Umfrage: Verl - tolle Stadt mit Potenzial nach oben



Wie gefällt den Leuten Verl? Eine Frage, die die Bürger grundsätzlich mit „tolle Stadt“ beantworten. Aber es gibt auch Verbesserungswünsche.

Für Jugendliche ab 16 Jahren wird es schwer, etwas zu unternehmen, findet Efthimios Mitsarakis, der mit mit Tochter Sofia (3) am Sonntag das Verler Frühstück besuchte. Die Jugendtreffs müssten wieder attraktiver werden. Foto: Steinecke

Verl (matt/rast) - „Weiche Standortfaktoren sind wichtig.“ Das betet Bürgermeister Michael Esken (CDU) beinahe mantramäßig vor. Aus Sicht des Verwaltungschefs ist das ausschlaggebend, damit sich Menschen entscheiden, in einer Stadt zu leben. Doch wie gefällt es den Leuten eigentlich in Verl oder fehlt vielleicht doch etwas? Beim Verler Frühstück am Sonntag hat diese Zeitung nachgefragt. 

Die Umfrage ist sicher nicht repräsentativ, aber es zeichnet sich ein klares Stimmungsbild ab: Verl ist toll. Es gibt aber auch einige Anregungen, was verbessert werden kann. Die Bandbreite der positiven Meinungen reicht von „sehr lebenswert, für so eine kleine Stadt wird schon viel unternommen“, wie Christian Sarnes es findet bis zur Aussage der Verler Kinderärztin aus Rietberg, Annette Weeg: „Sehr beliebt bei jungen Familien.“ Immer wieder wird dabei die gute Infrastruktur bezogen auf Freizeiteinrichtungen oder Schulen und Kitas hervorgehoben. Auch die Möglichkeiten zur Naherholung wie am Ölbach oder Verler See gefallen den Menschen. 

Städtisches Flair und dörflicher Zusammenhalt

Aber auch die Kombination aus etwas städtischem Flair und dörflichem Zusammenhalt werden positiv wahrgenommen. „Nicht zu dörflich und nicht zu städtisch“, sagt Rita Pähler. Die passende Mischung mache es aus. Ältere Menschen wie Manfred Siggemann sagen: „In Verl hat man alles, was man braucht – zumindest als Rentner.“ Damit gemeint sind Geschäfte oder Ärzte. Doch auch der 27 Jahre alte Michel Porstendörfer sieht sich, was den täglichen Bedarf betrifft, gut aufgehoben. 

Auf der anderen Seite merkt Michel Porstendöfer an: „Für junge Leute fehlt es an Action.“ Was damit gemeint ist, erklärt der Vertriebsmitarbeiter: „Es fehlt after work life, eine coole Altstadt ohne Autos, mit kleinen Cafés und Geschäften.“ Dabei müsse das Leben gar nicht mal so toben wie in Berlin. Die Stadt wäre schon zu groß. In etwa so wie Münster, wohin er demnächst zieht. 

Jugendtreffs müssten attraktiver werden

Am „Glocke“-Mobil sprechen (v. l.) Marcus Tschackert und Ralf Steinecke mit Dietlind und Manfred Füchtenhans.Efthimios Mitsarakis (35) ist in Verl aufgewachsen, und lebt gerne in der Stadt. Er findet aber, dass es für Leute ab 16 Jahren schwer ist. Zu seiner Zeit seien zum Beispiel die Jugendtreffs immer gut genutzt worden. „Wenn ich da heute vorbeikomme, ist da nichts los“, sagt er. Und weiter: „Vielleicht müssten die mal modernisiert und attraktiver gemacht werden.“ 

Maylin (18) und Mira Dargel (16) finden es in Verl besser als in der Großstadt. Weil es nicht so voll sei und man überall auch mit dem Fahrrad gut hinkomme. Dafür, dass die Stadt so klein sei, werde viel geboten. Allerdings sei die abendliche Unterhaltung eher auf das ältere Publikum zugeschnitten, zumal es nur einen Club gebe. 

Ein Park als Begegnungsstätte

Besser als Großstadt finden Mira (links) und Maylin Dargel Verl, wünschen sich aber abends mehr Unternehmensmöglichkeiten für junge Menschen.Annette Weeg würde sich einen Park als Begegnungsstätte mit einem kleinen Gastronomie-Angebot wünschen. Ein Kiosk mit Eis, Brausepulver, Erfrischungsgetränken. Dazu eine kleine Minigolf-Ecke und ein großes Schachspiel. Die Bürmsche Wiese würde sich anbieten, dies könne aber auch woanders stattfinden. Wo auch immer, dann bitte familienfreundlich. „Das ist die Bürmsche nämlich nicht“, so Rita Pähler.

„Es ist die Vielfalt, die Verl ausmacht – egal welcher Religion oder Herkunft“, macht für Anette Harnischfeger die Stadt Verl so liebens- und lebenswert. Der Mensch an sich, ohne Ansehen der Person stehe im Mittelpunkt, so die Verlerin, die mit Annette Weeg beim Bürgerfrühstück mit einem Service-Mobil unterwegs war. 

Inseldenken einzelner Vereine und Verbände

Bürmsche Wiese ist nichts für Familien, sagt Rita Pähler mit Ehemann Tobias sowie Jan (7) und Jonas (3).„Dieses Gemeinschaftsgefühl soll sich die Gemeinde und die Bürgerschaft Verl bewahren“, wünscht sich Harnischfeger. Allerdings herrsche das Inseldenken einzelner Vereine und Verbände noch zu sehr vor. „Da würde ich mir ein weniger eingeschränktes Denken wünschen. So wie Lions und Rotary-Club, beides „Service-Vereine“, vormachten. „Kurze Wege, kurze Drähte und eine enorme Hilfsbereitschaft, wenn es drauf ankommt“, machen für Christian Schlingmann die Stadt Verl so sympathisch. Erfahren hat das der Vorsitzende des Verler Hegerings im Zuge des Ukraine-Hilfstransports für ukrainische Flüchtlinge. „Man kennt die Ansprechpartner, auch im Rathaus. Ein Anruf und die Sache läuft.“ Auch die Bereitschaft, bei Problemen schnelle und praxisorientierte Lösungen zu suchen, mache Verl ein Stückchen einzigartig. 

Für Christine Ziegler punktet Verl mit seiner guten Autobahnanbindung. Die in Koblenz lebende ehemalige Verlerin schätzt den kurzen Weg zur Fernstraße. Nicht um schnell von Verl weg, sondern von ihrem aktuellen Wohnsitz in Süddeutschland in die alte Heimat zu kommen. Das gilt umgekehrt für ihren Partner Volker Manthey. Für das ehemalige SPD-Ratsmitglied zählt aber die Tatsache, dass man sich in Verl sehr gut vernetzen kann. „Und das in unterschiedlichste Richtungen.“ 

Maximal 1,5 Kilometer, bis man im Grünen ist

Mehr Action für junge Menschen fordert Michel Porstendöfer.Für ein gut funktionierendes Netzwerk steht auch das Droste-Haus. Diese einzigartige Einrichtung für Familien als Bildungs-, Kultur und Freizeiteinrichtung, hebt Meik Kleinehelleforth heraus. „Aber auch was sportliche Möglichkeiten betrifft oder im kulturellen Sektor. Innerhalb eines Radius von 1,5 Kilometer egal von welchem Punkt aus, ist man im Grünen. Das ist für Familien, gerade mit kleineren Kindern, ideal.“ Bärbel Schröer, Marlies Meierkordtokrax und Regina Stüker finden unisono: „Verl ist etwas Besonderes.“ Events wie das Bürgerfrühstück seien nicht nur etwas Wunderbares, sondern auch gut organisiert.

Texte und Fotos von die-glocke.de sind urheberrechtlich geschützt. Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.