Wohnmobil-Bande hat ihr „Basis-Lager“ in Verl


Eine Bande von fünf aus Polen stammenden Männern soll in Verl und Umgebung teure Wohnmobile gestohlen haben. Jetzt drohen hohe Haftstrafen.

Wertvolle Wohnmobile standen im Fokus einer Diebesbande, die ihr „Basislager“ in Verl hatte. Jetzt wird der Fall vor dem Bielefelder Landgericht verhandelt. Den angeklagten drohen hohe Haftstrafen. Symbolfoto: dpa

Verl/Bielefeld (upf) - Insgesamt 24 Mal sollen fünf aus Polen stammende Männer innerhalb eines Jahres in der Region teure Wohnmobile gestohlen haben. Geschnappt wurden sie im Sommer dieses Jahres. Seit Oktober macht das Landgericht Bielefeld ihnen den Prozess. Wenn sich die Vorwürfe bewahrheiten, drohen dem Quintett zum Teil lange Haftstrafen. „Basislager“ der Bande soll Verl gewesen sein.

Beim dritten Prozesstag ging es um die zu erwartende Höhe der Strafen. Vorsitzender Richter Carsten Nabel machte den fünf Angeklagten und ihren Verteidigern deutlich, was sich die 3. große Strafkammer vorstelle, falls denn die Bereitschaft bestehe, Geständnisse abzulegen. Das, was darin zu hören sein könnte, wäre die jeweilige Beteiligung an der Diebstahlreihe, die sich im Dreieck Ahlen und Ennigerloh im Westen, Vlotho und Kalletal im Nordosten und Arnsberg im Süden abgespielt hat.

Deutsch-Pole aus Verl hat Auto und Wohnung zur Verfügung gestellt

Der 40-jährige Deutsch-Pole aus Verl, der Auto und Wohnung für die Taten zur Verfügung gestellt und damit Beihilfe in fast allen Fällen geleistet haben soll, muss mit zweieinhalb Jahren Haft rechnen. Für die mutmaßlichen Haupttäter, zwei 42 und 43 Jahre alte Landsleute, stehen über vier Jahre beziehungsweise etwa dreieinhalb Jahre Haft im Raum.

Einem 32-Jährigen, der an vier der Diebstähle beteiligt gewesen sein soll, drohen drei Jahre hinter Gitter, einem 31-Jähriger als Kurierfahrer in einem Fall etwa zweieinhalb Jahre Haft – es geht schließlich um schweren Bandendiebstahl. Nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft hatten die fünf Männer in unterschiedlichen Beteiligungen von Juni 2021 bis zu ihrer Festnahme im Juli 2022 agiert: Nach dem Ausbaldowern stehlenswerter Fahrzeuge sollen sie jeweils nachts an den Tatorten die Wohnmobile aufgebrochen und kurzgeschlossen haben.

Fahrzeuge mit falschen Kennzeichen versehen

Auf Parkplätzen nahe der Tatorte sollen dann die Fahrzeuge mit falschen Kennzeichen versehen und nach Polen zum Verkauf geschafft worden sein. Nach einem Diebstahl in Ense wurden die Polen von der Polizei geschnappt.

Die Verteidiger meldeten alle nach der Mitteilung der Kammer über die angedachten Strafhöhen Gesprächsbedarf an. Unter anderem sei im Einzelnen zu klären, welche Anzahl von Taten den jeweiligen Geständnissen tatsächlich zugrunde gelegt werden müssten. Insbesondere für den Angeklagten aus Verl geht es entweder um Haft- oder Bewährungsstrafe.

Mercedes wurde als Tatwerkzeug sichergestellt

Gegen ihn sprechen Funkzellendaten seines Handys und GPS-Koordinaten des Autos, „aber es ist nicht zwingend davon auszugehen, dass er alles gewusst und gewollt hat“, sagte der Verteidiger. Der 40-Jährige ist nicht vorbestraft, und sein schöner Mercedes wurde als Tatwerkzeug sichergestellt, weil damit die Diebe zu den Tatorten gefahren sein sollen – jetzt soll er über 20.000 Euro Schulden haben.

Der Prozess ist noch bis in den Januar terminiert.

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