Ein früher Freund der europäischen Idee


Der 100. Todestag Walther Rathenaus war am Freitag Anlass, die nach ihm benannte Straße mit einem Zusatzschild auszustatten.

Christoph Wessels, Bernd Schulze Beerhorst, Udo Wagener, Volker Putze, Andreas Bieckmann, Jürgen Rheker und Manfred Kreutz bei der Enthüllung des Zusatzschilds an der Walther-Rathenau-Straße. Christian Wolff

Ein weiteres Straßenschild im Stadtgebiet ist seit Freitagmorgen mit einer Zusatztafel ausgestattet. Diesmal geht es um das Leben und Wirken des deutschen Politikers Walther Rathenau, dessen Ermordung sich am 24. Juni zum 100. Mal jährte.

„Kurzfristig haben wir uns städtischerseits dazu entschlossen, die Erinnerung an diese Persönlichkeit anlassbezogen noch einmal zu verstärken, indem wir mit einem Zusatzschild die vorhandene Straßenbenennung ergänzen“, sagte Christoph Wessels, Fachbereichsleiter für Schule, Kultur, Weiterbildung und Sport, beim Ortstermin im Südenstadtteil. Rathenau sei eng mit der Weimarer Republik verknüpft gewesen, doch sein Friedensstreben nach dem verlorenen Krieg und die Verfolgung einer frühen europäischen Idee sei ihm im damals wiederaufkeimenden Nationalismus zum Verhängnis geworden. „Aber es geht uns nicht nur um die Person, sonder auch darum, zu zeigen, wie schnell Menschen Hass auf andere Menschen entwickelt können.“ Wessels schlug durch den Vergleich mit dem Attentat auf Walter Lübke in jüngster Zeit einen Bogen zu aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen. „Getreu dem Motto ,Wehret den Anfängen‘.“ Das betonte auch Manfred Kreutz, der verdeutlichte, dass es in Deutschland seit 1990 rund 200 Beispiele gab, bei denen Personen attackiert worden sind. Als Zeichen der Wertschätzung für das neue Zusatzschild hatte er ein Blumenbouquet mitgebracht.

Walther Rathenau war eine der zentralen Symbolfiguren der Weimarer Republik, ein jüdischer Industrieller und Intellektueller, weitläufig, liberal und international geachtet. Als Wiederaufbauminister und zuletzt als Außenminister setzte er seine ganze Kraft für die Stabilisierung der noch jungen Demokratie ein und suchte dabei nach Wegen zum Ausgleich und zur Aussöhnung mit den einstigen Gegnern Deutschlands im Ersten Weltkrieg. Gerade dieses Engagement machte ihn zum Ziel rechter Gewalttäter – sie erschossen ihn auf offener Straße mit acht Kugeln.

In Deutschland gibt es mehr als 300 Straßen und Plätze, die nach Walther Rathenau benannt sind. Ahlen gehört seit Anfang der 2000er Jahre dazu, als das dazugehörige Baugebiet an der Straße Zum Richterbach entstand. „Viele Menschen wissen jedoch nicht, wer dieser Mann war und auf welch tragische Weise er aus dem Leben schied“, bedauert Markus Hünninger vom Verein „Weimarer Republik", der sich jüngst in einer E-Mail an die jeweiligen Stadtverwaltungen wandte, um auf den 100. Jahrestag hinzuweisen.

Der Enthüllung des Zusatzschilds am Freitag wohnten neben Wessels und Kreutz auch der ehrenamtliche Denkmalpfleger Bernd Schulze Beerhorst, Stadtchronist Jürgen Rheker und Udo Wagener als Vertreter des Heimatförderkreises bei. Für die Ahlener Umweltbetriebe hatten Volker Putze und Andreas Bieckmann die entsprechenden Vorarbeiten gemacht.

von Von Christian Wolff

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