Streaming-Boom kam unverhofft


Für Stefan Braunsmann hielt das abgelaufene Jahr einen unverhofften Start in einen Geschäftsbereich bereit, dessen Ausmaß sich allenfalls in Umrissen abzeichnete: Für Live-Schaltungen wurde der Medienprofi immer öfter angefragt.

Auch bei Gremiensitzungen des Stadtrates mit auswärtigen Fachleuten griffen die Verantwortlichen im Rathaus gern auf die Technik und Erfahrungen von Stefan Braunsmann und seiner Firma „media continuo“ zurück. privat

Ob der „Augenmensch Christian Rolhfs“ – so lautete der Titel der Ausstellung, die das Kunstmuseum Ahlen im Frühjahr 2021 zeigte – auch Freude an der Musik von Johann Sebastian Bach und seinem Sohn Philipp Emanuel hatte, wie sie von Preußenkönig Friedrich dem Großen überliefert ist, kann nur vermutet werden. Stefan Braunsmann, sein Mitarbeiter Sascha Winkelmann und Michael Oertel als Tontechniker waren je­denfalls am 24. April 2021 ganz Ohr für die Musik von Constanze Kästner und Sigrun Stephan bei ihrem Auftritt im Museum, denn auch für die Technik war es eine Bewährungsprobe. „Es war quasi unser Einstieg“, meint Stefan Braunsmann heute im Rückblick.

Zwar hatte er mit seiner Firma „media continuo“ bereits zahlreiche katholische Gottesdienste aus der Ludgerikirche und auch zwei Konzerte im Rahmen der Marktmusik gestreamt, aber die Arbeit mit mehreren Kameras war auch für ihn Neuland. Auf einen öffentlich zugänglichen Live­stream hatten die Kulturgesellschaft als Veranstalter und das Kunstmuseum als Mitorganisator allerdings verzichtet, so dass der Mitschnitt nach Bearbeitung erst später auf die jeweiligen Homepages gestellt werden konnte.

Für Braunsmann und Winkelmann war es gleichwohl der unverhoffte Start in einen Geschäftsbereich, dessen Ausmaß sich allenfalls in Umrissen abzeichnete. Weil auch im Ahlener Rathaus zunehmend der Vorteil von Live-Schaltungen erkannt worden war, wenn es um Vorträge auswärtiger Fachleute oder coronakonforme Preisgerichtssitzungen von Architekturwettbewerben wie etwa für das neue Stadthaus ging, wurde der Medienprofi des Öfteren für seinen Service angefragt. Und da dann auch die zugeschalteten Experten mitbekamen, dass auf der anderen Seite hinter der Kamera und am Regiepult Leute am Werk waren, die etwas davon verstehen, erreichten Braunsmann bald auch Anfragen aus anderen Teilen der Republik.

Aus einer online durchgeführte Lehrerfortbildung für die Bezirksregierung Münster ergab sich für die Ahlener ein Kontakt nach Warendorf mit zwei weiteren Folgeaufträgen.

„Manchmal wundere ich mich selbst, wie solche Empfehlungen zustandekommen“, gibt Braunsmann zu. Weil auch noch Aufträge in Dänemark, der Schweiz und Südtirol dazu kamen, teilten er und Winkelmann sich die Arbeit: Einer übernahm den ersten Teil, der andere den zweiten. Aber auch zu zweit hätten sie es ohne Unterstützung von selbstständigen Technikern nicht geschafft, wie Stefan Braunsmann einräumt. „Ich freue mich, wenn ich auch etwas für Kollegen tun kann“, erklärt er. Denn viele in der Veranstaltungsbranche Tätige seien durch die Lockdowns durch harte Zeiten gegangen. Dass es sich durch Streaming geschäftlich für ihn so positiv entwickelt habe, sei nicht voraussehbar gewesen. „Und dafür bin ich dankbar“ unterstreicht Stefan Braunsmann. Dabei hat er nicht vergessen, wie enttäuscht er war, als Anfang des vergangenen Jahres die Sanitärmesse „ish“ wegbrach.

Ein bisschen sehnen sich Braunsmann und Winkelmann aber auch wieder nach Aufträgen in ihrem Kerngeschäft wie Imagefilme oder Werbespots. Aber in Zeiten, in denen die Menschen weniger ins Kino gehen, ist hier die Nachfrage gesunken. Die meisten werden ohnehin mittlerweile für social media produziert.

Und wie sehr hat Corona die Arbeit verändert? „Wir mussten uns bei jedem Auftrag mit den jeweiligen Hygieneschutzbestimmungen vertraut machen“, verrät Braunsmann mit leisem Lächeln. Klar, doppelt geimpft und geboostert gehört zum Entree.

von Von Dierk Hartleb

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