Stimmzettel wurden bei über 80 Prozent plötzlich knapp


Überraschungen hält auch ein gut laufender Wahltag bereit. Davon gab‘s gleich mehrere in Ahlen.

Großes Auspacken am Montag, was am Freitag erst eingepackt wurde: Michaela Paus sortiert sich durch volle Urnen. Ulrich Gösmann

Stimmzettel-Engpässe nicht nur in Berlin. Sie wurden am Sonntagnachmittag auch in einem Ahlener Bezirk knapp. Und dann war da noch eine „Wahlbeobachterin“, die am Abend die Auszählung in einem Briefwahlbezirk bis zum Schluss aufmerksam verfolgte.

Silke Fischer, Sachbearbeiterin Wahlen im Rathaus, setzt am Montagmorgen ein „gut gelaufen“ hinter einen Wahltag, der dennoch einige Überraschungen bereithielt. Mit über 80 Prozent Beteiligung übertraf das Wahllokal Martinschule alle Erwartungen und ließ die Stimmzettel knapp werden. Gegen 16 Uhr der Anruf, bitte nachzuliefern, was umgehend geschah.

Anrufe gab‘s auch davor genug: „Viele, die ihre Wahlbenachrichtigungskarten weggeschmissen oder verlegt hatten“, sagt Fischer. Und immer wieder die Frage: „Wo muss ich wählen?“ Und: Geht‘s auch ohne? Ging – mit Personalausweis.

Plötzliche Ausfälle am Morgen unter den Wahlhelfern: Unter den Krankmeldungen auch zwei, die am Vortag bei einem Verkehrsunfall verletzt worden waren. Die Reserveliste griff und schloss pünktlich zum Start die Lücken.

Rätsel gab am Abend die Teilnahme einer Frau an der Auszählung der Stimmzettel in einem Briefwahlbezirk auf. Silke Fischer schließt einen Zusammenhang mit einer AfD-Ankündigung nicht aus, Wahlbeobachter in Briefwahlbezirke zu entsenden.

Für Aufsehen sorgte auch eine Mini-Wahlurne mit dem ZDF-Logo. Mit dem Auftritt von Jürgen Mehring und Antonius Köster vor dem Wahllokal 12 Städtisches Gymnasium hatte alles seine Richtigkeit. Im Auftrag der Forschungsgruppe Wahlen baten sie jeden fünften Wähler erneut zur Stimmabgabe. Dazu Altersgruppe, Berufsgruppe und die Frage, welche Partei bei der Bundestagswahl 2017 gewählt worden war. Drei Mal wurden Zwischenergebnisse an den zentralen Rechner geschickt. Wahlverhalten und Wählerwanderungen von 170 Ahlenern flossen am Abend mit in die ZDF-Grafiken ein.

Nicht ganz so eilig hat es IT.NRW. Das Landesamt für Datenverarbeitung und Statistik bekommt jetzt die Stimmzettel aus dem Briefwahlbezirk 3 für eine weitere Auswertung zugeschickt.

Und sonst? Mit dem Briefwahlbezirk 6 gingen um 21.15 Uhr die letzten Ergebnisse im Rathaus ein. Er war mit 1500 Stimmen der größte. Eine halbe Stunde später erreichte auch die letzte Urne die Sitzungsetage. Kurz vor 23 Uhr war dann auch für Silke Fischer der Wahltag gelaufen. 73,45 Prozent der Ahlenerinnen und Ahlener hatten gewählt. Bei der Bundestagswahl 2017 waren es 71,48 Prozent.

von Von Ulrich Gösmann

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