Soli ohne Geschwindigkeitsbegrenzung


Ein klangvolles Erlebnis bot das Romeo-Franz-Ensemble im Verler Rathaus. Die Sinti-Musik begeisterte das Publikum. Überraschungen steigerten die Stimmung zusätzlich. 

Beste Unterhaltung bot das Romeo-Franz-Ensemble am Donnerstag im Verler Rathaus. Das Konzert, das die Kulturfreunde organisiert hatten, war ausverkauft Foto: Rekate

Verl (ed) - Erst ein Vortrag und ab die Post: „Jetzt muss das losgehen und kesseln.“ Das hat Wolfgang Feuerborn von den Verler Kulturfreunden zur Einleitung eines Konzerts des Romeo-Franz-Ensembles gesagt. Er feuerte das Quintett an. Das gleich mit dem ersten Song für wache Ohren sorgte.

„Minor Swing“, komponiert vom legendären Gitarristen Django Reinhardt und 1937 aufgenommen mit der Band Hot Club de France, war die Startsequenz des Ensembles. Bereits nach dem allerersten Stück hagelte es Applaus und Bravo-Rufe. Kein Wunder, denn der namensgebende Bandleader Romeo Franz hat vier virtuose Weltklasse-Musiker um sich geschart, die ein klingendes Kaleidoskop im Stil der mobilen ethnischen Minderheiten in absoluter Perfektion offerieren. Solo-Gitarrist „Big Papa“ Joe Bawelino, Kontrabassist Michael Schöneich, Rhythmus-Gitarrist David aus der Reinhardt-Dynastie und der 21-jährige Sunny Franz, der inzwischen die erste Geige spielt und seinen Vater auf Platz zwei verweist, garantieren mit jeder Interpretation Begeisterung. 

Hochkarätiges Konzerterlebnis

Der Profimusiker Romeo Franz, der auch der erste Vizepräsident des Bildungs- und Kulturausschusses im Europaparlament ist, offerierte lebendige Ansagen. Bevor er George Gershwins „Lady be Good“ ankündigte, wies er auf die besonders schwierigen Zeiten für Musiker und Künstler hin und postulierte, „dass Kunst und Kultur sehr wohl systemrelevant sind“. Das Verler Auditorium bestätigte diese Forderung mit zustimmenden Applaus. Die fünf Musiker, die selbst fast zwei Jahre nicht auftreten konnten, sorgten für ein hochkarätiges Konzerterlebnis und entzückten den Hörsinn mit „Mehum Mata“ von Schnuckenack Reinhardt, dem großen Geigenvirtuosen der Sinti-Musik. 

Temporeiche Rhythmen und überraschende Stücke

Dann ließen sie die Stimmung aufkochen, indem sie einen ungarischen Csárdás in die Menge feuerte, die im tempobeschleunigten Rhythmus taktgenau mitklatschte. Das Quintett, das reihum Soli ohne Geschwindigkeitsbegrenzung präsentierte, steigerte die Sensibilität im Saal mit der Reinhardt-Ballade „Nuage“ und dem Bossa Nova aus dem Kinofilm „Black Orpheus“ von Antônio Carlos Jobim. Die Setliste überraschte mit einem weiteren Spielfilm-Titel „Joseph, Joseph“ aus Chocolat und dem sentimentalen ukrainischen Klassiker „Otschi tschornyje“. Bevor es nach dem lautstarken Bedauern des Publikums in die Verlängerung ging, ehrte Bürgermeister Michael Esken die Akteure und Wolfgang Feuerborn scherzte zukunftsweisend, das Joe Bawelino wohl sagen wird, „in Verl sieht der Jazz-Club aus wie ein Rathaus“. 

Die fünf auf der Bühne legten noch eine Schippe drauf und präsentierten als Zugaben „Fulli Tschei“ (Das böse Mädchen), das Romeo Franz in Romanes singend vortrug, und die Ohrwurm-Nummer „Sweet Georgia Brown“, die alle in die gute Nacht entließ.

Texte und Fotos von die-glocke.de sind urheberrechtlich geschützt. Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.