Rietberger Bauhof wird 2,25 Millionen Euro teurer



Vier Millionen Euro waren ursprünglich veranschlagt worden. Nun rechnet die Stadt mit Kosten in Höhe von 6,25 Millionen Euro.

Vier Millionen Euro waren für die Umbauarbeiten und die Schaffung der Außenlagerkapazitäten veranschlagt worden. Tatsächlich werden es wohl 6,25 Millionen Euro oder noch mehr werden, die der neue Bauhof an der Bokeler Straße 100 verschlingt. Foto: Schulte-Nölle

Rietberg (gl) - Vieles ist in den vergangenen Monaten teurer geworden – das gilt insbesondere für das Bauen. Vor den Preissteigerungen ist auch die Stadt Rietberg nicht gefeit, wie sich aktuell etwa am neuen Bauhof zeigt, der an der Bokeler Straße 100 entsteht. Vier Millionen Euro waren für die erforderlichen Umbauarbeiten und die Schaffung der Außenlagerkapazitäten veranschlagt worden. Tatsächlich werden es wohl 6,25 Millionen Euro oder noch mehr werden. 

Insbesondere Stahlpreise bereiten Bauchschmerzen

Diese bittere Pille musste Andreas Grube vom Büro GJL, das mit den Planungen betraut ist, jetzt den Mitgliedern des Bau- und Verkehrsausschusses verabreichen. Die jüngsten Kostenanpassungen hätten alle Beteiligten überrollt, räumte der Architekt ein. Als sein Büro mit der Machbarkeitsstudie zum Bauhof-Neubau begonnen habe, da habe man „nur“ mit der Pandemie zu tun gehabt. „Mittlerweile sind der Ukraine-Krieg und der Brand am künftigen Standort Anfang Dezember 2021 dazugekommen. Das stellt uns vor Herausforderungen.“ 

Bauchschmerzen bereitet ihm unter anderem der Höhenflug bei den Bau- und Profilstahlpreisen. Den Ansatz der Teuerung gegenüber Mai 2021 setzt er hier mit 800.000 Euro an – wobei er weitere Mehrkosten erwarte, wie Grube zu Protokoll gab. Den Sprung beim Baukostenindex um satte 14,8 Prozent auf 140 Prozent (Stand: Februar 2022) preist der Fachmann mit 592.000 Euro ein. Hinzu kommt ein Plus von 210.000 Euro für notwendige Elektroteile. Ein neuer Trafo als Ersatz für das veraltete Exemplar schlägt mit 100.000 Euro zu Buche, die gleiche Summe kommt für den Abbruch des Hallen-Altbestands (Grube: „Das ist zum Teil auch eine Folge des Brands“) on top. 

Beim Zeitplan bleibt Architekt optimistisch

Optimistisch gab sich Grube derweil in Sachen Zeitplan. Er glaube weiterhin, dass man das ambitionierte Ziel des Umzugs – avisiert ist dafür spätestens August – schaffe. Daran festzuhalten, bedeute indessen auch, dass man die weiteren Arbeiten nicht bis zu einer möglichen Beruhigung der Märkte aussetzen kann. Ausschussvorsitzender Dirk Austermann (CDU) hakte noch einmal genauer nach, wie sich die Kostensteigerung von mehr als 50 Prozent erklären lasse. „Basiert die jetzige Schätzung auf dem alten Umfang der Maßnahme?“, wollte er wissen. 

Das sei im Großen und Ganzen der Fall, gab der Architekt zurück. Demnach sind zwischenzeitlich nur geringfügige Anpassungen vorgenommen worden, etwa in Form einer nachträglichen Vergrößerung des Volumens der Bauhof-Tankstation von 2000 auf 10.000 Liter. Darüber hinaus habe man zwei Tore für die Kalthalle ergänzt. Kostenpunkt: rund 15.000 Euro. Das sei also eigentlich nicht der Rede wert, so Grube.

Verschobene Maßnahmen decken Kostenplus

Konrad Schürhoff (Grüne) wollte wissen, ob die Dach-Statik des künftigen Bauhofs eine Photovoltaik-Anlage beziehungsweise eine Begrünung der Fläche zulasse. Dies bejahte Andreas Grube mit dem Hinweis: „Das war uns wichtig.“ An eine Lade-Infrastruktur für E-Fahrzeuge sei ebenfalls gedacht. Auch danach hatte das Grünen-Fraktionsmitglied gefragt. 

Wie der städtische Fachbereichsleiter „Bauen und Umwelt“, Matthias Setter, ausführte, sollen die Mehrkosten von 2,25 Millionen Euro per Soll-Übertragung von verschobenen Maßnahmen bereitgestellt werden. Konkret sind dies zwei Millionen Euro, die eigentlich für Anschaffung und Einbau von Lüftungsanlagen im Schulbereich vorgesehen sind. Ein Liefertermin der Geräte sei jedoch weiterhin nicht in Sicht, argumentierte Setter. Darüber hinaus soll Geld aus einer Straßenbaumaßnahme und aus der Haushaltsposition „Erweiterung Grundschule Neuenkirchen“ umgeschichtet werden. Diesem Weg stimmte das Gremium einhellig zu.

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