Rietberger Künstler Dr. Wilfried Koch gestorben


Sein kunsthistorisches und künstlerisches Schaffen strahlt weit über Rietberg hinaus. Nun ist Dr. Wilfried Koch mit 93 Jahren gestorben.

Dr. Wilfried Koch ist im Alter von 93 Jahren gestorben. Foto: Stadt Rietberg

Rietberg-Varensell (gl) - Um die Jahrtausendwende zogen seine großformatigen Skulpturen wie die „Apokalyptischen Reiter“ vor dem Rietberger Rathaus die Blicke auf sich. Zur Landesgartenschau setzte ihm die Stadt mit dem nach ihm benannten Kunsthaus und dem Skulpturenpark schon zu Lebzeiten ein Denkmal. Jetzt ist Dr. Wilfried Koch im Alter von 93 Jahren gestorben. 

Lebenswerk wird über seinen Tod hinaus nachwirken

Seit der Landesgartenschau zieren seine Skulpturen auch den Klostergarten. Wechselausstellungen mit Gemälden und bildhauerischen Arbeiten von ihm sind regelmäßig im Kunsthaus Rietberg – Museum Wilfried Koch an der Emsstraße zu sehen. Zuletzt gab es dort 2019 eine umfangreiche Schau aus Anlass des 90. Geburtstags des Künstlers. Der nun Verstorbene, der mit seiner Ehefrau Hilde in Varensell lebte, hat die Stadt der schönen Giebel künstlerisch geprägt wie kein Zweiter. Lange über seinen Tod hinaus wird sein Schaffen nachwirken – an prominenter Stelle im öffentlichen Raum und damit auch für jene sichtbar, die nicht zu den klassischen Ausstellungsbesuchern zählen. 

Dr. Koch war nicht nur Maler, Kunsthistoriker und Grafiker, sondern auch Lehrer, Bildhauer, Musiker und Belletrist. Sein Lebenswerk ist so umfassend und vielfältig, dass es keine Auflistung mit Anspruch auf Vollständigkeit geben kann. Der Skulpturenpark im Klostergarten, bis 1975 von den Franziskanern genutzt, ist 2007 in eine Dauerausstellung unter freiem Himmel umgewandelt worden. Damals wurde das Areal als öffentliches Gelände erschlossen. Seither können Besucher dort elf Exponate von Dr. Koch besichtigen, darunter den bekannten „Panflötenspieler“. Zur Eröffnung im Juni 2007 hatte Dr. Koch über seine Skulpturen gesagt: „Ich überlasse der Stadt und ihren Bürgern heute gewissermaßen meine Kinder.“ 

Vorzüglicher Maler und Bildhauer

Im Museum Wilfried Koch ist sein malerisches und zeichnerisches Werk beheimatet. Es umfasst unter anderem 700 Zeichnungen und 100 Gemälde. Die Eheleute Koch haben das Werk der Sparkassenstiftung Rietberg durch eine Zustiftung zur Verfügung gestellt. Bürgermeister Andreas Sunder hebt die herausragende Bedeutung des Verstorbenen für die Stadt Rietberg hervor: „Dr. Koch war ein ganz vorzüglicher Maler und Bildhauer. Die Vielfältigkeit seines Schaffens ist einzigartig. Eine Unterhaltung mit ihm empfand ich stets als Bereicherung, da er aus einem unendlichen Wissensschatz schöpfte.“ Die geschichtlichen Kenntnisse und die Lebenserfahrung des Varensellers seien beeindruckend gewesen. „Seine Persönlichkeit hat Rietberg über Jahrzehnte geprägt.“ Sein Mitgefühl gelte seinen Angehörigen, betont Sunder. Wer sich von Dr. Wilfried Koch verabschieden möchte, kann sich in ein Kondolenzbuch der Stadt eintragen. Es liegt während der regulären Öffnungszeiten im Kunsthaus aus. Der Eintritt ist diese und kommende Woche frei.

Dr. Wilfried Koch wurde 1929 in Duisburg geboren und lebte später in Varensell. Nach seiner künstlerischen Ausbildung im Porträtfach bei Rudolf Porth vom Städelschen Kunstinstitut Frankfurt setzte er an der Kunsthochschule in Stuttgart seine Studien für freie Malerei bei Willi Baumeister, für Glasmalerei, Fresko und Mosaik bei Rudolf Henninger fort. Anschließend studierte er an der Graphischen Fachhochschule Stuttgart. Für mehrere Verlage gestaltete er Bucheinbände und -illustrationen. Im Mittelpunkt seiner Malerei stand aber immer das Porträt. Das Studium der Kunstgeschichte absolvierte er unter Professor Alois Pesot in Freiburg und unter Professor Gustav Barthel in Stuttgart. Dr. Wilfried Koch war Mitglied der „Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste“ in der Klasse „Weltreligionen“.

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