Rheda-Wiedenbrücker Schüler schicken Wetterballon los


Gestartet war der Ballon als Mint-Forschungsprojekt. Dazu hatten sich die Jugendlichen zweier Klassen zusammengetan.

Hoch hinaus ging es im Rahmen des Schulprojekts „Am Rande des Weltraums“. Zahlreiche Schüler der Rheda-Wiedenbrücker Moritz-Fontaine-Gesamtschule verfolgten den Aufstieg des Wetterballons.

Rheda-Wiedenbrück (gl) - Ganz hoch hinaus wollten die Schüler der Moritz-Fontaine-Gesamtschule (MFG) – und haben es geschafft. Erstmalig starteten sie in Rheda-Wiedenbrück einen schuleigenen Wetterballon, der bis in die Stratosphäre aufstieg. Wie geplant erreichte er rund 35 000 Meter Höhe und landete mit einer großen Menge Messdaten bei Winterberg. Während die Daten noch ausgewertet werden, lassen die im Flug gemachten Filmaufnahmen bereits erkennen, dass das selbst entwickelte chemische Experiment an Bord erfolgreich war. Die Verfärbung der Chemikalien in der Sonde unter dem Ballon weist Ozon in der Stratosphäre nach. Weitere Ergebnisse über die Temperaturen der Stratosphäre oder die Windverhältnisse werden die Auswertungen der nächsten Tage ergeben. 

Dokumentarfilm entsteht

Gestartet war der Ballon als gemeinsames Mint-Forschungsprojekt, also Projekt in den Fachbereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik. Dazu hatten sich die Jugendlichen zweier Klassen zusammengetan, um den Wetterballon mit ihren eigenen Experimenten zu starten und die Forschungsreise zu dokumentieren. Die 10j unter der Leitung von Dr. Sven Erik Meyer baute das Fluggerät und die Experimentalbox zusammen, die 9b unter der Leitung von Sascha Müller dokumentierte und filmte mit vielen Kameras die tagelangen Vorbereitungen und den Start.

Im schuleigenen ZDI-Schülerlabor entsteht aus den zahlreichen Einzelaufnahmen nun ein Dokumentarfilm. Dieser zeichnet nicht nur den Versuch nach, im fliegenden Minilabor mit Hilfe von Kaliumjodid und Stärke die Ozonschicht nachzuweisen. Er kann zugleich nachfolgenden Schülergenerationen als Anleitung für weitere Ballonstarts in den kommenden Jahren dienen. In dieser Hinsicht war der Wetter- auch ein Versuchsballon. Auch künftige Jahrgänge sollen nun mit ähnlichen Versuchen die fächerübergreifende Projektarbeit erproben. 

Start an Tag drei

Diese begann mit einem Theorietag, an dem sich die Schüler die notwendigen physikalischen, meteorologischen und technischen Grundkenntnisse aneigneten. Anschießend planten sie den Flug des Heliumballons bis zu seinem notwendigen Ende. Dieses findet planmäßig in der Stratosphäre statt, wenn das Helium den am Boden drei Meter durchmessenden Ballon auf 15 Meter Durchmesser aufgebläht hat. Nachdem die Hülle geplatzt ist, kehrt die Messsonde am Fallschirm zur Erde zurück. Die Sonde mit eigenem Experiment, Kamera, GPS-Tracker und Datenlogger wurde am zweiten Projekttag gebaut. Am dritten Tag wurde anhand der aktuellen Wetterdaten noch einmal der Ballon mit seiner Füllung angepasst und in den Himmel geschickt. Den Start verfolgten viele Schüler aller Klassen und zählten kräftig beim Countdown mit. Als der Ballon im tiefen Blau des Himmels verschwunden war, verfolgten die Projektschüler seinen Flug per App bis zur Fallschirmlandung.

Die Auswertung der Sondendaten wird in den nächsten Tagen die im Projekt gewonnenen Erkenntnisse vertiefen. Der Film zum Flug entsteht unterdessen im ZDI-Schülerlabor Digitale Medien. Dort können die Jugendlichen auf Tablets, Computer, Kameras, Smartphones und Apps zurückgreifen, mit denen sie das selbst gedrehte Rohmaterial professionell bearbeiten können. Mint-Projekte bieten Schülern die Möglichkeit, sich fächerübergreifend technische und naturwissenschaftliche Kenntnisse praktisch zu erarbeiten. Unterstützt wurde das Schulprojekt „Am Rande des Weltraums“ von der Firma Stratoflights. Die Fachfirma bietet die Begleitung von luftfahrttechnischen Experimenten für Schulen an. Die Firma stellt die extrem belastbare Ballonhülle, die Gasbefüllung und die Tracker-Technik, mit der der Flug verfolgt werden kann, bereit. Ebenso unterstützt sie bei der Einholung der Startgenehmigung bei den Luftaufsichtsbehörden. Außerdem vermitteln die Fachleute die Grundlagen der Film- und Schneidetechnik, so dass die Jugendlichen eine hochwertige Dokumentation erstellen können. 

Fördermittel der Europäischen Union

Das ZDI-Schülerlabor Digitale Medien ist mit Unterstützung der Stadt und durch Fördermittel der Europäischen Union REACT-EU an der Moritz-Fontaine-Gesamtschule entstanden und mit aktueller Film- und Computertechnik ausgestattet worden. Es fördert als außerschulischer Lernort die Mint-Kompetenzen von Schülern im Bereich der Berufs- und Studienorientierung. Der Schwerpunkt aller digitalen Angebote des Schülerlabors liegt auf der produktiven und experimentellen Filmarbeit sowie der Vermittlung beruflicher Kompetenzen im Bereich der Videoproduktion. Die Umsetzung der Workshops erfolgt mithilfe externer Kooperationspartner, darunter Kameraleute, Medienpädagogen und Youtuber.

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