Tönnies ein Jahr nach Ende der Werkverträge zufrieden



Ein Jahr nach dem amtlichen Ende der Werkverträge in der Fleischindustrie zieht der Marktführer Tönnies Bilanz.

Der Zerlegebereich am Stammsitz der Firma Tönnies nach dem Stillstand im Sommer 2020. der massenhafte Corona-Ausbruch hat einen Umbau der gesamten Branche ausgelöst.  Foto: Tönnies

Rheda-Wiedenbrück (gl) - Vor einem Jahr ist das Ende der Werkverträge in der Fleischindustrie amtlich geworden. Die Tönnies-Gruppe gibt sich zufrieden mit den bisherigen Ergebnissen ihrer Maßnahmen, die die Verbesserung der Wohn- und Arbeitsbedingungen der Belegschaft zum Ziel haben. Einem Konzernsprecher zufolge sind in den zurückliegenden 15 Monaten bundesweit 8500 Menschen in direkte, eigene Beschäftigungsverhältnisse übernommen, zudem die digitale Zeiterfassung an allen Standorten implementiert worden. 

2000 Wohnungen übernommen

Zudem habe man 2000 Wohnungen in 800 verschiedenen Objekten übernommen, sie „zum Großteil schon renoviert und neu möbliert“, dazu einen hohen zweistelligen Millionenbetrag investiert. 5800 Menschen finden dort Unterkunft. Unterm Strich ist sich die Gruppe sicher, „außerordentliche Verbesserungen“ erzielt zu haben, was auch von offizieller Seite bestätigt werde, heißt es in einer Mitteilung aus dem Stammhaus in Rheda. 

Noch nicht fertig

Dem Rhedaer Unternehmen zufolge möchte etwa ein Drittel aller Beschäftigten in Werkswohnungen leben. Das Gros allerdings habe sich selbst um eine Bleibe gekümmert und private Mietverträge unterschrieben, von denen wiederum ein Teil zum Wohl der Mitarbeiter neu verhandelt und standardisiert worden sei. „Wir haben hier in den vergangenen zwölf Monaten viel geschafft. Wir sind noch nicht fertig, aber auf einem sehr guten Weg“, lässt sich Martin Bocklage, Personalchef der Unternehmensgruppe, zitieren. 

450 Küchen gekauft

Die Zahlen, die Tönnies nennt, sprechen für sich: Zwei von drei Wohnungen mussten renoviert werden, weil sie nicht den Vorstellungen des Unternehmens entsprachen. Bei zehn Prozent der Unterkünfte besteht kurz- beziehungsweise mittelfristig Handlungsbedarf. 1,5 Millionen Euro habe man allein in die Möblierung dieser Objekte investiert, lässt Tönnies wissen. Unter diesem Posten sind auch 450 Küchen verbucht, die für sich genommen 300 000 Euro gekostet haben. 

Laut Unternehmen bezahlen jene, die in einer der Tönnies-Wohnungen leben, 210 Euro Miete pro Person und Monat, wovon 90 Euro auf die Nebenkosten (Strom, Wasser, Energie, Müllentsorgung, Mobiliar, Elektrogeräte, mitunter Internetzugang) entfallen. Pro Quartal werde der Zustand jeder einzelnen firmeneigenen Unterkunft mindestens einmal kontrolliert, führt Bocklage weiter aus. 

Positive Veränderungen

Die kommunalen Verwaltungsspitzen an den Tönnies-Standorten in Deutschland und im Umkreis vom Stammwerk Rheda-Wiedenbrück bescheinigten dem Unternehmen durchweg positive Veränderungen, heißt es in der kürzlich veröffentlichten Zwischenbilanz. Der Erste Beigeordnete der Stadt, Dr. Georg Robra, spreche gar von einem Paradigmenwechsel, seit Tönnies die Wohnraumbewirtschaftung übernommen habe. „Das wird außerdem nach regelmäßigen Besichtigungen der Objekte bestätigt, die von den zuständigen Behörden unangemeldet oder gemeinsam mit dem hauseigenen Immobilienservice samt muttersprachlichen Integrationskräften der Unternehmensgruppe durchgeführt werden.“

8500 Beschäftigte übernommen

Mit dem Auslaufen der Beschäftigungsmöglichkeiten über Werkverträge hat Tönnies eigenen Angaben zufolge 8500 Mitarbeiter vorwiegend aus EU-Mitgliedsländern in direkte Beschäftigungsverhältnisse übernommen, die in den Kernbereichen des Lebensmittelunternehmens beschäftigt sind. Parallel widme man sich der Schaffung eigener Strukturen, um vor allem die Personalgewinnung ohne externe Unterstützung durchführen zu können. 

Ohne Dienstleister geht es offenbar nicht

So befänden sich Rekrutierungsbüros des Schlachtbetriebs in Serbien, Polen und Rumänien im Aufbau beziehungsweise seien bereits in Betrieb genommen worden. Tönnies weist zudem darauf hin, dass das Unternehmen in Belgrad in Zusammenarbeit mit einem deutschen Bildungsträger ein Schulungsprogramm zur Ausbildung von technischem Nachwuchs für die Branche initiiert habe. Dennoch: An der Beteiligung derer, die bis zum Ende der Werkverträge als Dienstleister mit an Bord fahren, führt offenbar auch heute noch kein Weg vorbei. „Die internationale Gewinnung von Personal bedarf in der Übergangsphase noch ihrer Unterstützung. Neben der Anwerbung von Mitarbeitern in den Herkunftsländern sind die Serviceunternehmen besonders in der Sprachvermittlung und zusammen mit dem Tönnies-Integrationsteam bei der Eingliederung tätig“, teilt die Firma mit. 

Insgesamt zufrieden

Insgesamt sei man mit dem Fortschritt der Transformation zufrieden. Martin Bocklage: „Es gibt aber keinen Grund, bei diesen Bemühungen nachzulassen. Der eingeschlagene Weg der Veränderung soll konsequent weiter vorangetrieben werden.“

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