Erzählungen von getarnten Fröschen und blauen Rosen


Märchen können auch Erwachsene in ihren Bann ziehen. Das bewies die Gruppe „Wortschätze“ eindrucksvoll bei ihrer Veranstaltung in der Familienbildungsstätte.

Claudia Amelong, Elisabeth Gisecker und Marianne Domnick trugen Märchen und Erzählungen für Erwachsene vor. Martin Feldhaus

Nur eine Gute-Nacht-Geschichte für kleine Kinder? Von wegen. Viele alte Märchen und Erzählungen haben es richtig in sich – spiegeln die ganze Palette menschlicher Träume und Ängste wider. Und sie können Zuhörer fesseln und begeistern. Das wurde am Freitagabend beim Märchenabend für Erwachsene deutlich, den die Pfarrbücherei Leseoase in Kooperation mit der Familienbildungsstätte organisiert hatte.

Im Gepäck hatten die drei passionierten Erzählerinnen Elisabeth Gisecker, Claudia Amelong und Marianne Domnick, die die Gruppe „Wortschätze“ bilden, gleich eine ganze Reihe spannender und fantasiereicher Märchen und Kurzgeschichten. Mal bekannte und ruhmreiche Klassiker, mal eher unbekannte Schätze aus nahen und fernen Ländern.

Zu Ersteren dürften etwa die Story der Bremer Stadtmusikanten oder das Tiermärchen „Katze und Maus in Gesellschaft“ zählen, welches in den legendären Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm an zweiter Stelle steht. Ebenfalls geläufig war vielen Zuhörern das Gedicht „Die beiden Schwestern“ von Wilhelm Busch, das von den sehr unterschiedlichen Geschwistern Adelheid und Käthe handelt, deren Leben jeweils durch die Begegnung mit einem Frosch eine entscheidende Wendung erfährt. Einmal entpuppt sich der Frosch jedoch als Prinz, wohingegen die auf großem Fuß lebende Adelheid auf einen als attraktiven Mann getarnten Frosch hereinfällt und daraufhin in einem Teich bei ihrem Frosch gefangen ist, wo sie künftig Wasser statt Wein trinken kann. Die Moral von der Geschichte? Kann sich jeder denken.

Die drei Märchen-Expertinnen entführten aber auch in die Märchen und Erzählungen anderer Kulturkreise. So handelt etwa eine alte Liebesgeschichte aus China mit dem Titel „Die blaue Rose“ von einem Dreikampf um die Tochter des Kaisers, die ausgelobt hatte, denjenigen zu heiraten, der ihr eine blaue Rose bringen würde. Drei Buhler versuchen vergeblich, eine solche zu beschaffen und am Ende kommt alles doch ganz anders – als der Richtige im kaiserlichen Schloss erscheint, reicht doch eine klassische weiße Rose. Wenn die Tochter des Kaisers sagt, eine weiße Rose sei blau, ist dies eben Gesetz.

Inhalte, die alle drei Erzählerinnen äußerst spannend zu vermitteln wussten, indem sie die Handlung mit ihrer Stimme und gezielten Betonungen unterstrichen und so die Bilder der Geschichten vor dem geistigen Auge der Zuhörer entstehen ließen. Dabei brauchten sie keinerlei Unterlagen, da sie sämtliche Märchen auswendig vortragen konnten.

Musikalisch umrahmt wurde der Märchenabend für Erwachsene, bei dem die 2G-Regel galt, von Cordula Uhlenkamp und Susanne Harwardt, die ihre Zuhörer auch klanglich in die Welt der Märchen eintauchen ließen. So spielte das Duo auf dem Saxofon einen kleinen Ausschnitt aus dem Musikmärchen „Peter und der Wolf“ und sorgte damit für einen weiteren kleinen Ausflug in die weite Welt der Märchen.

von -maf-

Texte und Fotos von die-glocke.de sind urheberrechtlich geschützt. Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.