„Grünem Hobby“ bis zuletzt treu


Sein Name ist untrennbar mit dem Ahlener Jagd- und Schützenwesen verbunden. Im Alter von 89 Jahren verstarb Dr. Walter Mentrup. Ein Nachruf!

Es gab kaum eine jagdliche Veranstaltung oder ein Schützenfest, bei dem Dr. Walter Mentrup nicht das Horn erklingen ließ. Christian Wolff

Wer Dr. Walter Mentrup kannte, wusste genau, dass ihn so schnell nichts erschüttern konnte. Hürden und schwere Schicksalsschläge wie den Verlust seiner geliebten Frau Ida brachten den aktiven Ahlener zwar ins Wanken, doch gänzlich umhauen ließ er sich nicht. Nur ganz zum Schluss musste er zugeben, dass ihn die Kräfte verließen. Am Freitag ist Mentrup im Alter von 89 Jahren verstorben.

„Ich bin nicht mehr der alte Walter“, gestand er Mitte November mit angeschlagener Stimme, als er sich zum letzten Mal telefonisch in der Redaktion meldete, um das Fehlen der Beilage „Prisma“ in seiner Tageszeitung zu melden. Solange er konnte, hatte er seine „grünen Hobbys“ wie Jagd- und Schützenwesen gepflegt. „Stubenhocker“ sein – das war ganz und gar nicht sein Ding. Unzählige Jagdhornbläser hat der frühere Hegeringsleiter ausgebildet. Generationen nannten ihn einfach nur „Doktor“.

Mentrup lernte schon früh, unmittelbar nach dem Besuch der Volksschule, das jagdliche Brauchtum kennen. Sein Vater Heinrich nahm ihn dabei unter seine Fittiche. Zur Familie gehörten außerdem ein Bruder und zwei Schwestern. Nach dem Abitur begann Walter Mentrup ein Betriebswirtschaftsstudium und promovierte. Beruflich war er in den folgenden Jahrzehnten bei der Firma Krupp aktiv – bis zu seiner Pensionierung.

Seit dem Erwerb des Jagdscheins schärfte „Doktor“ den ihm typischen „Instinkt für Wild“ in der Bauerschaft Oestrich, später ebenso in Gerlos (Österreich). Zugleich wuchsen seine Verdienste auf dem Gebiet des Signalblasens.

Bis 1952 gab es in Ahlen nur einen Jagdhornbläser – den Förster Fischer, der in Diensten des Barons von Boeselager stand. 1953 änderte sich das: In der Gaststätte Quante wurde die erste Jagdhornbläsergruppe gegründet. Sie bestand aus fünf Bläsern, die auf den Treibjagden in den Ahlener Revieren ihre Signale ertönen ließen. Diese dienen vor allem der Orientierung der Jäger im Gelände, aber auch der Jagdkultur.

In den Jahren 1957/58 stellte Dr. Walter Mentrup fest, dass in der Wersestadt noch eine weitere Bläsertruppe übte. Es gelang ihm, diese beiden Gruppen zusammenzufügen und zu erweitern. Im Laufe der Zeit wuchs die Gruppe auf 14 Bläser an und startete auch auf Kreis- und Landesebene.

Im Jahr 1969 errang Dr. Walter Mentrup die Königswürde im Bürgerschützenverein Ahlen. Zur Mitregentin wählte er Renate Wältermann. Seine Schießkünste sicherten ihm darüber hinaus so manche Plakette. Beim Kommers stellten seine Schützlinge aus den Bläserreihen immer wieder ihr Können unter Beweis.

Auch die drei Söhne – Winfried, Andreas und Thomas Mentrup – sind dem „grünen Hobby“ ihres Vaters eng verbunden geblieben. Sogar mit dem Enkel ging Dr. Walter Mentrup später noch zur Jagd und gab die jahrzehntelange Erfahrung gerne weiter. Im hinteren Teil der Gaststätte „Lindenhof“, direkt neben einem Wohnhaus an der Weststraße 88, hielt Walter Mentrup regelmäßig die Probentermine ab.

Die enge Verbindung zu „seinen“ Schützen ließ sich Mentrup bis zuletzt nicht nehmen. Schon von schwerer Krankheit gezeichnet besuchte er im November 2021 das Martinsgansessen im Kreise der ehemaligen Majestäten. Es war sein letzter öffentlicher Termin, bei dem er selbst eine gewisse Abschiedsstimmung aufkommen ließ. Er war sich bewusst, dass ihn die Erkrankung bald doch „umhauen“ würde. wie er sagte. Mit einem letzten „Horrido“ werden ihn in diesen Tagen sicher so manche Familienmitglieder, Freunde und Wegbegleiter ehren.

von Christian Wolff

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