Auch die inneren Grenzen überwinden


Parkour-Training steht in Ahlen seit einigen Jahren hoch im Kurs. Nicht verwunderlich also, dass das Ferienangebot der Jugendecke Nord wieder sehr gut angenommen wird. Felix Beckhoff und Lucas Menne zeigen dabei Tricks und Kniffe.

Mit Felix Beckhoff (vorne) und Lucas Menne hat die Jugendecke Nord erneut zwei erfahrene Parkour-Trainer engagiert. 18 Jugendliche trainieren seit Wochenbeginn in der Turnhalle der Münsterteicher-Gesamtschule. Christian Wolff

Eigentlich wollte die Jugendecke Nord („Juno“) in dieser Herbstferienwoche zusätzlich ein digitales Projekt anbieten. Aber offenbar hatten die meisten Zehn- bis 14-Jährigen in den langen Lockdown-Monaten eine Art „digitale Übersättigung“ entwickelt, so dass Bewegung und Gemeinschaftsaktionen in Präsenz einfach mehr ziehen. Gut für das „Juno“-Parkour-Angebot, das damit bereits in seine siebte Auflage geht.

Felix Beckhoff und Lucas Menne wissen, wie Parkour funktioniert, kennen Tricks und Kniffe bei Bewegungsabläufen. Die Münsteraner seien längst „alte Hasen“ auf dem Sektor, sagt Organisator Tobias Winopall. Gemeinsam mit Theaterpädagogin Olga Jentsch schlagen die Akteure der Jugendecke zwischen dem sportlichen Betätigungsfeld und der sozialen Komponente eine Brücke.

Auf den ersten Blick macht Parkour einen gefährlichen Eindruck. Viele denken dabei an junge Menschen, die von Hausdach zu Hausdach springen und bei einem Sturz ihr Leben lassen können. Da können die beiden Trainer Beckhoff und Menne beruhigen: Diese mutigen wie riskanten Sprünge seien eine absolute Minderheit im Parkour-Universum. Körperliche Fitness, Körperbeherrschung, Agilität, Flexibilität, Kraft und mentale Stärke stehen in der Regel höher im Kurs als der gefährliche Kick.

„Beim Parkour geht es in erster Linie darum, physische Grenzen zu überwinden“, erklärt Winopall. „Wir wollen aber auch aufzeigen, wie innerliche Hemmschwellen, also Grenzen im Kopf beim Umgang miteinander, abgebaut werden können.“ Coronabedingt hätten sich viele junge Menschen daran gewöhnt, sich alleine zu beschäftigen und müssten oftmals an das Aufeinanderzugehen und die Rücksichtnahme in der Gruppe wieder herangeführt werden. Dazu diene beispielsweise die spielerische Komponente bei der Abschlusspräsentation an diesem Freitag.

Olga Jentsch hat sich das Thema Halloween auf die Fahne geschrieben. Da könnten schon so manche „Untote“ über die Hürden sausen. „Es gehört schon Mut dazu, sich einerseits verkleidet zu bewegen und auf der anderen Seite das sportliche Können unter Beweis zu stellen.“ Anders als in den Vorjahren sind zum Abschluss keine Eltern und Freunde der Teilnehmer mit von der Partie. „Wir werden das Ganze aber als Video aufzeichnen und allen Beteiligten zur Verfügung stellen“, verspricht Tobias Winopall und zeigt sich überzeugt, dass zum Ende des nächsten Projekts dieser Art wieder Publikum dabei sein kann.

Jedenfalls haben die 18 Jugendlichen die ganze Woche lang in der Turnhalle der Therese-Münsterteicher-Gesamtschule geübt, was das Zeug hält. „Wir haben viele Anfänger dabei, aber auch echte Freaks“, hat Felix Beckhoff festgestellt. Einige Jungs seien derart heiß auf diese Art der Bewegung, dass sie auch die weiteren Parkour-Angebote in Ahlen, zum Beispiel vom Bürgerzentrum Schuhfabrik, wo aktuell noch Plätze frei sind, regelmäßig wahrnehmen. „Die Mischung unter den Teilnehmern ist super.“

In der kommenden Woche heißt es in der Jugendecke Nord dann „Meine Stimme – mein Video“. Dabei werden bekannte oder selbstgedrehte Filmsequenzen neu synchronisiert. Wer noch mitmachen möchte, kann sich fix noch im Internet unter www.juno-ahlen.de, bei Facebook auf der Juno-Seite oder per E-Mail an tobias.winopall@kirchenkreis-hamm.de anmelden.

von Von Christian Wolff

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