Berger: „Der richtige Zeitpunkt“


In der Sondersitzung des Stadtplanungs- und Bauausschusses und des Rates zum Stadthaus-Neubau will die Verwaltung am Dienstag nicht nur „umfassend“ über den Stand des Projekts informieren, wie Bürgermeister Dr. Alexander Berger ankündigt

Stadtbaurat Thomas Köpp und Bürgermeister Dr. Alexander Berger ließen am Montag die Presse nur einen kurzen Blick auf die Visualisierungen des neuen Stadthauses werfen. Mehr soll es am Dienstag in der Sondersitzung von Bauausschuss und Rat zu sehen geben. Peter Harke

AhlenBisher gab es nur Pläne, Skizzen und, ja, auch ein Modell, das ebenfalls aber lediglich einen Blick von außen auf Ahlens künftiges Stadthaus erlaubt. Am Dienstag sollen sich die Türen des Gebäudes erstmals für die Öffentlichkeit öffnen – wenigstens virtuell. Einen „Rundgang“ durch die Eingangshalle werden die Mitglieder des Stadtplanungs- und Bauausschusses und des Rates sowie interessierte Bürger anhand einer 3D-Animation unternehmen können, die das Büro Gerber Architekten präsentieren will, wie Stadtbaurat Thomas Köpp in ei­nem Pressegespräch am Montag ankündigte. Die Intention, mit der die Verwaltung in die Sitzung geht, besteht nach den Worten von Bürgermeister Dr. Alexander Berger nicht nur darin, „umfassend“ über den Stand des Projekts zu informieren: „Wir wollen auch Vorfreude verbreiten, dass es bald losgehen kann.“ Vorausgesetzt, der Rat legt am 4. November in einer weiteren Sondersitzung final den Schalter dafür um.

Berger sieht keine Veranlassung, die Entscheidung aufzuschieben, sondern „den richtigen Zeitpunkt“ dafür gekommen. Der Förderantrag sei fristgerecht zum 30. September gestellt und mit der Bezirksregierung sei vereinbart worden, den erforderlichen Baubeschluss bis „spätestens Mitte November“ nachzureichen. „Wir können es uns nicht erlauben, weiter zu zögern“, verweist der Bürgermeister abermals auf das aktuell niedrige Zinsniveau am Kapitalmarkt. „Wir haben mit 2,5 Prozent kalkuliert und könnten jetzt bei einem Prozent abschließen.“ Auch Thomas Köpp warnt: „Je länger wir warten, desto teurer wird‘s.“ Die weitere Entwicklung der Baupreise könne niemand vorhersehen.

Eines der schlagenden Argumente, die dafür sprechen, den „Auftrag der Bürgerschaft“ zum Bau eines neuen Stadthauses umzusetzen, ist aus Bergers Sicht der „ökologische Nutzen“. Der Neubau benötige nur vier Prozent der Heizenergie des heutigen Rathauses, und der größte Teil dieser Energie werde aus regenerativen Quellen gewonnen. „Der Anteil beträgt fast 60 Prozent“, fügte Thomas Köpp hinzu, „das lässt sich mit einem Passivhausstandard nicht annähernd erreichen.“ Der Technische Beigeordnete wiederholte seine Aussage aus der Vorwoche: „Das Energiekonzept ist durchdacht.“

Dabei verhehlt Köpp nicht, dass die Heizung mit Erdwärme einen gewissen baulichen Aufwand erfordert. Da die Förderung wegen der geringen Tiefe nicht durch die Gründungspfähle erfolgen könne, müsse ein zusätzliches Erdsondenfeld angelegt werden, ebenso ein Untergeschoss für die Wärmepumpe, das aber auch für Archiv- und Lagerräume genutzt werden könne, für die anderenfalls zusätzliche Hochbauten nötig wären. Die daraus resultierenden Mehrkosten seien nicht das Ergebnis von Fehlplanungen, betont Köpp, sondern eine „Investition in die Zukunft“.

Der Stadtbaurat hält jedoch auch nichts davon, die gesamte Planung nur dem Thema Energie unterzuordnen. Das könne man vielleicht bei Industriebauten auf der grünen Wiese machen, die sähen dann aber auch aus „wie Stereoanlagen“. Beim Stadthaus gehe es darum, „ein Gleichgewicht zu finden“, Aspekte wie die Verortung im Stadtraum, die architektonische Qualität, die Nutzerfreundlichkeit und die Nachhaltigkeit auszubalancieren. Das sieht Dr. Alexander Berger genauso: „Das Stadthaus hat auch eine repräsentative Funktion. Die Bürger sollen sich damit identifizieren und darin wohlfühlen.“

Nur kurz ging der Verwaltungschef am Montag auf die jüngsten Verlautbarungen aus den Reihen jener Ratsmitglieder ein, die am Freitag im Baudezernat Akteneinsicht genommen hatten. Von „Ungereimtheiten“ bezüglich der Auftragsvergabe an den Projektsteuerer Assmann hatten Petra Pähler-Paul (Grüne), Matthias Bußmann (BMA) und Alfred Thiemann („Rathausfreunde 2020“) gesprochen (wie berichtet). Berger dazu: „Das ist alles sauber gelaufen, da brauchen wir keine Prüfung zu fürchten.“ Der Vorgang tauge je­denfalls nicht zur „Skandalisierung“.

Hinsichtlich der Dauer der heutigen Sitzung wagen Berger und Köpp keine Prognose. Für die Präsentationen durch die Vertreter der Assmann-Gruppe und des Ar­chi­tekturbüros seien maximal 45 Minuten angesetzt. Wie sich dann die Diskussion entwickele, bleibe abzuwarten.

von Von Peter Harke

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