Dschungelbuch in Rietberg zum Edelstein geschliffen


Die Jugend-Musical-Bühne Rietberg hat mit ihrer Inszenierung das „Dschungelbuch“ zu einem Edelstein geschliffen.

Tatiana Kononiuk aus Kiew, eine ausgebildete Mezzosopranistin, die es vor kurzem nach Rietberg verschlagen hat, trug zwei melancholische Volkslieder, die von der Liebe und den Sternen handeln, aus ihrer ukrainischen Heimat vor. Foto: Daub

Rietberg (gdd) - Mogli, das Findelkind, sieht in roten Shorts und fetzigem Shirt wie eine Urlauberin auf Mallorca aus. Doch als Kaa, die Schlange, auftaucht, wissen alle 450 jungen und älteren Cultura-Besucher: Jetzt wird’s ernst im „Dschungelbuch“. 

Fantastisches Bühnenbild

Die fantastische Story präsentierte die Jugend-Musical-Bühne Rietberg am Samstag in einer Premierenvorstellung in der Cultura – inklusive einer Sondereinlage: Die Mezzosopranistin Tatiana Kononiuk aus Kiew glänzte mit zwei Solis. Kampf und Tanz, Geierfeier und Affenzirkus, Elefantenparade und und ein nicht allzu böser Tiger Shir Khan (Anna Rautenberg) bestimmen das turbulente Treiben zwischen Wasserfällen, Orchideen, Palmen und Affenstadt. Es ist ein Bühnenbild, an dem man sich nicht sattsehen kann. Geschaffen hat es Dr. Verena Pöppelbaum.

Schöne Augen

 „Du hast so schöne gelbe Augen“, schmeichelt Kaa, die Riesenschlange (Lisa Hamm), doch Shir Khan knurrt: „Lass das, sag mir, wo du das Menschenfleisch hast.“ Kaa verrät nichts, doch schon rückt ihr auch der Bär Balu (Johannes Hamm) auf die Schuppenhaut. „Sag mir sofort, wo Mogli ist, sonst mach ich dir einen Knoten in den Hals, dass du nur noch Ameisen schlucken kannst.“ Die arme Python seufzt tief („Mein Leben ist eine Katastrophe“) und windet sich von dannen. 

Wunderbar inszeniert

Den abenteuerlustigen Mogli hat das Energiebündel Emilie Grabke wunderbar in Szene gesetzt. Die Inszenierung der Story vom Findelkind, das mit Wolfskindern aufwächst und sich an brummende, krächzende und fauchende Wildnisbewohner wie Panther Baghira (Franka Oberdieck brillierte in Mimik und Gestik) gewöhnt hat, fesselt ungemein. Doch nicht nur wegen der durchweg bravourösen Leistungen der Einzeldarsteller. Hier gibt der Gesamteindruck von einer talentierten Spielergemeinschaft den Ausschlag. Abgerundet wird die perfekt wirkende Choreographie (Kirsteen Mair) durch stilprägende Mittel wie Kulisse und Kostümierung (Eva Gnädig und Katharina Mertens) sowie eine rundherum stimmige Aufmachung (Maske: Mareike Husten) der vielen Darsteller, die zum bewundernden Hingucken auffordern. 

Faszinierende Story

In jeder Minute des fast dreistündigen Spektakels werden die Sinne aktiviert und wird die Fantasie ankurbelt – obgleich die faszinierende Erzählung „Das Dschungelbuch“ schon als Kinderbuch-Weltbestseller weithin bekannt ist. Jugend-Musical-Bühnenchef Paul-Leo Leenen hat indessen die Aufführung zu einem Edelstein geschliffen, der den Nimbus des unantastbar Außergewöhnlichen ausstrahlt.

Ukraine hautnah

Darüber hinaus bestimmen Chöre und Tänze fulminant mit, und eine Sondereinlage im zweiten Teil des Musicals überrascht das Publikum: Tetiana Kononiuk aus Kiew, eine ausgebildete Mezzosopranistin, die es vor kurzem nach Rietberg verschlagen hat, trägt zwei melancholische Volkslieder, die von der Liebe und den Sternen handeln, aus ihrer ukrainischen Heimat vor. Das Publikum ist ebenso gerührt wie die Interpretin, es spendet einen Riesenapplaus. Leenen hatte die 31-jährige Sängerin, die mit ihrem Kleinkind in der Kernstadt lebt, spontan für den Premieren-Auftritt gewinnen können. Noch sieben „Das Dschungelbuch“ Vorstellungen, inbegriffen Aufführungen für Grundschüler, gehen über die Cultura-Bühne. Eine Riesenleistung, die auch den Förderern und Sponsoren der Jugend-Musical-Bühne imponieren dürfte.

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