Flüchtlinge sollen selbst kochen


Bei der Unterbringung von Kriegsflüchtlingen aus der Ukraine stößt die Stadt Ahlen aktuell an Kapazitätsgrenzen. Das machte Sozialdezernentin Stephanie Kosbab jetzt in einem Sachstandsbericht im Rat deutlich. Demnach ist die Notunterkunft in der ehemaligen Mammutschule überbelegt, das Angebot an Wohnungen ausgeschöpft.

Zurzeit werden die ukrainischen Kriegsflüchtlinge in der ehemaligen Mammutschule noch aus einer zentralen Catering-Küche verpflegt. Künftig sollen sie sich jedoch selbst versorgen, um die Kosten für die Stadt zu reduzieren. Ulrich Gösmann

Den eindringlichen Appell, die Städte und Gemeinden bei der Bewältigung des Flüchtlingszustroms aus der Ukraine nicht im Stich zu lassen, richtete Stadtkämmerer Dirk Schlebes in der jüngsten Ratssitzung an Bund und Land. „Geben Sie Geld in die Kommunen und nicht nur gute Worte“, so Schlebes, der die Kommunalpolitiker bat, diese Forderung über ihre Abgeordneten in Düsseldorf und Berlin bei den zuständigen Ministerien zu platzieren.

Schon zuvor im Finanz- und Personalausschuss hatte der Kämmerer anhand von konkreten Zahlen aufgezeigt, wie die Kosten für die Unterbringung der Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine den städtischen Haushalt belasten. Zum Stichtag 30. Juni waren demnach Aufwendungen in Höhe von circa 550 000 Euro nicht durch Einnahmen in Form von Erstattungen durch Bund und Land gedeckt.

Die Stadt sucht daher nach Wegen, um die Ausgaben zu senken. Eine Idee ist, die Verpflegung in der Notunterkunft am Röteringshof neu zu organisieren, dem externen Caterer zu kündigen. Die Ukraine-Flüchtlinge, die inzwischen nicht mehr unter das Asylbewerberleistungsgesetz fallen, sondern Sozialleistungen nach SGB II beziehen, sollen sich künftig selbst versorgen. Es sei zunächst geplant, fünf Küchen in der ehemaligen Mammutschule einzurichten, informierte Sozialdezernentin Stephanie Kosbab den Rat. Abhängig von den technischen Gegebenheiten, die noch zu prüfen seien, könnten es auch mehr werden. Kosbab rechnete vor, dass sich auf diese Weise pro Tag 3450 Euro einsparen ließen, bei einer Belegung mit 150 Personen, die aktuell jedoch höher ist. Wenn die Flüchtlinge zusammen einkaufen und kochen würden, so die Erste Beigeordnete, habe das auch eine „soziale Komponente“. Den Vertrag mit dem Arbeiter-Samariterbund (ASB) als Betreiber der Un­terkunft habe die Stadt fristgerecht zum 31. Dezember gekündigt, jedoch in der festen Absicht, die Zusammenarbeit über die­ses Datum hinaus fortzusetzen. Bürgermeister Dr. Alexander Berger lobte den ASB als professionellen und zuverlässigen Partner.

Seit dem 1. April dieses Jah­res wurden nach den Worten von Stephanie Kosbab insgesamt 425 Geflüchtete am Röteringshof untergebracht, wobei die Auslastung der Einrichtung stark schwanke. Der niedrigste Stand wurde am 11. April mit 41 Personen verzeichnet, der bisherige Höchststand mit 171 Bewohnerinnen und Bewohnern am 20. September. „Wir stoßen an die Kapazitätsgrenzen“, erklärte die Sozialdezernentin, inzwischen müsse auch die Turnhalle in Anspruch genommen werden. Vor dem Hintergrund des Kriegsgeschehens in der Ukraine und des bevorstehenden Winters rechnet Kosbab für Ahlen, dessen Erfüllungsquote aktuell bei 91 Prozent liege, mit weiteren Zuweisungen.

Zunehmend schwieriger, so Kosbab, werde es, die Flüchtlinge in Wohnungen zu vermitteln. Momentan seien alle Angebote ausgeschöpft. Es bestehe also weiter dringender Bedarf an der Stelle. Die meisten Flüchtlinge, zum überwiegenden Teil Alleinerziehende oder Familien mit Kindern, richteten sich auf ei­nen längeren Aufenthalt in Deutschland ein. Folglich müssten auch die Anstrengungen zur Integration der Geflüchteten forciert werden, etwa bei der Sprachvermittlung. Bei der Volkshochschule liefen bereits neun Sprach- und Integrationskurse parallel, ab Oktober komme ein zehnter dazu. Auch der Bedarf an Kita-Plätzen sei weiter steigend. „Wir machen das alles gerne“, versicherte Stephanie Kosbab, „aber es ist eine Herausforderung.“ Der Bürgermeister dankte allen Haupt- und Ehrenamtlichen, die sich in der Flüchtlingsbetreuung engagieren.

von Von Peter Harke

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