Sogar ein Laster passt bequem ins Foyer


Bis zu 1800 Partygäste würden in Ahlens neue Stadthalle passen, wenn der preisgekrönte Entwurf fürs Bürgerforum umgesetzt wird. Im Foyer wäre auch noch Platz für einen Lastwagen.

Hermann Scheidt vor der Stadthalle, die er jetzt an der Südenmauer neu bauen will. Mit seinem Entwurf überzeugte sein Team das Preisgericht. Ulrich Gösmann

Dass mittags viel los ist im Stadthallen-Restaurant, ist Hermann Scheidt auf seinen Erkundungsrunden nicht entgangen. Auch nicht, dass viele ihr Essen abholen. Deshalb der separate Take-away-Bereich mit Kurzzeitparkplätzen im auserkorenen Siegerentwurf für das neue Bürgerforum Ahlen (wir berichteten). Dass nach der Präsentation am Dienstagmittag ein Mittagessen gut gepasst hätte, gibt der Architekt zu. Doch er muss schnell zurück in sein Büro nach Berlin.

Ganz so weit hatte es der 64-Jährige für seine kurzfristige Anreise nicht. Die Nachricht, vom Preisgericht mit seiner Teamarbeit auf dem ersten Platz gelandet zu sein, erreichte den Wahl-Berliner am Montagabend in seiner Geburtsstadt Duisburg. Dort ist er gerade häufiger, um sein aktuelles Projekt Uni-Bibliothek in Gummersbach zu begleiten. Die Handschrift der Scheidt Kasprusch Architekten aus Berlin trägt auch das Staatliche Museum Schwerin. Der Planer nennt es „die Schatzkammer Mecklenburg-Vorpommerns“. Um ihn besser kennenzulernen, erwähnt er auch die Lehrräume der Berliner Charité, die Stadthistorische Bibliothek in Bonn und aktuell drei Feuerwachen. Mit Ahlen soll es nun die erste Stadthalle in sein Portfolio schaffen. Sie ist ein Bestandteil der vier Baukörper, die bei Umsetzung des Entwurfs den großen Stadthallen-Parkplatz übernehmen.

Die Multifunktionshalle wird direkt an der Südenmauer stehen. Mit einem großen Saal, aus dem auch drei kleine werden können. Mit Bühne und einer ausziehbaren Tribüne, die mehr Komfort erwarten lasse, als die in einer Sporthalle, sagt Scheidt. Hier sollen auch der Rat und seine Ausschüsse tagen. Für eine Maximalauslastung der neuen Stadthalle stehen 1000 Sitzplätze (bisher 830) zur Verfügung, Stehplätze 1800 (gegenüber 1500).

Baukörper Nummer zwei überragt als Foyer das Gesamtarrangement mit einem dritten Geschoss. Das ist rundum verglast, hat einen nach oben hin offenen Innenhof und beherbergt Tagungs- und VHS-Räume. Im Modell hat Hermann Scheidt zwei Miniaturlastwagen vor dem Foyer geparkt. Von der Friedrich-Ebert-Straße aus erfolgt die Anlieferung, die nicht vor dem großen Tor enden muss. Lkw können auch bequem hineinfahren. „Wie in eine Messehalle“, präzisiert der Preisträger.

Baukörper Nummer drei hält für die Öffentlichkeit wenig Spannendes bereit. Hier bündeln sich die Räume, die der Gesamtkomplex braucht, um funktionieren zu können. Interessanter wieder das, was Einheit Nummer vier füllt: das Stadthallen-Restaurant mit freiem Werseblick. „Wasser war in der Vergangenheit Transportweg und Abwasserkanal. Heute steht Wasser für Lebensqualität“, macht Scheidt Appetit auf eine Lage, die dem Bestandsrestaurant nicht fremd ist.

Mit seinem Baukörper-Quartett ist das Bürgerforum keineswegs komplett. Es schließt an die Stadtbücherei, die im Modell nur durch einen offenen Windfang vom Neubau-Arrangement getrennt ist. Denkbar auch: ein gemeinsamer Eingangsbaukörper. Veränderungen skizziert der Planer auch im Inneren des denkmalgeschützten Altbaus. Schließlich sollen im Bürgerforum VHS, Bücherei und Stadthalle zusammenfinden. Entsprechend orientiert sich die Höhenlage des Neubaus am Sockelgeschoss der alten Schule. „Die Komplexität und Vielfalt des Inneren macht der Neubau durch seine differenzierte Geometrie und Baukörpergliederung nach außen hin deutlich sichtbar ablesbar“, formulieren die Architekten in ihrem Erläuterungsbericht. Die Baukörper orientierten sich an der Richtung und Linearität des Flusses. Die versetzte Anordnung der Bauteile schaffe Vorplätze, Höfe, Nischen und Eingänge, die das Bürgerforum von allen Seiten schwellenarm öffnen.

Großzügige Fensterflächen wechseln mit Fassadentafeln aus Keramik, die sich Bürgermeister Dr. Alexander Berger bei der Präsentation auch aus Emaille vorstellen kann. Eben als Reminiszenz an die Industriegeschichte Ahlens. Ein Vorschlag, der bei der Präsentation auf offene Ohren des Planers trifft. „Daran hatten wir durchaus auch schon gedacht.“

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