Rheda-Wiedenbrücker Verein hilft Flutopfern


Eine Familie aus Iversheim hat während der Flutkatastrophe ihr gesamtes Hab und Gut verloren. Jetzt erhält sie Hilfe aus Rheda-Wiedenbrück.

Im Einsatz für Hochwassergeschädigte in Iversheim: (v.l.) Bettina Faltis vom neu gegründeten Rheda-Wiedenbrücker Verein „Alle unter einem Dach“, Dawn Sirrenberg und Ruth Cziraky vom Familienpatenteam Iversheim sowie Cornelia Voss von der Aktion „flutpaten.eu“.

Rheda-Wiedenbrück (gl) - Viele Menschen haben wirklich alles im Hochwasser verloren. Geblieben ist von Hausstand, Dokumenten und persönlichen Dingen nichts. So ergangen ist es auch der ersten Patenfamilie des jungen Rheda-Wiedenbrücker Vereins „Alle unter einem Dach“, dessen Arbeit langsam Fahrt aufnimmt.

Der 14. Juli war auch für die Patenfamilie aus Iversheim von „Alle unter einem Dach“ zunächst ein ganz normaler Mittwoch in den Sommerferien. Gemeinsames Frühstück, vormittags gemütlich einen Film zusammen schauen – das schlechte Wetter lud ja nicht gerade dazu ein, vor die Tür gehen ein.

Vom Hochwasser überrascht

Erst als die Familie beschließt, dass man zur Feier des Ferientags mittags auf Wunsch der Kinder zu McDonald’s fährt, wird klar, dass etwas nicht normal ist: „Das Wasser stand bis zur Treppe, als wir das Haus verlassen wollten“, berichtet Mutter Lili. Der Versuch, mit dem Auto wegzufahren, scheitert, weil der Wasserstand bereits viel zu hoch ist.

Als die Familie ins Haus zurückkehrt, kommt Kindern und Eltern bereits das Wasser aus dem vollgelaufenen Keller entgegengeströmt. Dort ist also kein Bleiben mehr. Die Familie läuft zum höher gelegenen Nachbarhaus und sucht dort Schutz. Gegen 22 Uhr wird der Aufenthalt darin ebenfalls zu gefährlich. Unter Lebensgefahr retten sich die zehn Personen – davon sieben Kinder – aufs Dach. Dort verharren sie die halbe Nacht, kontrollieren immer wieder den Pegelstand. Es ist rutschig und sie haben Angst. Erst um 3 Uhr nachts ist der Wasserstand so weit gesunken, dass die Gruppe wieder ins Haus der Nachbarn zurückkehren kann.

Die Immobilie der Patenfamilie des Rheda-Wiedenbrücker Vereins „Alle unter einem Dach“ ist aufgrund seiner niedrigeren Lage indes vollständig von der Flut erwischt und dadurch unbewohnbar gemacht geworden. Eltern und Kinder werden von der Feuerwehr deshalb zunächst in einer Schule untergebracht. Von dort aus ist die nächste Station das Pfadfinderhaus, wo sie mehrere Wochen notdürftig leben, bis eine neue Bleibe gefunden worden ist.

„Ein Staubsauger wäre super“

„Gut ist, dass niemand zu Schaden gekommen ist. Gut auch, dass die Familie mittlerweile wieder ein Dach über dem Kopf hat“, heißt es in einer Mitteilung des neuen Vereins, der sich der Hilfe der Flutopfer verschrieben hat. Das neue Domizil gelte es jetzt bewohnbar zu machen, denn noch sei außer der nötigsten Wohninfrastruktur in Form von Matratzen, Esstisch mit Stühlen, einem Zwei-Platten-Kocher und einem Minibackofen nicht viel vorhanden. „Genau hier setzt die Arbeit von ,Alle unter einem Dach‘ an“, heißt es in einer Mitteilung. Wichtiger Baustein sei dabei, dass Vereinspaten und Familie auf Augenhöhe miteinander agieren. Nur so könne eine vertrauensvolle Basis gestaltet werden. „Zuerst habe ich die Familie gefragt, was sie besonders dringend gebrauchen kann. Mutter Lili sagte mir, dass ein Staubsauger super wäre“, berichtet Vereinsmitglied Bettina Faltis.

Der Staubsauger ist nur ein erster kleiner Schritt. Die Räume im Haus müssen teils gespachtelt, gestrichen oder tapeziert werden. Dann geht es an die Einrichtung vom Keller bis zum Dachboden. Zudem steht der Aufbau der Küche ganz oben auf der Agenda der Vereinsmitglieder aus Rheda-Wiedenbrück.

Wer packt mit an?

Schränke, Kühlschrank und Elektroherd sind vorhanden. Eine Arbeitsplatte und eine Spülmaschine fehlen noch. Für diese Arbeiten sucht der Verein dringend fleißige Helfer – gerne aus den Vereinen der Stadt Rheda-Wiedenbrück, aber auch Einzelpersonen sind willkommen.

Handwerken, Transportieren, Mitmachen – das sind die wesentlichen Bereiche des Patenschaftsengagements. Damit die Kooperation auf Dauer gelingt, arbeitet „Alle unter einem Dach“ eng mit dem Familienpatenschaftsteam in Iversheim zusammen. Dort laufen die Fäden für die gesamten Familienpatenschaften in dem Bad Münstereifeler Ortsteil zusammen.

Kooperation mit Iversheimer Initiativen

Die Beteiligten sind aktuell dabei, eine geordnete Koordination der Patenschaften auf die Beine zu stellen, sodass beispielsweise der Überblick über die Antragsstellung für Spendengelder oder aber spezielle Bedarfe gewährleistet ist. „Hier haben die Iversheimer wirklich Großartiges in Eigenregie geleistet“, sagt Bettina Faltis von „Alle unter einem Dach“. Das Konzept werde ständig weiterentwickelt. „Man muss bedenken, dass viele der im Patenschaftsteam Aktiven selber Flutschäden erlitten haben und trotzdem mit Herzblut dabei sind. Das bewundere ich“, sagt Faltis.

Das Iversheimer Familienpatenschaftsteam soll Teil eines im Aufbau befindlichen Patenschaftsnetzwerks für den Kreis Euskirchen werden, das man derzeit unter „flutpaten.eu“ bei Facebook finden kann. Initiatoren dieses ebenfalls ehrenamtlich geleiteten Netzwerkes sind Cornelia Voss und ihr Mann Lothar.

„Alle unter einem Dach“ lädt die Rheda-Wiedenbrücker Vereine, Einzelpersonen und örtliche Unternehmen ein, sich in die Vereinsarbeit mit einzubringen. Das kann über aktive Mitarbeit, eine Fördermitgliedschaft oder auch Geld- oder Sachspenden geschehen.

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