Frauen in Chile schon lange emanzipiert


Barbara Berger machte in einem interessanten und kurzweiligen Vortrag mit ihrem Heimatland Chile bekannt. Und berichtete so manch Überraschendes.

Lange war der Saal der Familienbildungsstätte nicht mehr so gut gefüllt gewesen beim Internationalen Frauenfrühstück wie am Samstag. Angelika Knöpker

„Es sieht so aus, als wenn Corona eine Pause eingelegt hätte“, freute sich Rocio Siekaup am Samstagmorgen bei der Begrüßung der Gäste des Internationalen Frauenfrühstücks (IFF). Lang ist es her, dass so viele Frauen den Saal der Familienbildungsstätte füllten. Oder lag es am Thema? Barbara Berger machte in einem interessanten und kurzweiligen Vortrag mit ihrem Heimatland Chile bekannt. Die 62-Jährige war vor 30 Jahren mit ihrem Ehemann Walter Ide nach Deutschland gekommen, da er über den deutsch-lateinamerikanischen Austauschdienst ein Stipendium an der Uni Münster bekommen hatte.

Das Land auf dem südamerikanischen Kontinent erstreckt sich über eine Länge von 4 200 Kilometern und ist in zwölf Provinzen aufgeteilt. Hauptstadt ist Santiago de Chile, wo Barbara Berger geboren und aufgewachsen ist. Gern erinnert sie sich an ihre unbeschwerte Kindheit, hatte doch die Großmutter ein Häuschen direkt am Strand, wo sie die Ferien verbringen durfte. „ Chile ist ein Land, wo die Welt zu Hause ist“, beschrieb die Referentin die Vielfalt der Kultur, Landschaften und der Menschen. Urvölker waren die Inkas. Heute leben in der Hauptstadt 5,6 Millionen Einwohner, davon seit 2016 eine Million Flüchtlinge. „Dort gibt es das höchste Pro-Kopf-Einkommen und die höchste Lebenserwartung“, berichtete Barbara Berger zum Erstaunen der Frauen. Lithium, Obst wie Avocados und Äpfel, aber auch die Fischerei mit dem Fang von Muscheln, Austern und Shrimps sind Einnahmequellen.

Im Gegensatz zu Deutschland gibt es in Chile keine Auszubildenden. Nach den acht Jahren Schulpflicht ist der Übergang in eine vierjährige Mittelschule, dann technische Schule, technische Hochschule und Universität möglich. Eine Schuluniform ist Pflicht und berechtigt zur kostenlosen Nutzung von Bussen und Bahnen.

Schon seit 1877 dürfen Frauen an den Unis studieren und seit 1925 über ihr eigenes erarbeitetes Vermögen allein entscheiden. Berühmte Frauen haben sich in Chile einen Namen gemacht: so ist Gabriela Mistral Literatur-Nobel-Preisträgern, Isabell Allende bekannte Schriftstellerin durch „Das Geisterhaus“, das in mehrere Sprachen übersetzt und verfilmt wurde. Michelle Bachalet Jeria wurde 2006 als erste Frau Präsidentin des Landes und ist heute Kommissarin für Menschenrechte. Cecilia Bolocco wurde in den 80er Jahren durch ihren Titel „Miss Universe“ weltberühmt.

Es gab keine Frage, die Barbara Berger nach ihrem engagierten Vortrag nicht beantworten konnte. Dementsprechend fiel auch der Beifall zum Schluss aus.

Das nächste Treffen des Internationalen Frauenfrühstücks findet am 18. Juni von 18 bis 21 Uhr in der Familienbildungsstätte statt. Dann soll die für Februar geplante und coronabedingt ausgefallene Jubiläumsfeier nachgeholt werden. Am 16. Juli lädt das Organisationsteam zu einer Fahrradtour mit Picknick im Stadtpark ein, und am 20. August begrüßt Dr. Martina Padberg die Frauen im Kunstmuseum zum Frühstück mit anschließender Führung.

von Von Angelika Knöpker

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