Rheda-Wiedenbrücker Schulen auch künftig filterlos



Ausschuss für Grundstücke und Gebäude spricht sich mehrheitlich gegen den Einbau von mobilen Luftfiltern aus.

Braucht es zusätzlich zum Lüften Entkeimungsanlagen an den Schulen? Darüber wurde jüngst im Ausschuss für Grundstücke und Gebäude in Rheda-Wiedenbrück diskutiert. Foto: dpa/Robert Michael

Rheda-Wiedenbrück (sud) - Dem Einsatz von mobilen Luftfiltern in Schulen haben die Rheda-Wiedenbrücker Lokalpolitiker mehrheitlich eine Abfuhr erteilt – zumindest vorerst. Die Entscheidung war in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Grundstücke und Gebäude allerdings nicht unumstritten. Konkret ging es in der Debatte um den Einsatz von Entkeimungsanlagen, die mit einer besonderen Form der ultravioletten Strahlung (UVC) arbeiten. 

Auch UVC-Technologie würde Probleme bereiten

Mit entsprechenden Geräten hat die Gemeinde Asbach (Landkreis Neuwied in Rheinland-Pfalz) nach eigenen Angaben gute Erfahrungen gemacht. Seit dem flächendeckenden Einsatz der Anlagen in Schulen und Kitas habe es dort keine kompletten Schließungen von Bildungs- und Betreuungseinrichtungen aufgrund von Corona-Infektionen mehr gegeben. In ihrer Bewertung der UVC-Entkeimungsanlagen ist die Rheda-Wiedenbrücker Stadtverwaltung indes weniger euphorisch. Zur Einschätzung der Sachlage hatte sie sich sogar externe Unterstützung durch ein Fachbüro geholt. Das Ergebnis indes ist ernüchternd. „Aus Sicht der Verwaltung stellen sich bei Geräten mit UVC-Technologie dieselben Probleme wie bei Geräten mit Filtertechnologie“, lautet das Fazit. Weder die Förderfähigkeit der Anlagen sei gegeben, noch ein nachhaltiger Nutzen. Zudem seien die Geräte ähnlich geräuschintensiv wie die bislang in den Blick genommenen Varianten. Teile der Politik haderten dennoch mit einer Absage an die Technik – allen voran FDP-Fraktionsvorsitzender Patrick Büker. 

Er warnte davor, dass im Herbst die nächste Corona-Welle auf Deutschland zurollen könne und die Technik der Anlagen insbesondere hinsichtlich der Geräuschentwicklung deutlich vorangekommen sein könnte. Deshalb solle der Ausschuss dem Einbau von Luftfiltern – ganz gleich, welcher Art – zum jetzigen Zeitpunkt keine Absage erteilen, „weil wir uns damit ohne Not sechs Monate an einen solchen Beschluss binden würden“. „Was kommt nach der Leichtigkeit des Sommers?“ Diese Frage stellte auch Hans-Hermann Heller-Jordan (Bündnisgrüne) in den Raum. Zugleich betonte er, dass er den sofortigen flächendeckenden Einsatz der Geräte aufgrund der noch nicht ausgereiften Technik für eher schwierig halte. Eine Lanze für den perspektivischen Einsatz von Luftfiltern in Rheda-Wiedenbrücks Schulen und Kitas brach Martina Mester-Grunewald (SPD). „Wir bleiben dabei, denn Lüften allein wird gerade im Winter nicht reichen.“

Kapitel noch nicht abgeschlossen

 Günter Arlt (Freie Linke) wies darauf hin, „dass eine gute Luftqualität die zwingende Voraussetzung für vernünftiges Lernen“ ist. Die Stadt müsse für keimfreie Luft in den Klassenzimmern sorgen und dürfe sich deshalb zum jetzigen Zeitpunkt keine Option verbauen. Die von der Verwaltung vorgebrachten Gegenargumente bezeichnete Jörg Schramm (CDU) als „überzeugend“. Sein Fraktionskollege Michael Pfläging gab zu bedenken, dass das Thema Luftfilter „in schöner Regelmäßigkeit“ auf die politische Tagesordnung komme. „Genau das ist es, was wir verhindern wollen.“ Es mache erst wieder Sinn, darüber zu sprechen, „wenn sich bei der Technik der Geräte etwas Entscheidendes tut“. Peter Heinz Woste (ebenfalls CDU) regte indes an, auf die Nachbarkommunen zu schauen. „Lüftungsanlagen müssen eigentlich in jeden Klassenraum rein“, gab er zu Protokoll.

 Auf ein geteiltes Echo stieß der Kompromissvorschlag, den die Stadtverwaltung im weiteren Verlauf der Sitzung präsentierte. Demnach soll das Thema Luftfilter zum jetzigen Zeitpunkt nicht weiter verfolgt werden, sondern erst dann, wenn sich die pandemische Lage dramatisch verändert oder es neue technische Erkenntnisse vonseiten der Anbieter gibt. Die Formulierungen wertete FDP-Chef Büker als „reichlich unbestimmt“. Er kündigte an, dass seine Partei das Thema erneut auf die Tagesordnung setzen lasse, wenn sie die Notwendigkeit dafür sehe. Mit dem bei elf Ja- und sieben Neinstimmen gefassten Beschluss könne sich weder die CDU, noch die Verwaltung dauerhaft vor ähnlich gelagerten Anträgen schützen. Gegen den Vorschlag der Stadtverwaltung stimmten außer der FDP SPD, Bündnisgrüne und Freie Linke.

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