Kirche kommt zu den Menschen


Tiny Houses sind mittlerweile bekannt. Aber Tiny Churches? Die sind – im Modell – zurzeit in der St.-Marien-Kirche zu sehen. Studierende der „Münster School of Architecture“ haben mobile Kirchen entworfen. Und eine Idee traf den Nerv besonders.

Der Siegerentwurf von Johannes Pietz und Rasmus Ellerhoff im Modell: Der konisch zulaufende Körper der Kirche gewinnt im Altarbereich an Höhe und öffnet optisch den Raum der fahrbaren Kirche. Dierk Hartleb

Die Vorstellung einer Kirche für unterwegs beschäftigt Pfarrer Dr. Ludger Kaulig schon seit Längerem. „Wie wäre es, eine Kirche bei der Wallfahrt nach Telgte oder bei Andachte in der Natur dabei zu haben?“ Das hatte sich der katholische Stadtpfarrer des Öfteren gefragt.

Es war bei einer Zusammenkunft mit den Gremienmitgliedern und Vertreterinnen und Vertretern der KFD-Frauen, Landfrauen und Landjugend im Winter 2021, also mitten in der Corona-Zeit. „Wir haben einfach mal herumgesponnen“, erinnert sich Kaulig im lebhaften Austausch mit Birgit Schlüter, Teamsprecherin der Landfrauen, die am Donnerstagabend wie etliche andere auch den Weg in die Marienkirche gefunden hat. Dort erwarten sie ein knappes Dutzend Entwürfe für eine Tiny Church, die Studierende der Fachhochschule Münster im Fachbereich Architektur, der „Münster School of Architecture“ (MSA), als Semesterarbeit gefertigt haben. Die Aufgabe hatte der Architekt Matthias Fritzen im Rahmen eines Lehrauftrags gestellt.

Die Idee, das Thema Minikirche oder Tiny Church von Studentinnen und Studenten bearbeiten zu las­sen, hatten die Verantwortlichen der Kirchengemeinde dankbar angenommen. Entsprechend herzlich ist der Em­pfang bei der Erstpräsentation der Entwürfe, zu der urlaubsbedingt nur einige Teilnehmerinnen und Teilnehmer gekommen sind.

Johannes Pietz und Rasmus Ellerhoff punkteten bei der fünfköpfigen Jury mit ihrem Entwurf am meisten. Er sieht eine fahrbare Kleinkirche, montiert auf einem Anhänger, vor, die aus Holz besteht. Der Innenraum, in dem acht bis zehn Personen Platz haben, wirkt durch die in den Wänden eingelassenen Fenster sehr hell. Der Korpus des Kirchenschiffs gewinnt in Richtung des Altars an Höhe und wird in diesem Bereich etwas abgeflacht. Was der Jury neben anderem gefallen hat, ist, dass der Innenraum im Rohzustand völlig leer ist. Bei Bedarf werden Bänke aus den Seitenwänden ausgeklappt, auch der Altar wird erst auf diese Weise sichtbar.

Die zu beachtenden Vorgaben waren auf ein Minimum beschränkt und beinhalteten unter anderem die Höhe, die wegen der Passierbarkeit von Unterführungen ein gewisses Maß nicht überschreiten durfte.

„Wir haben hier eine ganze Reihe guter Entwürfe“, stellte Matthias Fritzen anerkennend fest. Nicht berücksichtigt sind die Kosten, die die auf Tiny-Häuser spezialisierte Hammer Firma Diekmann mit 70.000 bis 80.000 Euro kalkuliert.

In den nächsten vier Wochen sind die Entwürfe in der Marienkirche zu sehen. Am 29. August findet zu dem Thema eine öffentliche Veranstaltung statt.

von Von Dierk Hartleb

Texte und Fotos von die-glocke.de sind urheberrechtlich geschützt. Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.