Städtepartnerschaft Rietberg - Glogówek am Scheideweg


Während der Mitgliederversammlung fand sich niemand, der für einen der frei gewordenen Posten seinen Hut in den Ring werfen wollte.

95 gelbe und rote Rosen – eine für jedes Lebensjahr – erhielt Ursula Münstermann (v. l.) während der Mitgliederversammlung des Komitees zur Pflege der Städtepartnerschaft Rietberg/Glogówek aus den Händen des bisherigen zweiten Vorsitzenden Dr. Jacek Sakowski und der scheidenden Vorsitzenden Monika Kuper. Münstermann zählte 1998 zu den treibenden Kräften bei der Gründung der Städtepartnerschaft.

Rietberg (gl) - Hat die Städtepartnerschaft zwischen Rietberg und dem polnischen Glogówek (Oberglogau) noch eine Zukunft? Diese Frage ist während der jüngsten Mitgliederversammlung unbeantwortet geblieben. Fakt ist jedoch, dass das Partnerschaftskomitee seither ohne geschäftsführenden Vorstand dasteht und das Vereinsleben seit rund zwei Jahren ruht. Letzteres war auch der Corona-Pandemie geschuldet. 

„Weil meine Gesundheit es verlangt“

Nach 14 Jahren kandidierte Monika Kuper nicht erneut für das Amt der Vorsitzenden. „Aber nicht, weil ich nicht mehr will, und nicht, weil ich keine Leidenschaft mehr habe, sondern einzig, weil meine Gesundheit es verlangt und der Alltag mich vollends beansprucht“, versicherte sie. Und weiter: „Ich habe die Aufgabe und dieses Ehrenamt wirklich unglaublich gerne und mit viel Herzblut wahrgenommen.“ Doch jetzt sei es an der Zeit, einen Schlussstrich zu ziehen, auch wenn es schwerfalle. 

Monika Kuper war der deutsch-polnischen Städteverbindung seit ihrer Gründung 1998 eng verbunden. Damals war ihr Ehemann André Rietberger Bürgermeister – und unterzeichnete in dieser Funktion im Namen der Emsstadt die offizielle Partnerschaftsurkunde. Von Anfang an engagierte sich Monika Kuper im Vorstand des Komitees zur Pflege der Städtepartnerschaft Rietberg/Glogówek, so der etwas sperrige Name des Vereins. Zunächst war sie als stellvertretende Schriftführerin aktiv, 2008 übernahm sie den Vorsitz von Beate Schrewe. 

Zukunft des Vereins ist ungewiss

Die Amtsübernahme erfolgte in einer schwierigen Zeit, denn der Austausch zwischen beiden Städten lief damals nur auf Sparflamme. „Ich wollte die Partnerschaft wieder mit Leben füllen und Projekte auf den Weg bringen, die im Idealfall irgendwann von selbst laufen sollten“, erinnerte sich Monika Kuper. Ihr Dank galt ihren Vorstandskollegen, die ihr bei allen Herausforderungen stets den Rücken gestärkt hätten. 

Dass die Zukunft des Vereins ungewiss ist, liegt auch daran, dass auch die übrigen Mitglieder des geschäftsführenden Vorstands – zweiter Vorsitzender Dr. Jacek Sakowski und Kassenwart Konrad Oesselke – ihren Rückzug erklärten und nicht erneut kandidierten. Das Amt des Schriftführers war bereits seit einigen Jahren unbesetzt. Während der gut besuchten Mitgliederversammlung im Klubhaus auf dem Golfplatz in Varensell fand sich niemand, der für einen der frei gewordenen Posten seinen Hut in den Ring werfen wollte. 

Monika Kuper gilt Sunders Dank

Damit ruhen die Vereinsgeschäfte einstweilen, wie Bürgermeister Andreas Sunder erklärte. Er kündigte an, Akteure aus den Reihen der Städtepartnerschaft nach Karneval an einen Tisch zu holen. Dann solle besprochen werden, ob es eine Zukunft für den Verein geben kann oder nicht. Bis dahin blieben alle Optionen offen, sagte Sunder: von der Auflösung des Komitees bis in zu einer Fortsetzung der Arbeit.

Sunders Dank galt während der Versammlung der scheidenden Vorsitzenden Monika Kuper, die die Vereinsaktivitäten seit 2008 entscheidend geprägt habe. „Du bist stets mit Vollgas gefahren, auch wenn das nicht immer einfach war“, schrieb der Rathauschef ihr ins Stammbuch. Und weiter: „Mit deinen und euren Aktivitäten habt ihr bleibende Spuren hinterlassen – und zwar in den Herzen der Menschen sowohl in Polen als auch in Deutschland.“ Zur Wahrheit gehöre aber auch, dass eine funktionierende Städtepartnerschaft immer ein Geben und Nehmen auf beiden Seiten sein müsse. Von polnischer Seite sei zuletzt aber nur wenig gekommen, was die Arbeit auf Rietberger Seite erschwert habe. 

Sitzbänke sollen an Partnerschaft erinnern

Sunder kündigte an, dass in Glogówek eine Sitzbank aufgestellt werden solle, die an Monika Kupers Wirken erinnert. Die Stadt Rietberg werde die Gestaltung übernehmen und auch für das Aufstellen verantwortlich zeichnen, sagte er. Pläne zum Aufstellen von Sitzgelegenheiten in Oberschlesien verfolgt auch das Städtepartnerschaftskomitee. Der einstimmig gefasste Beschluss während der jüngsten Mitgliederversammlung sieht vor, dass zwei Bänke in Glogówek dauerhaft positioniert werden: eine im Bereich des Altenpflegeheims und eine in der Innenstadt. „Durch Schilder soll kenntlich gemacht werden, dass es sich um ein Geschenk des Partnerschaftskomitees handelt“, heißt es in dem Beschluss. 

Ein besonderer Gast während der Jahreshauptversammlung war Ursula Münstermann. Sie war 1998 Rietbergs stellvertretende Bürgermeisterin und zählte seinerzeit zu den treibenden Kräften bei der Gründung der deutsch-polnischen Partnerschaft. Damals sei es auch darum gegangen, Kontakte der Kriegsvertriebenen in ihre alte Heimat zu ermöglichen. Auch Ursula Münstermann musste als junge Frau Schlesien verlassen. Davon berichtete die 95-Jährige während der Versammlung sichtlich gerührt. „Es war eben meine Heimat. Und jetzt ist Rietberg meine Heimat“, sagte sie. In den vergangenen Jahren rückten indes vermehrt der deutsch-polnische Austausch und der Gedanke der internationalen Völkerverständigung in den Fokus des Komitees Rietberg/Glogówek.

Texte und Fotos von die-glocke.de sind urheberrechtlich geschützt. Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.