SPD regt kommunalpolitisches Praktikum in Verl an



Die Verler SPD möchte junge Menschen in ihrer Demokratiekompetenz stärken. Und zwar über ein kommunalpolitisches Praktikum.

Platz frei: Der Haupt- und Finanzausschuss hat für die Einrichtung eines kommunalpolitischen Praktikums bei der Stadt gestimmt. Das letzte Wort hat der Rat. Foto: Archiv

Verl (gl) - Jungen Menschen wird oft mangelndes Interesse an Politik nachgesagt. Diesen Eindruck hat Elke Henkemeier (SPD). Genauso wie den Eindruck, dass das nicht stimmt. Vielmehr hätten viele Jugendliche sowie junge Frauen und Männer kaum eine Vorstellung davon, wie etwa Kommunalpolitik funktioniere, sagt sie.

Das Ziel: Demokratiekompetenz stärken

Interesse bestehe aber, was sich unter anderem an zahlreichen jungen Aktivistinnen und Aktivisten für den Klimaschutz zeige. In einem Antrag zum Haushaltsentwurf hatten Henkemeier und ihre Partei deshalb dafür geworben, ein kommunalpolitisches Praktikum in der Verwaltung einzurichten. Mit dem Ziel, die Demokratiekompetenz von Schülerinnen und Schülern zu stärken. 

Sie sollen, so der Wunsch der SPD, im Rahmen des Praktikums an kommunalpolitischen Sitzungen teilnehmen, um die dortige Entscheidungsfindung nachzuvollziehen.

Praktikum bindet Zeit und Arbeitskraft

Robin Rieksneuwöhner (CDU) bekräftigte den Vorstoß. Es könne nie genug Förderung für das Demokratieverständnis junger Menschen geben. Kleine Kritikpunkte warfen Peter Heethey (fraktionslos) und Dr. Ulrich Klotz (FDP) ein. 

Heethey sprach sich zwar grundsätzlich für ein solches Praktikum aus, sensibilisierte aber auch dafür, dass es Zeit und Arbeitskraft binde. Das kenne er aus der Zeit vor dem Ruhestand, als er als Anwalt mehrere Praktikanten im Jahr beschäftigt habe.

„Mir stellt sich die Frage, ob es diesen Antrag braucht“

Junge Menschen bloß mitzunehmen, das reiche nicht, das langweile sie nur. Man müsse ihnen erklären, was gerade passiere, Ratssitzungen etwa aufarbeiten. 

Dr. Ulrich Klotz hegte Zweifel über die Notwendigkeit des Praktikums. Immerhin könnten sich Schülerinnen und Schüler ohnehin schon bei der Verwaltung melden, um dort eines zu absolvieren. „Mir stellt sich deshalb die Frage, ob es diesen Antrag braucht.“

Ein Einsatz in der „Zentrale der Macht“ 

Den braucht es, wenn es nach Bürgermeister Michael Esken geht. Die Verwaltung bekomme so viele Anfragen aus Schulen, dass sie gar nicht alle erfüllen könne. Aktuell würden Praktikanten an einem Ort eingesetzt – etwa im Jugendamt – und blieben dann die gesamte Zeit über in dieser Abteilung, wechselten nicht hin und her. 

„An einen Einsatz in der Zentrale der Macht“, wie Esken die politischen Sitzungen nannte, „haben wir bislang nicht gedacht“. Er könne sich auch gut vorstellen, dass eine Schülerin oder ein Schüler ihn im Arbeitsalltag begleite. Dem Antrag der SPD folgten die Mitglieder des Hauptausschusses einstimmig.

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