Umfrage offenbart 1000 Gefahrenpunkte



Teilnehmer einer Umfrage bewerten Rheda-Wiedenbrücks Verkehrsinfrastruktur mies, listen 1000 Gefahrenpunkte auf. Vor allem Radfahrer fühlen sich unsicher. 

Rheda-Wiedenbrück (lani) - Die Lokale Agenda 21 hatte von den Bürgern wissen wollen, wo der Schuh zwickt in Sachen Verkehrsnetz in der Kommune. Alle waren angesprochen. Entsprechend zeigte sich, dass insbesondere Handlungsbedarf besteht, wenn es um Fortbewegungsmittel wie das Fahrrad geht.

Die Lokale Agenda 21 (LAG 21) hat den Auftrag erkannt – und den gibt sie gern an die Entscheider in Rat und Verwaltung weiter: „Wir müssen eine bessere Balance schaffen zwischen Mobilität und Lebensqualität“, zieht Wolfgang Tietz, Sprecher der Agenda, ein ernüchterndes Fazit. Wie das passieren kann? Da hat Wolfgang Tietz kein Patentrezept, aber zumindest einen Lösungsansatz: „Wir wünschen uns eine faktenbasierte Diskussion und eine Öffnung dahingehend, neue Möglichkeiten und Wege zu denken“, unterstrich der Sprecher der Agenda unlängst bei der Vorstellung der Umfrageergebnisse. 

1000 Gefahrenpunkte

Etwa 500 Rheda-Wiedenbrücker hatten zwischen März und Mai an der Verkehrsumfrage der LAG 21 teilgenommen. Sie machten auf mehr als 1000 Gefahrenpunkte in der Stadt für Verkehrsteilnehmer jeglicher Art aufmerksam. Rund 500 generelle Hinweise gingen ebenfalls ein, die sinngemäß alle aussagten: Es hakt und rumpelt an vielen Stellen. 

Von den Ergebnissen, die Tietz und sein Mitstreiter Erhard Stork am Dienstag einer äußerst überschaubaren Abordnung des eingeladenen Rats präsentierten, waren die Initiatoren selbst überrascht. Zeigte sich doch, dass das Empfinden, ob man sich in Rheda-Wiedenbrück als Fußgänger oder Radfahrer sicher im Straßenverkehr bewegen kann, stark damit zusammenhängt, welche Wege vorwiegend innerhalb der Kommune genutzt werden. Gibt es viele Stellen im Stadtgebiet, wo es gut läuft, hat die Lokale Agenda aufgrund der Einwendungen der Bürger etliche Hotspots ausmachen können, wenn es um potenzielle Gefahrenstellen geht. 

Relativ unsicher

Über eines können die differenzierten Aussagen jedoch nicht hinwegtäuschen: Vor allem Radfahrer fühlen sich nicht sicher auf den Straßen der Stadt. Etwa zwei Drittel der Befragten beurteilten die Situation unterwegs zwischen Autos und Fußgängern als sehr beziehungsweise relativ unsicher, was sie auf zu schmale Schutzstreifen am Straßenrand oder schlechte Wegeführungen zurückführten. Bei den Autofahrern zeigt sich ein anderes Bild. Das Gros der motorisierten Verkehrsteilnehmer fühlt sich sicher hinterm Steuer.

Genauer hinschauen

„Äußerst interessante Hinweise“ habe die Lokale Agenda 21 im Zuge der Verkehrsumfrage von den Teilnehmern erhalten, die sich ganz konkret auf Missstände beziehen. „Dort sollte die Stadt noch einmal genauer hinschauen“, sagt Wolfgang Tietz. Mehrere Gefahrenschwerpunkte oder zumindest als solche empfundene Orte hätten Bürger ausgemacht, die teils bereits in der öffentlichen Diskussion thematisiert wurden, teils aber auch bislang eher unter dem Radar ihr Dasein weilten. Tietz und Stork stellten diese anhand von einigen Beispielen vor. 

Radweg Bahntrasse: Als problematisch wird der Querung an der Stadthalle über die Hauptstraße erachtet. 

Neuenkirchener Straße Rheda: Auch hier wird die Überquerung als unsicher empfunden. Tempo 30 wird gewünscht. 

Gütersloher Straße Rheda: Ein Zebrastreifen in Verbindung mit der Radweg-Trasse wäre laut Lokaler Agenda vorteilhaft. 

Kreisel am Bahnhof Rheda: Die Verkehrsführung für Radler ist nicht ausreichend geregelt beziehungsweise gut gelöst. 

Kreisel am Rondell Rheda: Der Radweg endet im Nirgendwo. 

Kreuzung Nord- und Ostring Wiedenbrück: Die Fahrbahnmarkierung ist verwirrend. 

Ostring: Die Radschutzstreifen sind zu schmal und von Hindernissen gesäumt (Gullis). 

Wieksweg Wiedenbrück: Es fehlt ein Radweg in Richtung St. Vit beziehungsweise Rheda. 

Stromberger Straße in St. Vit: Für Radfahrer ist die Streckenführung gefährlich, es fehlt innerorts ein richtiger Radweg, außerorts eine sichere Querungshilfe. 

Rietberger Straße/Vinzenz-Kita Wiedenbrück: Der vorhandene Zebrastreifen wird oft übersehen. Es besteht vielfacher Wunsch nach einer Ampelanlage.

Schlechte Ausführung

Darüber hinaus gingen bei der Lokalen Agenda 21 (LAG) generelle Hinweise zur Verkehrssituation ein. So sei die Qualität der Rad- und Fußwege oftmals schlecht. Erhard Stork erläuterte, dass zumeist Stoßkanten das Problem seien, etwa wenn Absenkungen von Bürgersteigen von Baufirmen nicht gut umgesetzt worden seien.

Mehr kontrollieren

Rad- und Autofahrer wünschen sich mehr Kontrollen in der Stadt. Ein Phänomen, das Wolfgang Tietz nachvollziehen kann, wie er sagt. Auch er habe den Eindruck, dass speziell an weniger kritischen Stellen, etwa auf Spielstraßen, Verkehrsverstöße so gut wie nie geahndet würden. 

Standards definieren

Die Initiatoren der Verkehrsumfrage ziehen ihre eigenen Schlüsse aus den Ergebnissen. Zum einen müsse eine bessere Qualitätssicherung bei der Stadt verortet werden, um Standards bei der Infrastruktur zu erhalten beziehungsweise überhaupt erst zu erreichen. Dafür könnten auf baulicher Seite Abnahmekriterien helfen, die definiert und kontrolliert werden müssen. 

Emotionen kochen

Dass die „Emotionen hochkochen“, wenn Rad- auf Autofahrer treffen, könnte verhindert werden, wenn man die Netze separieren würde. Die LAG 21 regt an, in dieser Hinsicht „neu zu denken“, wie Wolfgang Tietz es nennt. Soll heißen: die Nutzung des öffentlichen Raums anders als in der Vergangenheit zu beleuchten. Es müsse an die Belange aller Verkehrsmittel, Altersgruppen und Interessensgruppen gedacht werden. Dabei müsse auch die künftige technische Entwicklung hinsichtlich autonomen Fahrens und Kurzwege-E-Mobilität Einzug in Gedankenspiele finden. 

Die LAG 21 möchte die Ergebnisse der Umfrage fortan als Grundlage der zu führenden Diskussion nehmen und entsprechend auch Bürgeranträge zu einzelnen Themen formulieren. Die Rohdaten möchte man zudem dem Rat zur Verfügung stellen, damit sich die Politiker ein eigenes Bild von der Lage machen können.

Texte und Fotos von die-glocke.de sind urheberrechtlich geschützt. Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.