Erneut Wechsel an Spitze von Heimatverein Rietberg


Vier Jahre lang hat Frank Henrichfreise den Heimatverein der Stadt Rietberg geführt. Nun fand erneut ein Wechsel an der Spitze statt.

Voller Tatendrang stellte sich der neue Vorstand des Heimatvereins der Stadt Rietberg vor: (v. l.) Dr. Reinhard Hochstetter, Helga Honold, Burkhard Pappert, Eira Speit, der neue Vorsitzende Günter Höppner, Heinz Speit, der bisherige Amtsinhaber Frank Henrichfreise, Franz-Josef Laukemper, Dr. Michael Orlob, Bertwald Adrian und Antonius Südhaus. Foto: Daub

Rietberg (gdd) - Alles neu macht der Mai: Vier Jahre lang hat Frank Henrichfreise (58) als Nachfolger von Dr. Michael Orlob (79) den Heimatverein der Stadt Rietberg geführt. Nun fand ein Wechsel an der Spitze statt. Die Generalversammlung wählte Günter Höppner zum neuen Vorsitzenden. Er feierte am Freitag seinen 66. Geburtstag. 

Oelde nur ein Zwischenstopp

In der Gaststätte Bökamp erklärte der bisherige Amtsinhaber Henrichfreise, er verabschiede sich von seiner Heimatstadt. In Oelde habe er eine Immobilie erworben – „was in Rietberg nicht einfach gewesen wäre“. Doch die Nachbarstadt sei für ihn nur ein „Zwischenstopp“; er habe sich entschlossen, mit seiner Frau, die aus Moldawien stammt, für einige Jahre in ihre Heimat zu ziehen. Nach einem geeigneten Kandidaten für das Amt des Vorsitzenden habe er erfreulicherweise nicht lange suchen müssen, betonte Henrichfreise. Günter Höppner, der bisher den Posten eines Schriftführers bekleidete, habe ihm kurzfristig seine feste Zusage gegeben. 

Kein Alleinspieler

In der Versammlung, die ihn nun einstimmig gewählt hat, forderte der neue Vereinsführer zur Zusammenarbeit auf. Denn, so der langjährige Tischtennisaktive: „Ich werde und will kein Alleinspieler sein!“ Dies sei für ihn sehr wichtig, weil „Heimat für mich etwas ist, wo man das Alte und das Neue zusammenfügt“. Er wolle deshalb gemeinsam mit dem Vorstand ein ansprechendes Programm erarbeiten. 

Wahl in Abwesenheit

An seiner Seite steht ebenfalls ein Neuling: Wolfgang Stroop, ortsverbundener Rietberger mit dem Steckenpferd Ahnenforschung, hatte sich schriftlich zur Kandidatur bereiterklärt. Da er aus beruflichen Gründen an der Generalversammlung nicht teilnehmen konnte, wurde er in Abwesenheit gewählt, ebenfalls einstimmig, ebenso Franz-Josef Laukemper, der den Schriftführerposten übernahm und sich als begeisterter Wanderfreund und Teilnehmer an Radtouren vorstellte. Wiedergewählt wurde die bewährte Kassiererin Helga Honold. 

Sieben Beiräte

Sieben Beiräte haben sich im Vorstand positioniert. Es sind Josef Junkerkalefeld, Dr. Michael Orlob, Burkhard Pappert, Heinz und Eira Speit, Antonius Südhaus und Dr. Reinhard Hochstetter, der sich als Rentner mit der Übersetzung aller Schriften beschäftigt und sich sichtlich über seine Mitarbeit im Heimatverein freute: „Jetzt habe ich dafür Zeit, und dies kann sehr sinnvoll werden.“ Zu Kassenprüfern gewählt wurden Bertwald Adrian und Ulrich Kramer. 

„Der Heimatverein ist mein Kind“

Erleichtert zeigte sich der langjährige frühere Vereinsvorsitzende Orlob über das Zustandekommen einer neuen Mannschaft: „Der Heimatverein ist mein Kind“, sagte er. „Jetzt ist die Zeit schlafloser Nächte für mich vorbei.“ Die Schriftführerin Helga Honold dankte Henrichfreise und Orlob mit Präsenten edler Tropfen.

Chor als Untermieter

Im Heimathaus ist der Männergesangverein MGV Liedertafel Rietberg von 1848 jetzt als Untermieter präsent: In der früheren Wohn-Schlafstube des ehemaligen Bauernhauses sind Utensilien aus der Hochzeit des 2020 infolge von unaufhaltsamem Mitgliederschwund aufgegebenen MGV zu bewundern.

Ein Prachtexemplar

 Ein echtes Prachtexemplar ist die 1897 für die Liedertafel gefertigte Traditionsfahne. Stifter und Sponsor war seinerzeit der Landrat Woldemar Tenge-Rietberg, ein großer Gönner des Vereins. Ein Fahnenband wurde von den Damen des MGV 1921 dazu gestiftet. Die Vereinsfahne wurde 2007 auf Initiative des damaligen Vorsitzenden Hermann Henze mit Hilfe der Bürgerstiftung, der Sparkasse Rietberg und eines privaten Geldgebers aufwendig restauriert und konnte so als historisches Stück für die Nachwelt erhalten werden. 

Aufwändig restauriert

Auf der Fahne findet sich zum einen das alte Wappen der Stadt Rietberg mit dem Alter, auf der anderen Seite der Schwan aus dem Familienwappen der Familie Tenge-Rietberg. Der Vogel scheint über einer Lyra zu schweben. „Des Lebens Sonnenschein ist Singen und Fröhlichsein“, ist in goldenen Lettern auf der Fahne eingestickt. Dieses Motto gaben sich einst die Gründerväter des Chors. Nach fast 100 Jahren brüchig geworden war das Stoffmaterial der Fahne, sie konnte nicht mehr bei Auftritten zum Einsatz kommen. Mittels Spenden wurde eine Nachfolgerin angefertigt. 1992 segnete sie Pfarrer Michael Rademacher, danach wurde sie im Kolpinghaus gezeigt. 

Klavier gespendet

In der Heimathausstube war jahrzehntelang an die ostdeutsche Heimat von in Rietberg sesshaft gewordenen Vertriebenen erinnert worden. Jetzt hat die Liedertafel dort einen Platz gefunden, mit vielen Fotos und anderen Erinnerungen. In einer Glasvitrine ist auch die alte Multermühle des MGV ausgestellt, die erstmals in einem Protokoll von 1887 erwähnt wurde. Die Aufnahme von Sängern erfolgte bis zuletzt per Ballotage (Stichwahl) mit der Multermühle. Das Gerät wurde bereits in diversen Museen, zuletzt im Heimatmuseum Unna, als Beispiel für das Vereinsleben um die Jahrhundertwende als Leihgabe vorgestellt. 

Übrigens wurde im Rahmen der Liedertafel-Auflösung auch das Vereinsklavier im Auge behalten. Weil das Piano zu groß war für die kleine Heimatstube, verrichtet es weiter seinen Dienst in der Paul-Maar-Schule. Die Lehranstalt nutzt diese wertvolle Spende zur musikalischen Förderung ihrer Eleven.

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