Wiedenbrücker Kantor Wüstefeld nimmt Abschied


Mit einem ergreifenden Hochamt ist Jürgen Wüstefeld, Kantor der katholischen Gemeinde  St. Aegidius Wiedenbrück in den Ruhestand verabschiedet worden.

Seine kirchenmusikalische Leidenschaft und sein musikalisches Können stellte Kantor Jürgen Wüstefeld mit seinen Aegidus-Chören und Streicherensemble sowie dem Warendorfer Bläserensemble „Wafbrass“ in einem zweieinhalbstündigen Fest- und Dankhochamt in der St.-Aegidius-Kirche in Wiedenbrück eindrucksvoll unter Beweis. Foto: Wieneke

Rheda-Wiedenbrück (ew) -  6000 Messfeiern als geschätztes Minimum hat Kantor und Organist Jürgen Wüstefeld in St. Aegidius Wiedenbrück zum Lobe Gottes sowie zur Erbauung und Freude der Menschen in seinen 42 Dienstjahren mit Herzblut musikalisch gestaltet. Seine wohl persönlich intensivste Eucharistiefeier durfte er als ein Leuchtturm der Kirchenmusik am Sonntagnachmittag im Kreis seiner Familie, seiner Chöre, seiner Freunde und treuen Wegbegleiter feiern. Das sagte Pfarrdechant Reinhard Edeler zu Beginn des ergreifenden zweieinhalbstündigen Fest- und Dankhochamts anlässlich Wüstefelds Verabschiedung in den Ruhestand. Dazu hieß Edeler in der St.-Aegidius-Pfarrkirche die Familie von Jürgen Wüstefeld mit dessen 99-jährigen Mutter an der Spitze sowie Ehrengäste aus Stadt, Region und Land sowie der Corona-Pandemie geschuldet „nur“ 75 treue Freunde und Wegbegleiter willkommen. Allerdings konnten die Pfarrgemeindemitglieder und Bürger die festliche Liturgie in Konzelebration von Pfarrdechant Edeler und seinem Vorgänger im Amt, Domkapitular Meinolf Mika, im Streamingdienst miterleben. Doch Jürgen Wüstefeld war es, der mit „seinen“ Chören das Festhochamt zum persönlichen Abschied durch seine kirchenmusikalische Leidenschaft und sein Können begleitete und prägte: Die Mädchenkantorei, der Knaben-, Jugend- und Kirchenchor, der Chor Cantemus, das Vokalensemble Wiedenbrück sowie das Aegidius- Streicher-Ensemble, das Bläserensemble „Wafbrass“ Warendorf und Engelbert Schön an der Orgel bereicherten die Liturgie unter der Gesamtleitung Wüstefelds brillant. 

Ergreifendes Hochamt mit Aegidius-Chören

Werke alter Meister und zeitgenössischer Komponisten von Johann Sebastian Bach bis John Ruter sowie seines 2019 verstorbenen persönlichen britischen Freundes Colin Mawby, Christian Matthias Heiß und Peter Tiefenbach bescherten Gänsehaut-Momente. Pfarrdechant Edeler stellte das 42-jährige musikalische Wirken des Kantors in die Mitte seiner Festpredigt. Auf seine Frage „Kirchenmusik in Aegidius ohne Wüstefeld?“ nannte er auch sofort spontane Antworten einiger Menschen: „Das geht doch nicht“ und „Wie soll das denn ohne Wüstefeld gehen“, aber auch den Einwand „Jeder ist ersetzbar.“ Letzterem widersprach Edeler energisch und betonte: „Kein Mensch ist ersetzbar, jeder trägt seine individuelle, emotionale Handschrift.“ Diese Einsicht bedeute zugleich, dass jede Dankbarkeit mit dem Gefühl des Verlustes eines Menschen und jede Liebe stets mit der Angst vor dem Verlieren verbunden seien. Umso mehr habe er sich über Wüstefelds Aussage bei seiner Verabschiedung von den hauptamtlichen Mitarbeitern gefreut: „Ich war hier in St. Aegidius glücklich.“

Es gebe bei aller Freude und Begeisterung an der Arbeit auch Stunden und Phasen der Traurigkeit, sagte Pfarrdechant Edeler. „Wenn Emotionalität sich nicht in Worte fassen lässt, dann hilft die Musik, und wo die Rationalität für Sprachlosigkeit sorgt, da zeigt die Kirchenmusik den Weg auf“, betonte er. In diesem Sinn dankte er Kantor Jürgen Wüstefeld unter lang anhaltendem, tosenden Beifall der Gläubigen und Sänger: „Du hast uns in 42 Jahren gelehrt und geholfen, unsere inneren Widersprüche zu lösen.“ Wüstefelds großes kirchenmusikalisches Erbe solle Verpflichtung für alle Menschen in Stadt und Land sowie seinen Nachfolger im Amt ab dem 1. Oktober dieses Jahres, Kantor Christian Ortkras, sein.

André Kuper lobt Schaffenskraft und Engagement

Seine Wertschätzung zollte NRW-Landtagspräsident André Kuper trotz eines übervollen Terminkalenders dem scheidenden Kantor Jürgen Wüstefeld durch seine persönliche Teilnahme am Festgottesdienst. „Ihre Arbeit und Schaffenskraft, Ihr Einsatz und Ihre einmaligen Projekte sind preiswürdig“, lobte der Rietberger. Wüstefeld habe in 42 Jahren die Herzen der Menschen berührt und die Liebe zur Musik geweckt. Begeisternd und außergewöhnlich seien Wüstefelds engagierter Einsatz für die Kinder- und Jugendchöre in St. Aegidius Wiedenbrück sowie seine internationalen Chorreisen mit den jungen Menschen. „Sie beenden heute ihren aktiven Dienst, aber ihre Spuren bleiben sichtbar“, lobte André Kuper und dankte mit einem Präsent des Landes Nordrhein-Westfalen.

Bürgermeister Mettenborg würdigt Verdienste um die Jugend

Der Eintritt in den wohlverdienten Ruhestand Wüstefelds als dienstältester hauptamtlicher Mitarbeiter bedeute für die Pfarrgemeinde einen großen Einschnitt, sagte Jürgen Algermissen als Vertreter des Kirchenvorstands. Nicht die Anzahl der Dienstjahre seien das Entscheidende, sondern die musikalische Vielfalt bei der Gestaltung der Gottesdienste und die Einsatzfreude Wüstefelds weit über seine Pflichten hinaus. Große Verdienste habe er sich beim Auf- und Ausbau einer großen Gemeinschaft verschiedener Chöre erworben. Immer neue Facetten im Bereich der Kirchenmusik seien Zeichen seiner beispielhaften Arbeit. Bürgermeister Theo Mettenborg sagte, Wüstefeld habe den Menschen durch seinen Einsatz einen unbezahlbaren musikalischen Schatz geschenkt und die Kirchenmusik in Rheda-Wiedenbrück geprägt. Der erste Bürger in der Doppelstadt an der Ems kennzeichnete ihn als „engagierter Förderer der Musik, als wichtigen Begleiter junger Menschen sowie als grandiosen Musiker und großartige Persönlichkeit“.

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