Wenn in Verl aus Zahngold Lebensmittel werden



Eine Gemeinschaftspraxis aus Verl hat Zahngold eingeschmolzen und den Erlös an drei karitative Einrichtungen gespendet.

Insgesamt 17.000 Euro hat eine Verler Praxisgemeinschaft für gute Zwecke gesammelt: (v. l.) Ruth Prior-Dresemann, Ingrid Schlecht, Detlef Dicks (Tafel), Heidemarie Binius und Heiner Stroth (Warenkorb), Andrea Löwe (Zahnärztin), Raphael Neyken und Ilias Agelidakis (Malteser-Hilfsdienst) und Dr. Ingo Brandt (Zahnarzt). Foto: Tschackert

Verl (matt) - „Unsere Patienten kommen aus Verl und Umgebung. Da liegt es nahe, das Geld auch vor Ort Gutes tun zu lassen“, sind sich Andrea Löwe und Dr. Ingo Brandt einig. Die beiden Zahnärzte haben Altgold einschmelzen lassen, das ihnen Patienten überlassen hatten. Dabei kam ein Spendenbetrag von 17.000 Euro heraus.

„Es gibt Patienten, die bringen Altgold von Zuhause“

Das Geld wurde jetzt an die Verler Ausgabe der Gütersloher Tafel und den Caritas-Warenkorb zu je 6000 Euro weitergereicht. Weitere 5000 Euro bekommt das spendenfinanzierte Angebot „Herzenswunsch“ des Malteser-Hilfsdienstes. „Es gibt sogar Patienten, die bringen Altgold von Zuhause zu uns, damit wir es für einen guten Zweck einschmelzen lassen“, verkünden Dr. Ingo Brandt und Andrea Löwe unisono. 

Der übliche Weg sei aber, dass sie Patienten fragen, ob sie ihr Zahngold mit nach Hause nehmen wollen oder den Edelmetallwert aus Kronen, Brücken oder Einlagefüllungen einem guten Zweck zuführen dürfen. Fünf Jahre lang hat die Praxisgemeinschaft an der Gütersloher Straße für die aktuelle Spendensumme gesammelt.

1000 Neuanmeldungen bei der Tafel

Seit 20 Jahren sammelt die Praxisgemeinschaft generell. „Warenkorb und Tafel haben es aktuell sehr schwer, Lebensmittel günstig einzukaufen und gleichzeitig der wachsenden Nachfrage gerecht zu werden“, erklärt Ingo Brandt, warum der Großteil der Spende diesen beiden Organisationen überwiesen wird.

„Wir haben 2021/22 kreisweit 1000 Neuanmeldungen von Familien, die wir teilweise auf eine Warteliste setzen müssen“, bestätigt Ruth Prior-Dresemann, Geschäftsführerin der Gütersloher Tafel. In Verl seien es ebenfalls mehr als 20 Neufamilien, die mit Lebensmitteln unterstützt werden, ergänzt Ingrid Schlecht von der Verler Ausgabestelle.

Absprachen zwischen Warenkorb und Tafel

Den Trend bestätigt Heiner Stroth, der sich federführend beim Caritas-Warenkorb engagiert. Es müsse mehr zugekauft werden als in der Vergangenheit. Das liege aber auch daran, dass die Märkte sparsamer würden und ablaufende Lebensmittel mittlerweile selbst mit Rabatten anbieten, so Ruth Prior-Dresemann.

Konkurrenz herrsche zwischen Warenkorb und Tafel nicht, so die Verantwortlichen. „Es gibt Absprachen, und daran halten sich auch alle“, so Heiner Stroth vom Warenkorb. Nicht minder relevant ist die Arbeit des Malteser-Hilfsdienstes mit dem „Herzenswunsch“.

Von Wünschen eines Wunscherfüllers

Über das Projekt wird Palliativ-Patienten und damit Menschen, die ihrem Lebensende entgegengehen, ein wichtiger Lebenswunsch erfüllt. „Das kann der Wunsch sein, nochmal ans Meer zu fahren, die Geburtsstadt zu besuchen oder an einer Familienfeier teilzunehmen“, zählt Raphael Neyken auf. 

Allein dadurch falle es sterbenskranken Menschen oft leichter loszulassen, sagt er. Auch er selbst hegt einen Wunsch: einen eigenen Wagen für das Projekt. 60.000 bis 70.000 Euro kostet ein gebrauchter, komfortabler Rettungswagen mit dem sich Patienten, Angehörige und speziell geschulte Betreuer auf diese wichtige Reise machen können.

Oft genug müssen Fahrten kurzfristig abgesagt werden, weil das Fahrzeug für akute Notfälle eingesetzt werden muss.

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