Hilfs-Lkw aus Rietberg gibt im Kosovo den Geist auf



Die Ehrenamtlichen aus Rietberg brauchten während ihres jüngsten Hilfstransport plötzlich selbst Hilfe.

Benötigen Unterstützung: Diese alleinerziehende Mutter, die mit einigen ihrer Kinder und ihrem jüngsten Spross im Arm im Türrahmen steht, lebte noch bis vor Kurzem in Chemnitz. Die sechsköpfige Familie ist abgeschoben worden. Sie muss nun in der alten Heimat wieder Fuß fassen. „Familie in Not“ will dabei helfen.

Rietberg (gl) - „Familien in Not“ hat mit immer neuen Herausforderungen zu kämpfen. Nachdem Vorsitzender Georg Winkler in den vergangenen Monaten – zusätzlich zu den Hilfstransporten in den Kosovo und ins Hochwassergebiet – noch mehrere Touren in die Ukraine gestemmt hatte (diese Zeitung berichtete), hat nun der Motor des einzigen vereinseigenen Lkw den Geist aufgegeben. Und das ausgerechnet kurz vor der jährlichen Weihnachtshilfsfahrt.

Unglück geschieht in Montenegro

Das Unglück geschah in der Republik Montenegro. Da war Winkler einmal mehr gen Kosovo unterwegs, um knapp 26 Tonnen Möbel, Baumaterial und Kleidung zu den Ärmsten der Armen zu bringen. „Gott sei Dank hat uns eine Firma aus dem Zielgebiet geholfen und den Auflieger kurzerhand auf ihre Zugmaschine umgesattelt“, berichtet er im Gespräch mit dieser Zeitung. So hätten letztlich doch noch sämtliche Güter – ebenso wie er selbst – den Weg zu ihren Bestimmungsorten Ferizaj und Fushë Kosova gefunden.

Das Problem für den Rietberger Verein bleibt indessen bestehen: Erst Anfang des Jahres hatten die engagierten Akteure den Lkw für den symbolischen Wert von einem Euro von der Lüning-Gruppe erworben. Jetzt steht eben dieser defekt in Montenegro und muss erst repariert werden, bevor er wieder bewegt werden kann. Ein Unterfangen, das teuer wird.

„Uns liegt ein Kostenvoranschlag in Höhe von etwa 8000 Euro vor. Ein zweites seriöses Angebot einzuholen, gestaltet sich ohne Kontakte und ohne selbst vor Ort zu sein sehr schwierig“, verdeutlicht Georg Winkler die Situation für den gemeinnützigen Verein, der für seine Aktionen zwingend auf Spenden angewiesen ist. 

Hoffnung ruht jetzt auf Unterstützern aus der Heimat

Nun ruhen damit einmal mehr die Hoffnungen auf all den Unterstützern in Rietberg und der näheren Umgebung, die dem Verein bereits seit vielen Jahren den unermüdlichen Einsatz mit Fokus auf die Republik Kosovo ermöglichen. Zumindest für den an Weihnachten geplanten Transport haben Winkler und sein Team kurzfristig ein Ersatzfahrzeug finden können. Die Sammelaktion an den 30 Schulen und Kitas in der Region ist angelaufen. Gesucht werden noch fleißige Hände, die dabei helfen, die guten Gaben aufzuladen, die dann am 26. Dezember auf Reisen gehen werden.

Wer „Familien in Not“ finanziell unter die Arme greifen möchte, kann dafür das Spendenkonto bei der Sparkasse nutzen. Aber Achtung: „Die IBAN hat sich geändert, auf unserer Internetseite ist leider noch die alte vermerkt“, sagt Winkler und spricht damit eine weitere Baustelle an, nämlich den Onlineauftritt der Gruppe. Auch hier wäre man über ehrenamtlich zur Verfügung gestellte Expertise dankbar. Ansprechpartner für sämtliche Hilfestellungen ist Georg Winkler, 0171/5144955.

Die Hilfsgüter von „Familien in Not“ haben diesmal Menschen in Ferizaj und Fushë Kosova erreicht. Ferizaj liegt südlich von Pristina und ist mit gut 42 000 Einwohnern die sechstgrößte Stadt des Landes. Fushë Kosova wiederum grenzt unmittelbar an Pristina an. Das dortige Elendsviertel war schon mehrfach Ziel des Vereins.

„Wir haben Kindern und Lehrern einen Traum erfüllt“

In beiden Orten verteilten Georg Winkler und seine Helfer Kleidung. Eine Schule in Ferizaj verfügt nun über die Ausstattung des Physik- und Chemielabors der früheren Mastholter Hauptschule. „Damit haben wir den Kindern und Lehrern einen Traum erfüllt. Die Freude war riesig“, berichtet Winkler. An mehrere Familien überreichte das Rietberger Team überdies Möbel. Ebenfalls auf der Ladefläche des Aufliegers befand sich diesmal ein Dachstuhl samt Dachpfannen. Mit dem Material wird ein Hausbauprojekt für eine vierköpfige Familie in Fushë Kosova vorangetrieben, das 2021 gestartet ist.

Besonders im Gedächtnis bleiben wird dem Vereinsvorsitzenden diesmal wohl eine alleinerziehende Mutter, die mit ihren fünf Kindern – das jüngste ist noch ein Baby, das älteste zwölf Jahre alt – nach Jahren des geduldeten Aufenthalts in Chemnitz nun in die alte Heimat abgeschoben worden ist. Die Großfamilie lebt nun im Haus der Eltern, wo bereits mehrere Generationen beengt zusammenleben. „Hier werden und müssen wir helfen“, bekräftigt Winkler.

Texte und Fotos von die-glocke.de sind urheberrechtlich geschützt. Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.