Otto Hartmann erhält Schulterband zum Ehrenkreuz


Die Varenseller Grünröcke haben mit einem Mini-Schützenfest ihren 70. Geburtstag gefeiert. Dazu standen hohe Ehrungen an.

Stolze Schützen: Otto Hartmann erhielt von Burkhard Deppe (l.) sowie (hinten v. l.) Ralf Hesse und Markus Wallmeyer das Schulterband. Ferner wurde Helmut Küthe mit dem Hohen Bruderschaftsorden geehrt.

Rietberg-Varensell (ei) - Otto Hartmann ist nie um einen guten Spruch verlegen, und auch die große Überraschung bei der Mini-Ausgabe des Varenseller Schützenfests schaffte das nicht: Der Vorzeige-Schütze erhielt am Sonntag das Schulterband zum St.-Sebastianus-Ehrenkreuz. Der ehemalige Schriftführer, der dieses Amt 21 Jahre im besten Sinn ausfüllte, erhielt die höchste und damit selten verliehene Auszeichnung am Sonntagmorgen nach der Messe vom stellvertretenden Bezirksbundesmeister Burkhard Deppe und Bezirksoberst Markus Wallmeyer überreicht. Nachdem ihm seine Schützenbrüder die Schärpe ebenso mühevoll wie zeitintensiv umgelegt hatten, machte sich der gut Ausgeruhte schon mal Gedanken über seine künftigen Schlafmöglichkeiten mit dem Modestück. „Aber Schützenfest ist ja nur einmal im Jahr“, sagte er. 

Würdigung umfangreicher Arbeit

Zuvor hatte Burkhard Deppe die Verdienste aufgelistet, mit denen sich Hartmann die Auszeichnung hart erarbeitet hatte. Vor allem aber das Wesen des ehemaligen Schriftführers, der jedem wertschätzend und anerkennend gegenübertrete, habe letztlich zu der Ehrung geführt. Der so Ausgezeichnete bedankte sich sichtlich gerührt für die Würdigung seiner Arbeit und vor allem auch bei seiner Ehefrau Marianne. „Ich habe die Ämter angenommen – und die Arbeit dann gut delegiert“, berichtete er und dankte so seinen zahlreichen Helfern. Passend zur Ehrung intonierte der Spielmannszug Neuenkirchen der Freiwilligen Feuerwehr dann „Hoch soll er leben“. 

Begonnen hatte das Schützenfest in einer Minivariante am Samstag mit dem Antreten der Schützen auf dem Kirchplatz und der Kranzniederlegung mit der Gefallenenehrung durch Diözesanbundesmeister Mario Kleinemeier. Kleinemeier erinnerte an 76 Jahre Frieden in der Mitte Europas und die neue Verfassung. „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalten“, zitierte er. Angesichts des Leids und der unzähligen Todesopfer forderte der oberste Schützenchef auf Diözesanebene: „Nie wieder soll Krieg von diesem Boden in Europa ausgehen.“ Und er ergänzte: „Nationalismus ist und bleibt der Nährboden für Konflikte.“ In diesem Zusammenhang erinnerte Kleinemeier unter anderem an den Messerangriff auf die damalige Kölner Oberbürgermeisterkandidatin oder den Mord an dem Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke.

„Hört auf die Menschen, die sich Sorgen machen“

Auffallend politisch trat Diözesanbundesmeister Mario Kleinemeier am Samstag anlässlich der Kranzniederlegung mit der Gefallenenehrung auf. Im Beisein des heimischen CDU-Bundestagsabgeordneten Ralph Brinkhaus forderte der Westerwieher: „Es wird dringend Zeit, dass unsere Politiker wieder Antworten auf unsere drängenden Fragen finden. Politiker und andere Verantwortungstragende müssen sich bewusst werden, welche Aufgaben sie haben.“ Weiter führte Kleinemeier aus: „Hört auf die Menschen, die vielen engagierten Jugendlichen, die sich Sorgen um unser Land machen und unsere und ihre Zukunft.“ 

An die Älteren gerichtet, sagte Kleinemeier, man solle im Interesse der Zukunft mehr die Fragen der nachfolgenden Generationen ernst nehmen und versuchen, sie gemeinsam zu lösen und zu beantworten. Einige Grußworte sprach anschließend der Unionsfraktionsvorsitzende im Deutschen Bundestag und heimische CDU-Abgeordnete, Ralph Brinkhaus. Zum Abschluss der Gedenkveranstaltung im Schatten der Klosterkirche hörten die Anwesenden vom Musikverein Westerwiehe und dem Spielmannszug Neuenkirchen der Freiwilligen Feuerwehr den Großen Zapfenstreich. Anschließend folgte ein gemeinsamer Marsch über die Haupt- und Schulstraße zur Gaststätte Hesse, wo gefeiert wurde.

Zum Geburtstag ein eigenes Sommerbier

Als treueste Regenten werden der Hofstaat von Königspaar Daniel und Melanie Deppe sowie Jungschützenkönig Maximilian Peter mit seinem Throngefolge in die 70-Jährige Geschichte der Bruderschaft eingehen. Wer hätte 2019 beim Königsschuss gedacht, dass sie 2021 die Bruderschaft zum runden Geburtstag immer noch so würdevoll repräsentieren? Zur Freude von Oberst Uwe Brameyer, Brudermeister Manfred Habig und seinem Stellvertreter Ralf Hesse waren die Varenseller Schützen nahezu vollständig an den beiden Festtagen angetreten. Ihnen war die Freude anzumerken, mal wieder Gemeinschaft zu erleben und auch miteinander kräftig zu feiern. Dabei wurden die notwendigen Regeln eingehalten. 

Passend zum „70.“ der Bruderschaft des Klosterdorfs hatte Brauer Johannes Hesse eine Sonderabfüllung des Sommerwieß-Biers arrangiert. Dabei handelt es sich um ein Uralt-Rezept und eine Vorstufe des Kölsch-Biers. Einen Liter des naturtrüben Gestensafts erhielt jedes Mitglied über 16 Jahren als Dank für die Treue während der Pandemie. Besonders freuen konnte sich am Sonntagmorgen darüber hinaus Helmut Küthe, der seit fast 55 Jahren Mitglied der Benediktusschützen ist. Er erhielt den Hohen Bruderschaftsorden. Küthe sei stets zur Stelle, wenn helfende Hände im Klosterdorf benötigt werden, lobte Burkhard Deppe. Bereits seit 1979 sei er Fahnenoffizier, bekleide den Rang eines Oberleutnants und sei auch außerhalb offizieller Anlässe stets ein zuverlässiger Schützenbruder.

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