Reizvolle Kombination von Orgel und Orchester


Orchester spielen in Hallen und Sälen, Orgeln sind fest in Kirchen installiert. Und doch gibt es Schnittstellen, wie das Marktmusik-Konzert bewies.

Nach Konzertende überwanden alle beteiligten Musiker die Distanz von Orgelbühne und Altarraum, um den großen Applaus ihres Publikums zu genießen. Ralf Steinhorst

Eine außergewöhnliche Marktmusik erlebten die Konzertbesucher am Samstagvormittag in der St.-Bartholomäus-Kirche. Denn das Aufeinandertreffen von Orgel und Orchester in einem Konzert hat Seltenheitswert.

Es war nicht nur die letzte Marktmusik in diesem Jahr, sondern für einige Monate die letzte in der St.-Bartholomäus-Kirche, die demnächst renoviert wird. „Das Konzerte für Orgel und Orchester eine Rarität sind“, zeigte Initiator Andreas Blechmann, in seiner Einleitung auf: „Mit Ausnahme von Händel und dem frühen Haydn hat sich keiner der klassischen Komponisten mit dieser reizvollen Kombination befasst.“ Was wohl daran liegt, dass Orgeln fest in Kirchen installiert sind, während Orchester üblicherweise in Palästen und Konzerthallen spielen. Aber Francis Poulenc wagte mit seinem Konzert für Orgel, Orchester und Pauke, das unter der Leitung Andreas Blechmanns gespielt wurde, diese instrumentale Mischung.

In St. Bartholomäus bewiesen Larissa Neufeld an der Orgel und ein Ensemble der Dortmunder Philharmoniker zusammen mit Jörg Segtrup an der Pauke, dass es Schnittpunkte gibt.

Zunächst aber spielte das Streicherquartett der Philharmoniker Wolfgang Amadeus Mozarts „Quartetto“ als Intro. Warum gerade das Werk, gibt es ein Zusammenhang zum nachfolgenden Orgelkonzert von Francis Poulenc? Streicher Hauke Hack lächelt auf Nachfrage und schüttelt leicht mit dem Kopf: „Nein, es ist einfach schön, oder?“ Der Applaus des Publikums in der gut besetzten Kirche zeigte, dass er Recht hatte.

Das Orgelkonzert leitete Gabriele Camp-Weichel erklärend mit einem Text ein. Francis Poulenc schrieb das Werk 1936. Er gehörte der „Groupe des Six“ an, die die Idee eines lockeren, ironischen und häufig ins Surreale führenden antiromantischen Stils pflegte. Viele Anklänge an die Unterhaltungsmusik, vom Jazz übers Varieté bis hin zur Jahrmarktmusik, zeichnen Poulencs Werke aus.

Das kam deutlich in dem Konzert zum Vorschein, in dem Orgel und Orchester sich abwechseln – wie im „Allegro giocoso“, in dem sich beide thematisch die Bälle zuwerfen. In anderen Teilen stand dann aber durchaus das Zusammenspiel im Vordergrund. Das „Tempo de l’Allegro initial“ schließlich zeigte den Stil Poulencs deutlich, mit ein bisschen Fantasie offenbarte sich ein Bezug zu einer Drehorgel auf einem Jahrmarkt. Dem Publik gefiel das ungewöhnliche Konzert, der große Applaus nach dem Ende bezeugte es.

von Von Ralf Steinhorst

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