RW Ahlen verliert – aber zeigt Charakter


Das Spiel dauert bekanntermaßen 90 Minuten – und da hilft es am Ende wenig, wenn man die meisten davon gut spielt – aber 20 Minuten lang komplett neben sich steht: Von der 20. bis zur 40. Minute kassierte RW Ahlen bei der Schalker Reserve vier (!) Gegentreffer, zu viel, um noch Zählbares mit nach Hause zu nehmen. Immerhin konnte sich das Endresultat von 3:5 dann noch sehen lassen.

Laufduell zwischen Ahlens Jan Holldack (rechts) und dem Schalker Jimmy Kaparos. Holldack erzielte das erste Tor für die Gäste. Fotostand / van der Velden via www.imago-images.de

Zur Halbzeit deutete sich eine schlimme Klatsche an, ganz am Ende hätte es fast noch zu einer Punkteteilung gerecht. Ein schlimmes Zwischentief über 20 Minuten kostete RW Ahlen am Dienstagabend Zählbares. 3:5 (0:4) verlor Fußball-Regionalligist RW Ahlen bei der U-23-Vertretung des FC Schalke 04. Rein auf das Ergebnis reduziert, war es ein Rückfall nach zuletzt sehr vorzeigbaren Zahlen und Leistungen. Erst am vergangenen Freitag hatten die Schützlinge von Trainer Andreas Zimmermann dem benachbarten Titelaspiranten Preußen Münster beim verdienten 1:1 noch zwei Zähler abgerungen.

Nach fünf Spielen ohne Niederlage (ein Sieg, vier Unentschieden) kam der temporäre Rückfall eigentlich unerwartet. Umso mehr, da Ahlen gegen die Talentschmiede aus dem Revier stark begann. Patrik Twardzik traf nach zehn Minuten den Pfosten des Schalker Tores. „Vieles danach hätte anders laufen können, wenn dieser Ball reingegangen wäre“, haderte Co-Trainer Orhan Özkara.

Bis zur 23. Minute hielten die Ahlener den eigenen Laden dicht. Das 1:0 durch Sven Mende, der im Anschluss an eine Ecke von Kerin Calhanoglu vollstreckte, machte den Schalkern spontan Appetit auf mehr. Dem Kontrahenten indes fuhr der Gegentreffer tief und lähmend in die Glieder. 120 Sekunden nach dem 1:0 klingelte es erneut im Kasten von Daniel Szczepankiewicz, diesmal ließ sich Maronaue Balouk als Torschütze feiern. Ahlen schüttelte sich, sah aber weiter nur die Fersen der „Blauen“. Noch vor der Pause erhöhten Diamant Berisha (38.) und Björn Liebnau (40.) mit feinem Distanzschuss auf 4:0. Damit schien die Sache vorzeitig geklärt, für Rot-Weiss – so dachten alle Spielbeo­bachter – ging es fortan nur noch um Schadensbegrenzung.

Doch Ahlen zeigte Charakter. In der Pause hatten sich alle den Mund abgeputzt und kamen im Bestreben zurück, sich nicht ein zweites Mal abschießen zu lassen. Gewiss schaltete Schalke im Gefühl des sicheren Sieges zunächst einen Gang zurück. Dass die Partie aber tatsächlich noch deutlich mehr als nur einen Hauch von Spannung bekam, lag in erster Linie an den Gästen. Mit einem Doppelschlag von Jan Holldack (59.) und Andreas Ivan (60.) signalisierte Ahlen die Bereitschaft, Unmögliches zu versuchen. Das war ehrenwert. Und als Ivan später auf 3:4 verkürzte, war sogar ein Teilerfolg greifbar. Noch einmal Ivan hatte den Ausgleich in sehr aussichtsreicher Position auf dem Fuß. Erst zwei Minuten vor dem Abpfiff stellte Schalkes Kankam Kyerewaa die Ampel für die couragierten und nie aufgebenden Ahlener dann doch auf Rot. „Ich ziehe den Hut vor der Mannschaft. Das war charakterlich top und bis auf die 20 Minuten vor der Halbzeit auch spielerisch stark“, sagte Özkara.

von Von und

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