Stadt Rietberg muss viele ihrer Bäume fällen lassen


Trockenheit in den Jahren 2019 und 2020 hat den Bäumen hierzulande schwer zu schaffen gemacht. Das ohnehin waldarme Rietberg hat reagiert.

Fichten tauchen in der Statistik kaum noch auf, weil schon im vergangenen Jahr 95 Prozent von ihnen aus dem Stadtbild verschwunden waren.

Rietberg (gl) - Der Klimawandel stellt auch die städtischen Bäume vor große Herausforderungen. Viele kommen mit den veränderten Bedingungen nicht klar und mussten gefällt werden. 513 binnen eines Jahres. Das geht aus einer Bilanz hervor, die die Verwaltung kürzlich vorlegte.

Vor allem die anhaltende Trockenheit in den Sommern 2019 und 2020 hat viele Bäume geschädigt. Mehr als die Hälfte, nämlich 270 Exemplare, mussten im Stadtteil Rietberg gefällt werden: weil sie krank waren oder durch die Dürre ihre Standfestigkeit verloren haben. 

Fast keine Fichten mehr

Diese Bilanz bezieht sich auf den Zeitraum von Mitte 2020 bis Mitte 2021. Mit 177 nehmen die Birken den größten Teil der 513 entfernten Bäume im Stadtgebiet ein. Fichten tauchen in der Statistik kaum noch auf, weil schon im vergangenen Jahr 95 Prozent von ihnen aus dem Stadtbild verschwunden waren. 

„Wenn wir neue Bäume pflanzen, achten wir bereits darauf, dass diese möglichst klimaresistent sind“, sagt Heike Bennink von der städtischen Abteilung für öffentliches Grün. Außer Trockenheit und Hitze seien auch Schadstoffemissionen und Krankheiten ursächlich für so manche notwendige Fällung. 

Bilanz nicht ausgeglichen

Auch wenn im gleichen Zeitraum 345 neue Bäume auf städtischem Grund gepflanzt wurden, ist die Bilanz nicht ganz ausgeglichen. Denn nicht jeder Sauerstoffspender kann eins zu eins ersetzt werden. Nicht alle ehemaligen Standorte werden heute als geeignet eingestuft. „Insbesondere an schmalen Straßenrändern haben wir nicht immer wieder neue Bäume gesetzt, weil die Verhältnisse auf Dauer zu eng für die Wurzeln sind“, sagt Bennink. 

Bürgerwälder boomen

Eine besonders geeignete Fläche für weitere Baumpflanzungen haben Bennink und ihr Team bereits ausgemacht: Rund um die Johanneskapelle an der Delbrücker Straße könnten im Herbst weitere sogenannte „Bürgerbäume“ gesetzt werden. Das Interesse daran, für den Bürgerwald am Franziskusweg Gehölze zu sponsern, sei bei den Rietbergern 2020 so groß gewesen, dass noch einige Anwärter auf der Warteliste stünden, und Heike Bennink eine weitere große Beteiligung erwartet. Entlang der Wege der Parkanlage können rund 50 zusätzliche Exemplare in die Erde gebracht werden.

Wasser inklusive

Die Fachabteilung wird Baumsorten und Standorte aufeinander abstimmen, wobei die Bürger die Kosten für ihre jeweiligen Bäume übernehmen, heißt es aus dem Rathaus. Auf einheitlichen Plaketten am Fuße der Gehölze werde der Name der Spender vermerkt. 

Geplant ist, dass die Sponsoren auch selbst mitanfassen und die Bäume in einer gemeinsamen Aktion im Herbst pflanzen. Um die anschließende Pflege und das Wässern will sich eigenem Bekunden nach wiederum die Stadt kümmern. Deshalb sind Wässerungskosten in dem geplanten Verkaufspreis von 190 Euro bereits enthalten. Gleichwohl, so der Hinweis der Kommune, trägt die Stadt selbst einen Anteil, weil allein mit dieser Summe die Baumpflanzungen nicht ausfinanziert seien. Diesem Vorhaben hat der Umwelt-, Klima- und Grünflächenausschuss jetzt einstimmig zugestimmt.

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