Bokeler Dorfhaus steht bei Besuchern hoch im Kurs


Verkaufen? Das kommt für den Verein, der das Dorfhaus Bokel mit großem Engagement betreibt, nicht in Frage.

Vorsitzender Wilfried Dörhoff (r.) zeigte Dorfhausbesucher Erwin Volmert einen erhalten gebliebenen Einbauschrank aus dem früheren Lehrerzimmer, in dem einst die Schulzeugnisse der Bokeler Eleven aufbewahrt wurden. Foto: Daub

Rietberg-Bokel (gdd) - Die neue Gemeinschaftsküche ist der ganze Stolz des Vereins Dorfhaus Bokel. Installiert wurde sie im Lehrerzimmer der ehemaligen Grundschule. „Jeder kann dort feiern und selber kochen oder backen“, sagt Vorsitzender Wilfried Dörhoff. Der Aufenthalt etwa für eine Geburtstagsfete setzt derweil eine Anmeldung voraus.

Stadt kauft Immobilie vor drei Jahren von der Kirche

Vor drei Jahren hat die Stadt das Haus von der Kirche gekauft, die darin ihr Pfarrheim untergebracht hatte. Der Dorfhaus-Verein wurde am 5. September 2018 aus der Taufe gehoben, damals mit 33 Personen. Seit 2019 steht die Immobilie den Bokeler Bürgern zur Verfügung.

20 Vereine und Gruppierungen – von Senioren über Schützen und Messdienern bis hin zum Frauenchor und der Tanzgruppe „Bienchen“ – steuerten das Dorfhaus mittlerweile an, betonte Dörhoff in der jüngsten Mitgliederversammlung. Doch auch auswärtige Besucher fänden sich immer wieder dort ein, etwa eine Fahrradgruppe aus Spexard, die es sich in diesem Sommer mit Keksen und Kuchen eingedeckt darin gemütlich gemacht hätte. „Da wurde frischer Kaffee in unserer Küche zubereitet, Bänke wurden nach draußen gestellt – die Stimmung war bestens“, erinnerte sich Dörhöff an die Stippvisite.

Alte Volksschulküche komplett ausgetauscht

Die alte Küche der einstigen Volksschule, die bis 1972 in Betrieb gewesen ist, hatte bereits ein halbes Jahrhundert auf dem Buckel und wurde inzwischen komplett ausgewechselt. Schränke wurden abgebaut und entsorgt, antiquierte und defekte Küchenutensilien ausgetauscht. Die antike Eichenschrankwand mit ihren Glastüren, hinter denen die Lehrer ihre Fachunterlagen verstauten und vor allem auch die Zeugnisse für ihre Eleven sorgsam hüteten, ist indes ganz erhalten geblieben. Nun befinden sich darin Gebrauchsgegenstände für den Alltag in dem Küchenkomplex, der im Eiche-Sierra-Stil einladend und schmuck zur Verfügung steht.

Bodenbeläge werden im Dorfhaus noch erneuert, Elektro- und Malerarbeiten sind bereits abgeschlossen. Zahlreiche Bürger beteiligten sich weiterhin mit fachlichen Eigenleistungen ehrenamtlich an den umfangreichen Renovierungsmaßnahmen. In den nächsten drei Jahren sollen auch die Heizungsanlage und der sanitäre Hausbereich saniert werden. „Der Einsatz unserer Mitbürger hilft uns, die Kosten zu verringern“, stellte Wilfried Dörhoff fest.

Die Küche kostete, wie Schatzmeisterin Gertrud Biermann in den Jahresberichten 2019 und 2020 darlegte, 14.000 Euro. Aus dem Regionalbudget der Lokalen Agenda GT8 kamen dem Verein 10.000 Euro zugute.

Pandemie bremst Verein vorübergehend aus

Als die Pandemie ab März 2020 auch dem Bokeler Dorfhaus-Verein in die Quere kam, konnten zahlreiche geplante Aktivitäten nicht stattfinden. Da half es auch nicht, dass der Kreis Gütersloh über die Förderung von Kleinprojekten und die als Vermieterin bereitstehende Stadt Rietberg über einen Geldtopf für Dorfverschönerungen mit Finanzmitteln winkten. Zudem gibt es seitens der Kommune die Auflage, dass der Dorfhaus-Verein – so wie seine Pendants in anderen Ortsteilen auch – die Hälfte der Energie- und Betriebskosten selbst bezahlen muss. Diese ist allerdings virusbedingt für die Jahre 2020 und 2021 ausgesetzt worden.

Vorsitzender Wilfried Dörhoff sieht derweil ein Ende der coronabedingten Anlaufschwierigkeiten des Vereins in Sicht. So habe sich das Basarteam zum Ziel gesetzt, im November eine Kinderspielzeugbörse zu organisieren. Fest im Blick habe man zudem ein Weinfest, das im September kommenden Jahres mit einem Rahmenprogramm Bürger auch von außerhalb nach Bokel locken soll. „Wenn viele mitmachen, bin ich sicher, dass diese Fete klappt“, äußerte sich Dörhoff optimistisch.

Dörhoff: „Tolle Aufwertung für unseren Stadtteil“

Einen neuerdings im Dorfhaus-Außenbereich aufgestellten Bücher-Tauschschrank nannte er eine „tolle Aufwertung für unseren Stadtteil“. An einer Außenwand nahe des Haupteingangs der Immobilie befindet sich eine Wasserentnahmestelle. „Wir wollen dieses Brünnlein wieder aktivieren. Es soll als Highlight aufleben“, hieß es im Vorstand unisono. Der erklärte Wunsch der Vereinsführung, so wurde betont, sei der langfristige Erhalt des Dorfhauses – und keinesfalls, dass es auf dem freien Wohnungsmarkt abgestoßen wird. „Das ist im Sinne aller Bokeler“, versicherte Vorsitzender Wilfried Dörhoff den Anwesenden.

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