Rheda-Wiedenbrücker Jugendliche im Einsatz fürs Klima


Junge Leute aus der Doppelstadt wollen vor Ort Maßnahmen zum Klimaschutz initiieren. Ein erster Schritt könnten sogenannte City-Trees sein.

Sie leben Demokratie und Klimaschutz: (v.l.) Alina Wonnemann, Julia Gemkow, Tahsin O. Mirza, Merve Ücar, Aurelia Klein, Melina Silberberg, Nikita-Lars Steinhauer und Christoph Thiele von der Aktionsgruppe „Jugend für Demokratie und Klimaschutz“.

Rheda-Wiedenbrück (gl) - Die Klimakrise ist eine der größten Herausforderungen der Menschheit. Lösungsansätze werden auf allen politischen Ebenen diskutiert. Auch das Jugendforum Rheda-Wiedenbrück widmet sich dem Thema. Die Gruppe „Jugend für Demokratie und Klimaschutz“ geht dabei einen innovativen Weg: Sie führt eigene Klimaschutzmaßnahmen durch und bringt überdies ein Konzept zum Klimaschutz in die Kommunalpolitik ein.

Zukunft demokratisch gestalten

„Wann immer Menschen zusammenkommen, um gemeinsam etwas zu tun, können sie dies demokratisch gestalten“, sagt Alina Wonnemann vom Jugendforum (Jufo) – ganz gleich, ob es dabei um Sport, Kunst und Kultur oder Klimaaktivismus gehe. Sie ist davon überzeugt, dass sich Demokratie in allen Lebensbereichen leben und weiterentwickeln lässt. Das jetzige Projekt hatte zum Ziel, dass sich Jugendliche mit Klimaschutz beschäftigen, eigene demokratische Arbeitsweisen konzipieren und sich in die demokratischen Prozesse auf kommunaler Ebene einbringen.

Die Anglistikstudentin hat 2018 als Schülerin am Einsteingymnasium dabei geholfen, das Jufo in Rheda-Wiedenbrück zu gründen. Zwei Jahre hat sie in verschiedenen Projekten mitgearbeitet und sich anschließend zur Demokratie-Teamerin fortbilden lassen. Unter der Leitung von Demokrat Ramadani widmete sie sich den Fragen: Was ist Demokratie? Wodurch wird sie gefährdet? Wie kann sie verbessert werden?

Hintergrund

Die Stadt Rheda-Wiedenbrück und die VHS Reckenberg-Ems nehmen seit Ende 2017 gemeinsam am Bundesprogramm „Demokratie leben!“ teil. Die Förderung erfolgt über das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Im Rahmen dessen wurde die Demokratiepartnerschaft Rheda-Wiedenbrück gegründet, um ein Netzwerk von Akteuren aus Kommunalpolitik, Stadtverwaltung und Bevölkerung aufzubauen. Ziele sind die Förderung von Demokratie, die Anerkennung von Vielfalt und die Stärkung des Einsatzes gegen gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit. Der Schwerpunkt liegt auf der Partizipation von Kindern und Jugendlichen sowie auf der Frühprävention. Herzstück der Demokratiepartnerschaft ist das Jugendforum, kurz Jufo. Es wurde 2018 gegründet, damit Heranwachsende in Eigenregie Projekte konzipieren, durchführen und evaluieren können. Das Jufo ist offen für alle Jugendlichen, die in Rheda-Wiedenbrück leben. Weitere Informationen zum Thema gibt es im Internet. Bei Fragen steht die Koordinierungsstelle per E-Mail an demokratie-leben@vhs-re.de und unter Tel. 05242/9030132 zur Verfügung.

„Jugendliche demokratiepädagogisch fortzubilden, damit sie mit anderen Jugendlichen eigene Projekte zur Demokratiestärkung und Jugendpartizipation aufbauen können, ist ein sehr innovativer Ansatz“, erklärt Ramadani, der seit 2017 als Fachreferent für Demokratieförderung und Extremismusprävention Teil der Koordinierungsstelle der Demokratiepartnerschaft Rheda-Wiedenbrück bei der Volkshochschule (VHS) Reckenberg-Ems ist. Für diesen Ansatz ist das Jufo bundesweit bekannt. Nicht zuletzt deswegen hat das Bundesfamilienministerium vor einiger Zeit einen Kurzfilm über dieses Engagement veröffentlicht.

Umweltschutz vor Ort

Seit April leitet Alina Wonnemann die Aktionsgruppe „Jugend für Demokratie und Klimaschutz“. Ihr gehören Nikita-Lars Steinhauer, Christoph Thiele, Aurelia Klein, Franziska Marie Plachetka, Dennis Epp, Laura Kellner, Radu Calcan und Julia Gemkow an, die gemeinsam die Eckpunkte des Projekts festgelegt haben. Sie entschieden sich für ein dreistufiges Vorgehen, bestehend aus Fortbildungs-, Maßnahmen- und Antragsphase.

„Weil wir unterschiedliche Wissensstände hatten, haben wir uns im ersten Teil intensiv mit dem Thema Klimaschutz beschäftigt“, sagt Aurelia Klein. Im Fokus standen Fragen wie: Welche Formen von Klimaschädigung gibt es? Was gilt als Umweltverschmutzung? Wie hat sich die Umwelt- und Klimapolitik in Deutschland entwickelt? Und welche Maßnahmen – im Großen und Kleinen – eigenen sich für den Klimaschutz?

Die Mitglieder der Aktionsgruppe kamen überein, dass die Politik einen geeigneten Rahmen zur nachhaltigeren Herstellung von Konsumgütern bieten muss. Die Fortbildungsphase mündete in der Besichtigung eines Gärtnerhofs, wo die Jugendlichen die Umweltschäden durch herkömmliche Landwirtschaft thematisieren und nachhaltigen Gemüseanbau kennenlernen konnten.

Müllsammlung statt Stadtputztag

Die anschließende Maßnahmenphase diente dazu, eigene Vorstöße zum Schutz des Klimas und zur Förderung der Umwelt zu entwickeln. Da der Stadtputztag ausgefallen ist, führten die Heranwachsenden mit der Lokalen Agenda 21 eine Müllsammelaktion in der Flora Westfalica durch. Auch tat sich das Jufo mit der DJK Rheda zusammen, um Insektenhotels zu bauen. Solche Beiträge könnten die notwendigen Entscheidungen der Politik zwar nicht ersetzen, erklärt Franziska Marie Plachetka. Doch das sollen sie auch nicht. Sie seien vielmehr als Zusatz gedacht, „damit wir nicht untätig sind, bis die Politik in Bewegung kommt“.

City-Trees für ein besseres Klima

Damit genau dies geschieht, haben die Jufo-Mitglieder in Zusammenarbeit mit dem Jugendkulturring und der Lokalen Agenda 21 einen Antrag für den Stadtrat erarbeitet. Darin wird die Anschaffung sogenannter City-Trees gefordert. In der Begründung heißt es: „Ein City-Tree ist ein aus Moos bestehender Feinstaubfilter mit automatischer Ventilation und Bewässerung. Er dient zur Kontrolle der Effektivität der Mooskulturen sowie der Luftverschmutzung im unmittelbaren Umfeld.“ Das Moos filtere stündlich bis zu 3500 Kubikmeter Atemluft und wirke mit einem Kühlungseffekt von bis zu 2,5 Prozent in der unmittelbaren Umgebung der Aufheizung in Städten entgegen. „Zusätzlich sind Sitzgelegenheiten verfügbar, welche sich positiv auf die Besucherzahlen in der Innenstadt auswirken“, schreiben die Antragsteller weiter. Der Vorstoß sei kürzlich bei Bürgermeister Theo Mettenborg eingereicht worden. „Wir freuen uns sehr auf die politische Diskussion zu unserem Antrag“, sagt Alina Wonnemann.

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