantragung der Zuschüsse muss bis November erfolgen. Im Falle einer Zusage würden die Anlagengrößen noch einmal angepasst, heißt es seitens der Stadt.

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